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Bundeswehr an Schulen: Antreten im Klassenzimmer!

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8100 Vorträge vor fast 140.000 Schülern, Tausende weitere Veranstaltungen: 29,9 Millionen Euro gab die Bundeswehr im vergangenen Jahr für Nachwuchswerbung im Klassenraum aus.

Soldat auf Werbetour bei Jugendlichen: Tausende von Einsätzen in Schulklassen Zur Großansicht
DPA

Soldat auf Werbetour bei Jugendlichen: Tausende von Einsätzen in Schulklassen

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Einseitige sicherheitspolitische Sichtweisen, Propaganda im Klassenzimmer, die Bundeswehr als "vermeintlich attraktiver Arbeitgeber": Die Bundestagsfraktion der Linken beobachtet die Arbeit von Jugendoffizieren und Karriereberatern der Bundeswehr in deutschen Klassenzimmern mit großem Argwohn. Regelmäßig im Frühjahr lässt sie deshalb die Einsatzzahlen der Militärwerber ermitteln.

"Es kann ja nicht sein, dass die Bundeswehr ihre Personalprobleme dadurch löst, dass sie in Klassenzimmern und auf Schulhöfen Militärpropaganda verbreitet", sagt die Abgeordnete Ulla Jelpke. 29,9 Millionen Euro hat sich das Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr die Nachwuchswerbung demnach kosten lassen.

In einer umfangreichen, 131 Seiten umfassenden Antwort auf die kleine Anfrage listen die Beamten des Verteidigungsministeriums auf, welche Anstrengungen sie unternommen haben, um Schüler und Jugendliche mit der Bundeswehr vertraut zu machen.

  • Die Karriereberater in Uniform haben dazu bundesweit 8100 Vorträge vor fast 140.000 Schülern gehalten - an allen weiterführenden Schularten. Die mit Abstand meisten Schüler erreichten sie dabei in Bayern (48.160) und Nordrhein-Westfalen (31.113).
  • Außerdem waren noch sogenannte Jugendoffiziere in den Schulen unterwegs - mit weiteren 3200 Vorträgen sowie bei mehr als 2000 weiteren Veranstaltungen von der Podiumsdiskussion bis zur Karrieremesse.
  • Diese Jugendoffiziere, besonders geschult für politische Debatten, erreichten den Angaben zufolge über Unterrichtsbesuche, Seminare oder Podiumsdiskussionen noch einmal 125.000 Jugendliche und mehr als 36.000 Multiplikatoren, vor allem Lehrer und Referendare.

"Besonders empört mich die Instrumentalisierung von Lehrern als Multiplikatoren", sagt Ulla Jelpke zu den Zahlen, "sie sollen die parteiische Sicht der Bundeswehr als scheinbar objektives Wissen an die Schüler weitergeben." Das sei eine "perfide Form der militärisch eingebetteten Bildung", so die Abgeordnete.

Die Einsatzzahlen für 2014 bewegen sich insgesamt auf einem vergleichbaren Niveau wie 2013. Die Aktivitäten, so heißt es in der Antwort des Verteidigungsministeriums weiter, beruhen auf der "Informationspflicht", die das Bundesverfassungsgericht 1977 der Bundeswehr auf die Fahnen schrieb. Es gebe aber auch ein "Informationsbedürfnis der Schulen zu sicherheitspolitischen Themen im Rahmen der Politischen Bildung".

Dabei ist die tarnfarbene Werbetour seit Jahren umstritten. Die grün-rote baden-württembergische Landesregierung hatte im vergangenen Jahr eine neue Vereinbarung mit der Bundeswehr getroffen: Seither dürfen Jugendoffiziere nicht mehr "für den Dienst in der Bundeswehr werben", behandelt werden lediglich sicherheitspolitische Fragen.

Die Bundeswehr hat ihre Nachwuchswerbung seit dem Sommer 2011 massiv verstärkt: Damals wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. Das Mindestalter für eine freiwillige Meldung liegt seither bei 17 Jahren. Immer wieder wurde die Bundeswehr wegen ihres Einsatzes an Schulen kritisiert, inzwischen haben sich mehrere Bildungseinrichtungen in Deutschland sogar für "militärfrei" erklärt. Zwei Schulen erhielten dafür im Jahr 2013 den Aachener Friedenspreis.

Zusammengefasst: Im Jahr 2014 haben Karriereberater der Bundeswehr fast 8100 Vorträge an Schulen gehalten und damit fast 140.000 Schülern erreicht. Neben den Karriereberatern wurden auch Jugendoffiziere in die Schulen geladen. Sie diskutieren zum Beispiel mit Schülern über Auslandseinsätze oder die Rolle der Bundeswehr. Die Zahlen bewegen sich in etwa auf Vorjahresniveau. Die Partei Die Linke kritisiert das Engagement der Bundeswehr an Schulen.

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Werbefeldzug der Bundeswehr: Nachwuchs, angetreten!

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insgesamt 127 Beiträge
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1. Hab mal daheim erzählt,
steviespeedy, 13.04.2015
dass ein Jugendoffizier bei uns im Schulunterricht aufgetaucht ist. Meine Eltern haben sich daraufhin dafür eingesetzt, dass auch ein Vertreter vom Zivildienst Gelegenheit bekam vor der Klasse zu sprechen.
2. Hatte auch schon die ?Ehre?...
mzerbe 13.04.2015
vor ein paar Jahren in der Realschule so einem Jugendoffizier zu lauschen. Der Arme Kerl wurde von uns 16 jährigen in Grund und Boden argumentiert.
3. Irgendwo muß Kanonenfutter ja herkommen
specialsymbol 13.04.2015
..und am besten sucht man da, wo man sowieso alles demjenigen glaubt der vorne steht.
4.
moritz1989 13.04.2015
Die Linken-Abgeordneten werden wohl auch von meinen Steuerngeld bezahlt, oder? Vielleicht sollte darüber mal eine Auswertung gemacht werden, wie viel Zeit und Geld die verprassen, für sinnlose Studien. Das kommunistische Wunderland in dem die Linke gerne leben möchte existiert leider nicht. Was soll die Bundeswehr denn machen? Irgendwie müssen sie ja werben und rekrutieren - machen große Unternehmen doch genauso.
5.
themistokles 13.04.2015
""Es kann ja nicht sein, dass die Bundeswehr ihre Personalprobleme dadurch löst, dass sie in Klassenzimmern und auf Schulhöfen Militärpropaganda verbreitet", sagt die Abgeordnete Ulla Jelpke." Heuchlerisches Gutmenschen- Geschwätz, was auch noch jeglichen Sinn für die Realität vermissen lässt. 1. Ist es doch gerade solchen Abgeordneten "zu verdanken", dass die Bundeswehr überhaupt Personalprobleme hat. 2. Scheint Frau Jelpke noch nie auf Ausbildungsmessen, Berufsinformationsveranstaltungen etc. gewesen zu sein. Hier ist die Bundeswehr schon seit jeher Gast.
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