Aus dem Gespräch mit seiner Beraterin sei er "Plus-Minus-Null" raus gegangen, sagt Realschüler Sebastian Fischer, 16, aus Berlin. Er wusste genau, was er werden wollte: Chemie-Laborant bei einem Großunternehmen. Aber seine Beraterin bei der Arbeitsagentur versuchte, es ihm auszureden. Wäre er nicht zielstrebig seinen Weg gegangen, das Gespräch hätte für ihn ein glattes "Minus" bedeutet.
Berufsberatung bei der Arbeitsagentur: "Machen Sie erstmal Abitur"
Die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest hat erstmals die Berufsberatung der Arbeitsagenturen auf die Probe gestellt: 66 Schüler und Auszubildende bemühten sich um einen Termin mit ihrem persönlichen Berater, jeder junge Mensch in Deutschland hat ein Anspruch darauf. Die Agenturen haben per Gesetz den Auftrag bekommen, Jugendliche beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium zu beraten.
Abgewiesen, vertröstet - Termin in zehn Wochen
Drei von ihnen wurden direkt abgewiesen oder vertröstet. Eine Jugendliche bekam gar zu hören, sie müsse als "arbeitssuchend" gemeldet sein, um beraten werden zu können. Das ist schlicht falsch. Aber auch von den Jugendlichen, die zu einem Gespräch eingeladen wurden, war nur die Hälfte zufrieden.
Insgesamt 63 Schüler füllten nach ihrer Beratung einen ausführlichen Fragebogen aus. Das Ergebnis: Im Durchschnitt bekamen die Berater eine knappe Note 3 - das ist zu wenig. Meist gingen sie kaum auf die Wünsche der Schüler ein, selten machten sie praktische Vorschläge.
Nicht nur inhaltlich, auch organisatorisch ließ die Starthilfe zu wünschen übrig: Manch ein Berater wollte keinen Termin nach Schulschluss anbieten. Ein Tester musste zehn Wochen auf sein Gespräch warten.
Auch andere Beratungsstellen enttäuschten. Schlechte Kritiken bekamen vor allem die Berater der Handwerkskammern. Möglicher Hintergrund: Die Leute dort sind eher auf Probleme während der Ausbildung vorbereitet als auf klassische Berufsberatung.
Kommunalberatung und Handelskammer stark
Besser kam die Ausbildungsberatung der Industrie- und Handelskammern an. Zwei der drei jugendlichen Tester fanden die Ratschläge der Berater dort nützlich. Im Grunde gute Noten bekamen auch Studienberatungsstellen. Die Mitarbeiter dort beantworteten alle Fragen zur Zufriedenheit der Tester. Allerdings: Die Beratung war eher unfreundlich und schlecht organisiert, notierten sie.
Am besten schnitten kommunale Beratungsstellen ab. Bei vier von fünf Testern erkundigten sich die Berater sorgfältig und genau nach den persönlichen Vorlieben und Stärken. Alle fünf lobten die konkreten Auskünfte und Ratschläge der kommunalen Berater.
Auch drei private Beratungsstellen gaben ein gutes Bild ab. Eine von ihnen stellte für die Vorbereitung aufs Gespräch einen umfangreichen Fragebogen zur Verfügung. Die Beratung anschließend lief nach Ansicht des Testers prima - er weiß jetzt, wo er sich bewerben will. Der große Nachteil bei den Privaten: Sie sind teuer. 150 bis 1000 Euro Honorar wollen sie haben.
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