Abi - und dann? Es gibt ein Leben ohne Uni

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Rucksacktourist in Barcelona: In einem Jahr die Welt sehen

Die Anmeldefrist für das Wunschstudium verpasst? Ein Abi in der Hand, aber irgendwie doch nicht hochschulreif? Macht nichts. Hier sind fünf Optionen für alle, denen der Weg an die Hochschule versperrt oder nicht geheuer ist.

Der 15. Juli ist wie Weihnachten im Sommer: Das Datum ist immer dasselbe, der alljährliche Stress für Studienbewerber vorher ebenso - obwohl man doch lange im Voraus weiß, was bis dahin zu tun ist. Wer im Wintersemester anfangen möchte zu studieren, muss sich spätestens bis zum 15. Juli eines jeden Jahres um einen Studienplatz bewerben, wenn das Wunschfach am Wunschort zulassungsbeschränkt ist. Punkt.

Trotzdem verpassen jedes Jahr aufs Neue eine Reihe von eigentlich Studierwilligen diese Frist. Sei es aus selbstgemachter Zeitnot (die Sonne, die Freunde, der Alkohol), aus Unentschlossenheit (was?, wo?, wie?) oder aus schlichter Unwissenheit (15. Juli - echt?). Häufige Folgen sind verärgerte Eltern ("du hattest doch so viel Zeit!"), leichte Sommerdepressionen ("nichts kriege ich hin") und gesteigerte Zukunftsängste ("wie soll es jetzt nur weitergehen?").

Doch, keine Sorge, diese Reaktionen sind meist nur kurzfristig. Viel besser ist: Wer die diesjährige Frist verpasst hat oder wer in ein paar Wochen nur Ablehnungsbescheide in der Post findet, hat Zeit gewonnen. Mindestens ein halbes Jahr - etwa 80 Bachelor-Studiengänge beginnen im Sommersemester. Oder sogar ein ganzes Jahr. Nämlich bis zum kommenden 15. Juli. In dieser Zeit sammelt man Wartesemester und, noch wichtiger, Lebenserfahrungen. Und die sind häufig viel nachhaltiger und prägender als zwei Semester an der Uni.

Wir zeigen Alternativen zum Studium:

Jobben, Kohle verdienen, die Welt sehen: Auf einer Farm in Neuseeland jobben, eine Saison im Disneyland in Paris oder in einer Tauchschule in Portugal verbringen - all das geht. Praktika, Sommerjobs und Arbeitsplätze rund um die Welt findet man zum Beispiel bei der Bundesagentur für Arbeit unter www.planet-beruf.de oder bei der Vermittlung von Jobs und Praktika im Ausland.

Austesten, orientieren, schnuppern: Wer weiß, dass er auf jeden Fall studieren will, aber keine Ahnung hat, was, kann sich jetzt Zeit zum Ausprobieren nehmen. Hochschulen bieten Infoveranstaltungen, Tage der offenen Tür oder offene Vorlesungen an. Einige haben das sogenannte Studium Generale im Programm - zwei Semester lang besuchen Studenten Veranstaltungen in unterschiedlichen Bereichen und Fächern. Scheine und Credits, die man in dieser Zeit erwirbt, kann man sich hinterher anrechnen lassen. Doch auch hier gilt: Man muss sich bewerben. Rechtzeitig.

Wer sich lieber im stillen Kämmerlein Gedanken macht, kann sich online orientieren. Viele Hochschulen bieten Online-Self-Assessment-Tests an, zum Beispiel der Beratungstool-Klassiker der Ruhr-Uni Bochum, das "Borakel". So können Abiturienten herausfinden, was ihnen liegt. Hochschulunabhängig kann man das auch online mit einem Test der Bundesagentur für Arbeit herausfinden.

Lehre/Ausbildung: Betriebe und Unternehmen suchen nicht nur gute Haupt- und Realschüler, sie reißen sich vor allem um gute Abiturienten. Und die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu ergattern sind häufig höher als einen Studienplatz zu bekommen. In Hamburg zum Beispiel sind derzeit mehr als 800 Ausbildungsplätze frei - die meisten freien Lehrstellen gibt es laut Handelskammer als Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel, in der Bürokommunikation, als Verkäufer oder Koch. Und studieren kann man danach ja immer noch.

Freiwilliges soziales Jahr (FSJ): Die gut 50.000 Teilnehmer pro Jahr kriegen das echte Leben mit. Sie arbeiten in gemeinwohlorientierten Einrichtungen in Deutschland oder im Ausland, zum Beispiel für das Rote Kreuz, den Malteser Hilfsdienst oder die Deutsche Sportjugend. Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitspflege oder Kultur - im FSJ tut man ganztätig etwas für die Gemeinschaft. Teilnehmen kann, wer zwischen 16 und 27 Jahre alt ist. Dauer: Meistens 12 Monate, auch sechs oder 18 Monate sind möglich. Start ist meist im Spätsommer oder im Herbst. Die Freiwilligen erhalten Taschengeld, gegebenenfalls Unterkunft und Verpflegung und sind in dieser Zeit versichert. Infos unter www.pro-fsj.de. Wer sich für Umweltthemen interessiert, kann auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) machen: www.foej.de. Oder man sucht sich etwas um die Ecke, irgendeinen Job, den man vermutlich kaum mehr hauptberuflich in seinem Leben machen wird: Gartenarbeit, Eis verkaufen oder Hundesitten.

Selbsterfahrungstrips: 18-jährige Abiturienten haben noch ungefähr 50 Arbeitsjahre vor sich. Wer vor dem Berufsleben sich selbst oder die Welt kennenlernen will: Nur zu! Ob als Einsiedler in den Wald, als Rucksackreisender nach Südamerika oder für Work&Travel nach Australien - diese Trips wird man nie vergessen. Langweilige Stunden auf dem heimischen Sofa schon.

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