Die Kultusminister haben am Donnerstag in Berlin leichte Nachbesserungen beim umstrittenen "Turbo-Abitur" nach 12 Schuljahren beschlossen. Sie wollen zwar grundsätzlich am vereinbarten Unterrichtsvolumen von 265 Wochenstunden ab Klasse fünf bis zur Reifeprüfung festhalten. Gleichzeitig dürfen aber Übungen, Vertiefungsstunden und Projekte "flexibler" als bisher angerechnet werden - auch über den bisher schon üblichen Rahmen von fünf Stunden hinaus.
260 Wochenstunden müssen allerdings konkret im Lehrplan fachgebunden ausgewiesen werden. Sie werden dann auf die einzelnen Schuljahre verteilt.
Fast alle Bundesländer haben eine Verkürzung der Schulzeit auf dem Gymnasium von neun auf acht Jahre beschlossen. In den Ländern ist die Ausgangslage aber recht unterschiedlich. Während eine insgesamt zwölfjährige Schulzeit in Ostdeutschland Tradition hat, erregt die auch unter dem Schlagwort "G8" bekanntgewordene Reform in den westlichen Bundesländern bei Schülern, Eltern und auch bei vielen Lehrern heftigen Unmut. Sie werfen Bildungspolitikern vor, trotz einer ausreichenden langen Vorlaufzeit die Schulzeitverkürzung hastig, planlos und ohne Rücksicht auf die Schüler umzusetzen.
In den letzten Monaten kam es zu wütenden Protesten gegen den "Diebstahl der Kindheit" bei Schülern, die vor allem in der gymnasialen Mittelstufe oft 35 bis 40 Unterrichtsstunden absitzen müssen - und anschließend warten auf sie noch reichlich Hausaufgaben sowie die Vorbereitung von Klassenarbeiten oder Klausuren. Der Lehrplan ist stramm, die Inhalte wurden vielfach einfach ohne Abstriche von neun auf acht Jahre verdichtet.
Mit dem neuen Beschluss der Kultusministerkonferenz wollen die Länder den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Die Bildungsminister sind sich indes einig, dass eine Rückkehr zur 13-jährigen Schulzeit nicht in Frage kommt. Mit dem "G8" wollen sie dafür sorgen, dass deutsche Schul-Absolventen jünger ins Berufsleben einsteigen als bisher.
jol/dpa/AP
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