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Turbo-Abi in NRW: Schüler, Eltern, Lehrer und Politiker wollen G8 behalten

G8 beibehalten, Schüler trotzdem entlasten: Das empfiehlt ein Runder Tisch für die NRW-Schüler Zur Großansicht
DPA

G8 beibehalten, Schüler trotzdem entlasten: Das empfiehlt ein Runder Tisch für die NRW-Schüler

Abiturienten sollen zwar entlastet werden, eine Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit soll es aber nicht geben: Das empfiehlt eine Expertenrunde in Nordrhein-Westfalen. Der Streit um G8 ist damit jedoch längst nicht beigelegt.

Entschieden wird zwar erst Anfang November, aber die Tendenz scheint klar zu sein: Der Runde Tisch, den die NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zur umstrittenen Schulzeitverkürzung einberufen hatte, stimmt mehrheitlich nicht für die Rückkehr zu G9. Nach Informationen der "Westfalenpost" soll über eine entsprechende Empfehlung am 3. November endgültig abgestimmt werden.

Demnach sprechen sich die Mitglieder der Runde zwar für Entlastungen aus. Eine Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit sei dafür aber der falsche Weg, hieß es. Stattdessen fordert der Runde Tisch unter anderem, dass Hausaufgaben besser in den Unterricht integriert werden, nachmittags nur noch einmal pro Woche unterrichtet wird und dann auch höchstens acht Stunden täglich. "Wir erhoffen uns weniger Stress für Schülerinnen und Schüler", sagt Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Experten fordern Hausaufgabenverbot

Insgesamt 30 Verbände und Parteien hatten am Runden Tisch teilgenommen, darunter Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter. Sie fordern unter anderem, "dass Hausaufgaben der individuellen Förderung dienen, jedoch nicht dazu, Fachunterricht zu kompensieren beziehungsweise zu verlängern". Auch solle es ein Hausaufgabenverbot für Tage mit Nachmittagsunterricht geben.

Die Richtung entspricht weitgehend der Meinung von Ministerin Löhrmann; bereits in der Vergangenheit hatte sie mitgeteilt: "Man kann nicht alle paar Jahre das ganze System auf den Kopf stellen."

In Nordrhein-Westfalen bieten nur noch einige wenige Gymnasien eine neunjährige Schulzeit an, und auch an Gesamtschulen dauert der Weg zum Abitur 13 Jahre. Bei diesen Ausnahmen soll es bleiben. Die Stellungnahme des Gremiums dürfte Löhrmann deshalb gelegen kommen. Trotzdem sei die Empfehlung nur ein Diskussionsbeitrag, betonte eine Sprecherin des NRW-Schulministeriums: "Nicht der Runde Tisch entscheidet - die Entscheidung fällt im Landtag."

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: November 2015

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Gegner der Schulzeitverkürzung hoffen deshalb noch auf einen Meinungswechsel in der Politik. So erklärte ein Vertreter der Initiative "G9 jetzt in NRW", bei den Empfehlungen des Runden Tischs handele es sich lediglich um "inhaltsleere Aussagen" und "schwammige Formulierungen", die für die Schüler keine spürbaren Entlastungen nach sich zögen.

Der Streit ums Turbo-Abi tobt auch in anderen Bundesländern. Während sich Niedersachsen bereits für die Rückkehr zu G9 entschieden hat, sind Volksbegehren in Hamburg und Bayern gescheitert. Trotzdem soll das Turbo-Abi an bayerischen Gymnasien nach Plänen der Landesregierung aufgeweicht und die Option zum Abitur nach neun Jahren eröffnet werden.

