David McCullough Jr. hat es zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Mit einer geistreichen Rede hat der Englischlehrer den Absolventen einer Schule vor den Toren von Boston kürzlich einen wichtigen Satz ins Stammbuch geschrieben: "Ihr seid nichts Besonderes!" Die verhätschelten, verwöhnten und eingebildeten Schüler aus oft gut betuchtem Elternhaus müssten sich im Leben eben erst noch beweisen. Von Eltern und Schülern gab es Lob; die nett gemeinte Tirade wurde außerdem zum YouTube-Hit mit rund anderthalb Millionen Klicks.
Harald Koep wird es wohl nicht zu vergleichbarer Bekanntheit bringen. Und doch bekommt der Mitarbeiter des Unternehmens Clemens & Partner im rheinischen Elsdorf dieser Tage im Netz wohl deutlich mehr Aufmerksamkeit als ihm lieb sein kann - weil er ebenfalls wenig von Schülern und ihren Zukunftsaussichten zu halten scheint. Nur hat er die ganze Sache deutlich weniger charmant im Tonfall herübergebracht als McCullough.
Und so ist ein Shitstorm hereingebrochen über Koeps Vermietfirma, die neben Kleintransportern und Anhängern unter anderem auch Hüpfburgen im Angebot hat. Ausgelöst haben den Wirbelwind der öffentlichen Erregung zwei E-Mails, die der Vermieter an Abiturienten des Städtischen Gymnasiums Eschweiler geschrieben hat. Die hatten sich nämlich für genau so eine Hüpfburg interessiert - für ihren Abischerz am Freitag.
"Von Luxusdenken abrücken"
Die "Aachener Zeitung" druckte den E-Mail-Verkehr vor einigen Tagen im Lokalteil Eschweiler ab. Abiturient Maik Luu hatte sich zunächst nach einer "Hüpfburg, die auch schon mal etwas größere Kinder aushält" erkundigt - mit dem einschränkenden Hinweis, dass er und seine Kollegen "nicht so viel Budget" hätten. Man wolle die Angelegenheit deswegen "so günstig halten, wie es geht".
Auf Luus Facebook-Seite lässt sich nachlesen, wie es dann weiterging: Beim Unternehmen verstand man offenbar, die Schüler hätten um ein Geschenk gebeten - und das kam nun gar nicht gut an. "Da sie offensichtlich kein Geld haben, würde ich vielleicht von meinem Luxusdenken etwas abrücken", schrieb Vermieter Koep laut "Aachener Zeitung". Und damit nicht genug der Abfuhr: "Sollten Sie bei uns irgendwo ein Schild gesehen haben 'Geschenkeladen', lassen Sie es mich bitte wissen."
Das wollte wiederum Maik Luu nicht auf sich sitzen lassen. Er antwortete: "Scheinbar haben Sie mich nicht oder falsch verstanden - wir möchten nichts umsonst, sondern lediglich zu Konditionen, die zu der Veranstaltung eines Abischerzes passen." Außerdem würden bei der Veranstaltung viele potentielle Kunden die Werbung auf der Hüpfburg sehen. Zudem seien die Schüler ja "potentielle Kunden für spätere Jahre".
Die Antwort kam prompt - und sie fiel noch etwas drastischer aus als in der ersten E-Mail: "Bettelanfragen werden mit entsprechenden Gegenantworten beantwortet." Um die Kunden von morgen mache man sich keine Sorgen, "weil wir in bestimmten Bereichen Alleinanbieter sind und obendrein auch noch traumhafte Preise anbieten können wenn wir wollen".
Der Knackpunkt aus Sicht des Unternehmens: "Studenten waren noch nie unsere Kunden aus wirtschaftlichen Gründen. Und sollten diese denn irgendwann mal Geld verdienen (70% werden Hartz IV), werden diese ihre Anfrage nicht mehr so stellen wie Sie, weil sie dann in einer anderen Liga spielen."
Abgestempelt als Sozialfall? Nun hatte Luu genug - und fütterte die Lokaljournalisten mit den Papieren. Die Empörung folgte prompt, auch andere Zeitungen berichteten über den Fall. "Ein großer Triumph für uns Schüler", kommentierte der Abiturient auf seiner Facebook-Seite. Das Posting ist mittlerweile schon mehr als 10.000 Mal geteilt worden.
Vielleicht schaffe man es "solchen Leuten ihr süffisantes Lachen aus dem Gesicht treiben zu können", schreibt Luu im Netz. Möglich ist das. Harald Koep geht jedenfalls einstweilen nicht ans Telefon. Und die Schüler von Eschweiler haben am Ende sogar zwei Hüpfburgen bekommen. Von einem anderen Anbieter - und kostenlos.
chs
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