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01. Juli 2012, 08:00 Uhr

Soziale Arbeit nach der Schule

Boom der Bufdis

Nein, da wächst keine Generation selbstsüchtiger Egoshooter heran: So viele junge Erwachsene drängen in den Bundesfreiwilligendienst, dass die 35.000 Stellen kaum reichen. Doch nicht alle treibt soziales Engagement an - einige wissen nach der Schule einfach nichts mit sich anzufangen.

Bufdi, schon das Wort gefällt Matthias, 19, der als Freiwilliger bei der Lebenshilfe Aachen arbeitet, in der Kantine, gemeinsam mit behinderten Kollegen. Matze, wie sie ihn hier nennen, ist einer von mehr als 30.000 Bufdis, die während der vergangenen zwölf Monate ihren Dienst angetreten haben. Selbst Optimisten haben nicht damit gerechnet, dass es mal einen solchen Andrang auf die Stellen geben würde.

Viele junge Leute drängen in den Bundesfreiwilligendienst, der im Juli 2011 den Zivildienst ablöste. Die 35.000 Stellen bei Wohlfahrtsverbänden und sozialen Einrichtungen reichen für die zahlreichen Bewerber kaum aus. "Es konnte niemand damit rechnen, dass wir so viel soziales Engagement in dieser Republik haben", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, einer der großen Anbieter. "Junge Menschen haben ungeheure Lust, ein Jahr lang für andere was zu tun."

Bei Matze war das keine Frage von Lust. Er hatte nichts anderes, als er den Realschulabschluss nachholen wollte und dann hinschmiss. Seine Kollegen haben Routine im Job: Brötchen belegen, Kaffee kochen. Kein Problem. Aber sie brauchen Matzes Überblick in der Küche, brauchen seine Aufmerksamkeit, erzählen von Zuhause, von ihren Problemen.

Joachim Prölß, Pflegedirektor am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, weiß nicht, wie viele junge Leute er schon abweisen musste, aber es seien eine ganze Menge gewesen, sagt er. Das Krankenhaus hat nach der Umstellung von Zivis auf Bufdis etwa die Hälfte der Stellen verloren. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so viele Anfragen bekommen", sagt Prölß. Über 60 Prozent davon seien Frauen. "Bufdis sind hoch motiviert und viel verbindlicher als früher die Zivis", sagt er. Viele sähen die Zeit als Berufsorientierung, um später in die Pflege zu gehen. Eine Ablehnung sei darum dramatisch.

"Wir empfehlen, langfristig zu denken", sagt Antje Mäder, Sprecherin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben - früher das Bundesamt für Zivildienst. Man könne nicht davon ausgehen, im nächsten Monat eine Stelle zu haben.

Lukas, 17, ist Bufdi im Uniklinikum München. Er will Lebens-Erfahrung sammeln. Er hilft in der Abteilung mit Nieren- und Lungenpatienten, wo er kann, nimmt sich Zeit, hört zu, spricht mit den Patienten. In aller Herrgottsfrühe aufstehen, auch mal schwer heben - und trotzdem gehe er jeden Tag gerne zur Arbeit, sagt er. Im August ist Schluss. "Leider", sagt er, aber in der Pflege verdiene man zu wenig. Schließlich wolle er mal Familie haben.

Selbst wenn der junge Mann verlängern wollte, hätte er schlechte Karten. Die Gelder seien ausgeschöpft, sagt der Pflegedienstchef, Alfred Holderied. "Das ist äußerst bitter, wenn wir auf eingearbeitete Helfer verzichten müssen."

Elke Silberer/dpa/otr

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