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Verweis auf Informationsfreiheit: Schüler verlangt Freigabe der Abi-Aufgaben - vor der Prüfung

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Abi 2015: Vorher wissen, was drankommt?

Die Abi-Fragen vorher kennen, das wär's doch. Mittels Informationsfreiheitsgesetz will sich ein Schüler die Prüfungsfragen vorab schicken lassen. Das Ministerium spielt auf Zeit - und bietet alte Aufgaben an.

Am 21. April steht Mathe auf dem Klausurplan, zwei Tage später schreibt Simon Schräder seine Physik-Klausur. Der 17-jährige Abiturient aus Münster steckt in diesen Tagen im Lernstress, er bereitet sich auf die letzten Prüfungen vor. Trotzdem hatte er Mitte März noch Zeit, einen Brief ans nordrhein-westfälische Schulministerium in Düsseldorf zu schicken.

"In der Vorbereitung wäre es doch ganz hilfreich, die Klausuraufgaben fürs Abitur schon zu kennen", sagt Schräder über seine Idee. In seiner Freizeit engagiert er sich bei der Open Knowledge Foundation Deutschland, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für transparentes staatliches Handeln einsetzt. Die Gruppe ist unter anderem an der Homepage www.fragdenstaat.de beteiligt - ein Portal, auf dem Einzelpersonen und Initiativen gezielt die Herausgabe von Behördendokumenten verlangen können.

"Spätestens nach Ablauf eines Monats"

Auch die Abi-Klausuraufgaben sind ja, genau genommen, solche Behördendokumente, dachte sich Schräder - schließlich werden sie im Auftrag des Ministeriums erstellt und mit Steuergeldern finanziert. "Sehr geehrte Damen und Herren", schrieb er deshalb am 20. März unter dem Pseudonym Phillip Langen ans Schulministerium, "bitte senden Sie mir Folgendes zu: die Aufgaben der zentral gestellten Abiturklausuren in der Oberstufe der Gymnasien im aktuellen Schuljahr."

Dann noch ein paar Formalia und der Hinweis auf eine zeitnahe Beantwortung, wie sie im Informationsfreiheitsgesetz (IFG) und im Umweltinformationsgesetz (UIG) des Landes vorgesehen ist: "Ich verweise auf § 5 Abs. 2 IFG NRW, § 2 UIG NRW und bitte, mir die erbetenen Informationen unverzüglich, spätestens nach Ablauf eines Monats zugänglich zu machen." Die Frist läuft damit am 21. April ab - genau am Tag der ersten Leistungskursklausur des 17-jährigen.

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Keine Minute später bescheinigte das Ministerium bereits den Eingang der Anfrage. "Gleichzeitig bitten wir um Verständnis dafür, dass eine inhaltliche Antwort darauf nicht - wie das wohl häufig erwartet wird - in jedem Fall kurzfristig erfolgen kann", heißt es in dem automatisch erstellten Antwortschreiben. "Wir möchten Sie daher bitten, sich mit einer inhaltlichen Antwort auf Ihr Anliegen noch ein wenig zu gedulden." Man sei aber bemüht, "Ihrem Anliegen angemessen Rechnung zu tragen", schreibt das Ministerium.

Seither ist nichts mehr passiert. "Wir prüfen das gerade", sagte eine Sprecherin des Schulministeriums auf Anfrage. Grundsätzlich seien die Abituraufgaben der letzten drei Jahre für Schulen, Lehrer und Schüler in einem passwortgeschützten Bereich auf der Homepage des Ministeriums abrufbar: "Das dient der Vorbereitung auf das eigene Abitur." Die aktuellen Aufgaben könnten aber selbstverständlich nicht vor den Klausuren veröffentlicht werden: "Damit würde ja die ganze Prüfung hinfällig." Wie man mit Simons Anfrage umgehen werde - und vor allem: mit welcher rechtlichen Begründung - daran werde im Moment noch gearbeitet.

Klar sei, dass allenfalls die Aufgaben von abgeschlossenen Prüfungen veröffentlicht werden könnten. So gebe es jedes Jahr eine Auswahl an Abituraufgaben, die für den öffentlichen Gebrauch und mit einer Lizenzvereinbarung an Schulbuchverlage weitergegeben werden. "Da geht es auch um Urheberrechtsfragen, das Material kann auf keinen Fall einfach so veröffentlicht werden", so die Sprecherin.

Allzu große Hoffnungen, dass seine Anfrage vor dem ersten Klausurtermin noch zu einem Ergebnis führt, hat Simon Schräder deshalb nicht. "Eine witzige Aktion ist das Ganze aber trotzdem", sagt der Schüler aus Münster. Angewiesen auf die Originalaufgaben ist er voraussichtlich ohnehin nicht. Er sagt: "Ich stehe in meinen Leistungskursen irgendwo zwischen eins und zwei. Das sollte eigentlich auch so klappen."

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insgesamt 228 Beiträge
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1. Ja, Verschwendung von Steuergeldern ist echt witzig.
sissy69 07.04.2015
Die Sinnlosigkeit der Anfrage sollte einem schon der gesunde Menschenverstand klarmachen. Daran scheint es zu fehlen und es geht nur darum, den Staat vorzuführen und sich selbst zu präsentieren. Armselig.
2.
assiwichtel 07.04.2015
Welche Reife setzt das Reifezeugnis voraus? Klinkt nach einer Idee nach einer durchzechten Nacht, für die es in Münster ja durchaus genug Gelegenheit gibt, wie ich aus langjähriger Erfahrung weiß!
3.
petersolis 07.04.2015
warum darf eigentlich das Schulamt von Lehrern erstellte Aufgaben verkaufen? wenn es doch von Steuergelder bezahlt wird, müsste man die Aufgaben doch kostenlos veröffentlichen
4.
hans_wurt 07.04.2015
ich finde es auch immer zum brüllen wenn meine Steuergelder so verschwendet werden. Ganz großes Lob
5.
NWOBasher 07.04.2015
Dreist! Dann kann jeder mal eben Prüfungen untergraben. Das kann und darf nicht sein. Solche Menschen haben etwas grundsätzlich nicht verstanden und haben mein volles Mitleid.
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