Jobs in echt - Industriekletterer: Arbeiten wie Spiderman

Von Sophia Falkenburger

Schwindelerregende Höhen, Adrenalin und Schweiß gehören zu Mario Krügers Beruf dazu. Als Industriekletterer hängt er an Häusern und Windrädern und hangelt sich von Dach zu Dach. Dabei muss er immer voll konzentriert sein - denn ganz weit unter ihm kommt nichts als die Straße.

Industriekletterer - in echt: Arbeiten und Abhängen in einem Fotos
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Mit gekonnten Handgriffen legt Mario Krüger sich das lange Seil um die Schultern. Um seine Hüften trägt er einen gelb-schwarzen Gurt, der unter der Last von Karabinern und Abseilwerkzeug schwer an ihm herunter hängt. Ein Netz aus Seilen spannt sich über das Hochhausdach. Mario klinkt sein Seil an einer am Dach befestigten Sicherung ein, wirft es über den Rand 30 Meter in die Tiefe und steigt über die Kante. Über den Häusern und Bäumen hängen noch morgendliche Nebelschwaden.

Seit zwei Jahren arbeitet Mario als Industriekletterer für die Hamburger Firma ropeworx und klettert an Türmen, Silos und Hochhausfassaden herunter. Auch wenn Industriekletterer kein anerkannter Beruf ist, sondern lediglich eine Zusatzqualifikation, sind sie unersetzbar: Wenn in schwindelerregende Höhen und an vom Boden schwer erreichbaren Orten der Einsatz von Kränen und Gerüsten nicht möglich oder zu teuer ist, kommen Mario und seine Kollegen zum Einsatz.

Mario seilt sich Schritt für Schritt an der Wand des Hochhauses ab, bis er auf Höhe seines Arbeitsplatzes lässig in der Luft sitzt. Hier soll er den abgeplatzten und verwitterten Beton an der Hochhausfassade sanieren. Zunächst aber muss die kaputte Schicht von der Wand. Aus seinem Gürtel zieht er Hammer und Meißel, um den Beton mit kräftigen Schlägen abzuklopfen. Abgelöste Brocken fliegen durch die Luft. Mario weicht aus und vergewissert sich mit einem Blick gen Erdboden, ob das rot-weiße Absperrband auch noch richtig befestigt ist, damit keine Betonbruchstücke auf Passanten regnen.

Das reizvollste ist das Klettern

Dass er gerne klettert, entdeckte der gelernte Schlosser bei einer Weiterbildung zum Baumpfleger. Der Beruf des Schlossers, das ewige Schweißen und die oft gleichen Reparaturarbeiten wurden ihm schnell zu einseitig. "Ich wollte raus", sagt Mario, "und nicht immer in der Schweißkabine sitzen."

Als Industriekletterer werden ihm viele Fertigkeiten abverlangt: Montage und Wartung, Malerarbeiten, Fassadeninstandsetzung sowie Reinigungsarbeiten. "Neben den tollen Aussichten", sagt Mario und grinst breit, "ist das reizvollste an meinem Beruf das Klettern selbst."

Auf die abgeschlagene Steinschicht trägt Mario Korrosionsschutz auf, es folgt eine Schicht klebriger Haftschlemme, die für eine bessere Haftung zwischen Wand und der äußeren Zementschicht sorgt. Mario sagt, der Großteil seiner Arbeitgeber seien Wohnbaugenossenschaften. Gerade bei kleineren Mängeln kommen Industriekletterer deutlich billiger, als eine Instandsetzung mit Gerüsten.

Fortbewegung in der Luft

Seine Ausbildung zum Industriekletterer machte Mario bei der Konkurrenz in Hamburg. Die Ausbildung besteht aus drei Lehrgängen bei denen die Arbeit am Seil trainiert wird. Das Training und die Prüfung finden an einem eher niedrigen Baugerüst statt. Zuerst lernt der angehende Kletterer sich in der Höhe rauf und runter zu bewegen. Danach wird die Fortbewegung durch die Luft, von einem Gebäude zum gegenüberliegenden erlernt.

Während der Ausbildung lernen angehende Industriekletterer vor allem alles zur Kletterei, also Knotenkunde, Sturzphysik, Sicherungs- und Rettungstechniken. Wie helfe ich am Seil hängend einem verletzten Kollegen? Wie seile ich einen ohnmächtigen Kletterer ab? Das sind Fragen, die die Azubis meistern müssen. Auch Rechtsgrundlagen und Vorschriften bei Arbeiten in großer Höhen gehören dazu. Einmal pro Jahr unterzieht sich jeder Kletterer einem Gesundheitscheck und absolviert eine Nachprüfung in Rettungstechniken.

Ihm oder einem anderen Kollegen sei noch nie etwas passiert, sagt Mario. Nicht einmal von seiner Notsicherung musste er bislang Gebrauch machen. Manchmal allerdings sei ihm etwas mulmig zu Mute. Das Gefühl komme dann so plötzlich, wie es auch wieder verschwinde. Ansonsten macht höchstens ein kräftiger Regenschauer die Arbeit schwer.