him

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insgesamt 98 Beiträge
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1. Endlich mal vernünftig
vollzeitpoltiker 24.10.2014
Man braucht keinen Rückschritt wieder zu G9
2. Hohle Phrasen...
mystyhax 24.10.2014
Wir wär es mal mit der Entschlackung und Straffung des Lehrplans! Daran denkt offensichtlich keiner! Wie kann ich 9 Jahre in 8 Jahre packen und das ganze ohne Konsequenz! Bevor ich die Zeit kürze muss ich mir über sowas grundsätzlich Gedanken machen. Es gibt grundsätzliche Dinge dich ich für das Berufsleben oder Studium brauche. Diese Dinge brauchen Zeit. Wir züchten uns "schnell Lerner" heran die nach 3 Wochen das erlernte wieder vergessen haben. Das G8 und der Bachelor Studiengang sind aufgrund dieser Problematiken definitiv nicht nachhaltig!
3. Was ich bis heute nicht verstehe
zickezackehoihoihoi 24.10.2014
Warum nicht G8, dann aber die Ferien im Vergleich zu früher pro Jahr um 3 Wochen kürzen? Bei 12 Schuljahren gewinnt man 36 Wochen, bei (bezogen auf G8) 12 Wochen Urlaub im Jahr entspricht das in etwa einem Schuljahr. Urlaub haben die Kinder weiterhin genug, zudem haben die Eltern den Vorteil, dass sie 3 Wochen im Jahr weniger Stress haben (denn die meisten haben nur 6 Wochen Urlaub im Jahr).
4. Irreführende Überschrift
eigene_meinung 24.10.2014
Nicht Schüler, Eltern, Lehrer und Politiker wollen G8 behalten, wie es in der Überschrift heißt, sondern Funktionäre der drei erstgenannten Gruppen und manche Politiker. Die meisten Schüler, Eltern und Lehrer denken da wohl anders, und zwar aufgrund ihrer Erfahrungen. G8 ist eine schöne Alternative für besonders begabte Schüler, die in der Lage sind, den Schulstoff schneller und ohne zigfache Wiederholungen und umständiche Erklärungen im Unterricht zu verstehen und anzuwenden. Der von manchen geforderte Verzicht auf Unterrichtsstoff führt nur zu einer weiteren Verringerung der Bildung und zu einer zunehmenden Unfähigkeit, z.B. die deutsche Sprache richtig anzuwenden oder logisch zu denken.
5. Verstehe das nicht!
Humboldt 24.10.2014
Ich möchte als quasi-Vater meines 8jährigen Ziehsohnes jetzt nicht einer solch breit aufgestellten Runde in die Parade fahren, aber ich verstehe diese Empfehlung überhaupt nicht und finde sie auch in Ihrer Eindeutigkeit sehr überraschend. Mal von den in der Tat recht schwammigen Formulierungen und Empfehlungen abgesehen, will mir nicht einleuchten, dass trotz Beibehaltung von G8 mit Reduzierung der Nachmittagsstunden und partielles Hausaufgabenverbot weiterhin ausreichend und nachhaltig der Stoff bis zum Abitur abgehandelt werden kann, und das dann noch kindgerecht und ohne krankmachender zu hoher Stressbelastung für alle Beteiligten. Die Universitäten beklagen doch, dass die nach G8 größtenteils noch minderjährigen Absolventen (Unterschrift der Eltern für Exkursionen! - geht gar nicht als Student) weder die persönliche noch die fachliche Reife überwiegend haben und fordern ebenfalls vermehrt mehr Zeit für die schulische Reifebildung bis zum Abitur. Warum nutzt man nicht die gewonne Zeit bei einem G9 auch in den Gymnasien, um von mir aus auch mit ebenfalls reformiertem Stoffinhalt und besserem Stundenmanagement, um den Ort Schule zu dem Bildungsort zu machen, den wir alle so gerne hätten? Ohne Frau Löhrmann zu nahe zu treten, da ich Ihre Arbeit und fachliche Kompetenz und Dialogfähigkeit sehr schätze, kommt doch der Verdacht auf, dass hier das Geld gespart werden soll, welche eine verlängerte Schulzeit ohne Zweifel kosten würde. Eine Schande!
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