"Ein Anwohner dachte, ich wollte mich vom Dach eines Hochhauses stürzen"

Besonders spannend war Marios erster Einsatz: An einem stürmisch-regnerischen Tag sollte die Mannschaft an einem Weltkriegs-Bunker, der trotz etlicher Sprengversuche noch immer stand, Geröllschutznetze anbringen. Mit Stirnlampen mussten sie sich ihren Weg auf das Dach durch ein Labyrinth aus zertrümmerten Bunkerresten bahnen. Mario erzählt, wie ihm vor lauter Aufregung das Blut in den Adern pochte. Zuvor hing er ja nur an einem Baugerüst.

Zu Marios Ausrüstung zählen neben den Seilen und seiner Gurtausrüstung ein Erste-Hilfe-Set, allerhand Karabiner, der Helm und Abseilgeräte. Sein Gurt wiegt rund zehn Kilo. Dazu kommt noch das Gewicht der Baumaterialien und Werkzeuge. "Es kam schon vor", sagt Mario "dass ich meinen Helm nicht sofort aufgesetzt habe und plötzlich lauter Polizei- und Feuerwehrwagen in die Straßen fuhren, weil ein Anwohner dachte, ich wollte mich vom Dach eines Hochhauses stürzen."

Weil ständig neue Technik und Materialien entwickelt werden, nehmen die Industriekletterer regelmäßig an Fortbildungen teil. Vor kurzem war das ganze Team zwei Wochen auf Husum, um dort zu lernen, wie Rotorblätter großer Windanlagen aufgebaut sind und wie man sie repariert. "Die Fortbildungen bereichern die Arbeit", sagt Mario. Es werde nie langweilig als Industriekletterer, sagt er. Als nächstes will Mario den dritten und letzten Abschnitt der Industriekletterlehrgänge absolvieren, denn dann kann er noch selbstständiger arbeiten und darf anschließend Einsätze am Seil leiten.

Wie extrem Industrieklettern sein kann, zeigt dieses Video der Webseite theonlineengineer.org

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1. .
Wafthrudnir 25.09.2010
Liebe Spiegel Redaktion, wenn ihr die HP des Videoerstellers besucht hättet, wüsstet ihr, dass das Video bitte nicht weiter verbreitet werden sollte. Hier ein Zitat aus seinem Blog: "First off I want to thank everyone for the great response I got on the video “Stairway to Heaven”, it was really much more than I could have hoped for. Now, having said that I am also very sorry that I could not keep the video up for you to share with your friends and family. I truly am sorry, I can see from the comments how popular it was and that’s why I want to explain what happened. The footage of the climb came from a friend of mine that does this type of work, I have know him for several years and he has helped me many times in the past. Recently he gave me this video he shot on one of his jobs. I showed him the edited video and he approved it, but not the audio as it was added later, and I put it up on TheOnLineEngineer.Org and You Tube over the weekend. On Monday he was getting calls from colleagues telling him that they were concerned about what the video showed. His world is a very small one, and you don’t want to bite the hand that feeds you! Some facility owners are concerned about liability and such and may second thoughts about him if they think he does not take safety seriously. So he asked me to take it down, and I did. That was Monday morning (Sep 13, 2010). Today (Sep 15) he told me it was up on You Tube, by the time I looked at it it had over 77,000 views. It was on more than a dozen websites. The chance that someone important would see it was increasing rapidly. So the video most of you saw was one that had been ripped off from my website before I took it down. I wrote asking the guy who put it up to take it down but got no response so I contacted You Tube."
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Was muss der Ausbilder können?
Der Ausbilder muss in der jeweiligen Fachrichtung ausgebildet sein und über entsprechende Berufserfahrung verfügen. Das regeln die Paragrafen 29 und 30 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) , die Paragrafen 21 und folgende der Handwerksordnung (HwO) sowie das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) in Paragraf 25.
Wer bezahlt Material und Maschinen?
Der Arbeitgeber muss alle Arbeitsmaterialien bereitstellen, dazu gehören z.B. Kittel, Schutzkleidung, Sicherheitsschuhe, aber auch Fachbücher, Berichtshefte und Schreibmaterialien. Der Azubi ist verpflichtet, mit jedem Arbeitsgerät sorgsam umzugehen. (Paragraf 14 Abs. 1 Nr. 3 und Paragraf 13 Nr. 5 BBiG)
Ist die Arbeit wichtiger als die Berufsschule?
Nein, Berufsschulzeit ist Arbeitszeit. Der Betrieb muss einen für die Schule freistellen - und man muss hingehen. Auch für Betriebsbesichtigungen und ähnliches muss der Ausbildungsbetrieb den Azubi freistellen. Fängt der Unterricht um 9 Uhr an, muss man vorher nicht zur Arbeit, ab fünf Schulstunden täglich muss man auch danach nicht mehr in die Firma, es sei denn, man ist 18 Jahre oder älter. Die Arbeitszeit darf trotzdem nicht über die tariflich geregelte Arbeitszeit hinausgehen. Berufsschulstunden müssen nicht nachgearbeitet werden.
Was ist erlaubt - und was nicht?
Es sind nur Arbeiten erlaubt, die mit dem Ausbildungszweck zu tun haben und die eigenen körperlichen Kräfte nicht übersteigen. Nicht gestattet sind private Aufträge durch den Chef (Auto waschen, Einkaufen, usw.), Urlaubs- und Krankheitsvertretung für Kollegen, Putzen (außer am eigenen Arbeitsplatz und an eigenen Geräten), sowie Fließband- und Akkordarbeit . (Paragraf 14 Abs. 2 BBiG). Quelle: IG Metall Jugend

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