Jugendmedientage: "Der Konkurrenzkampf ist hart"

Von und Yasmin Ortega Quiñonez

Irgendwas mit Medien? Hunderte Schüler und Studenten treffen sich in Hamburg zu den Jugendmedientagen. Sie probieren aus, wie man als Journalist, Fotograf oder Kameramann arbeitet - und können dabei testen, wie viel Blut, Schweiß und Unsicherheit ihnen ihr Traumberuf abverlangt.

Früher starteten am Charterterminal 1 des Hamburger Flughafens Flugzeuge in die ganze Welt, an diesem Wochenende könnten hier Karrieren losgehen. Junge Menschen sitzen auf Rollbändern, auf denen einst Koffer transportiert wurden, sie lesen im Programmheft und planen ihren Tag. Ein paar Meter weiter, dort wo einmal die Check-in-Schalter waren, findet gerade ein Vortrag über Fernsehjournalismus statt. "Ihr fangt als Praktikant oder Volontär an, und irgendwann werdet ihr vielleicht Auslandskorrespondent, Starreporter oder Nachrichtenmoderator, aber so hoch steigt man nicht ein", sagt der Referent und TV-Journalist Horst Werner.

In dem stillgelegten Terminal finden die Auftaktveranstaltungen der Jugendmedientage statt. Mehr als 1400 Schüler und Studenten sind gekommen, um vom 9. bis 11. November in Medienberufe zu schnuppern. 120 Workshops, Diskussionsrunden und Besuche in Redaktionen und Agenturen stehen auf dem Programm. Es gibt Workshops zu "Musikjournalismus", "Spiegelreflexfotografie" oder "Online-Journalismus", in denen die Teilnehmer ein eigenes Magazin erstellen, einen Radiobeitrag machen oder eine Fotostrecke produzieren können.

Außerdem berichten erfahrene Journalisten, Werber, Fotografen, Grafiker und Wissenschaftler über ihre Arbeit und zeigen an Beispielen wie's geht. So bespricht Andreas Wolfers, Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule, Texte der Teilnehmer. Vom SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE nimmt mit Mathias Müller von Blumencron und Florian Harms jeweils ein Mitglied der Chefredaktion an den Jugendmedientagen teil. Gemeinsam mit weiteren Redakteuren erklären und zeigen sie, wie Online-Journalismus funktioniert.

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Jugendmedientage: Wir wollen in den Journalismus
Medienberufe wirken nach wie vor anziehend auf viele junge Menschen, sie wollen Journalisten, Fotografen oder Multimedia-Experten werden. Doch ständig hört und liest man, dass die Branche im Umbruch ist. Also, wie wird man das? Und wie findet man einen Job oder kann als Freiberufler überleben? Organisator Paul Frisch will die Veranstaltung nutzen, um Mut zu machen und praktische Tipps zu geben: "Wir motivieren und zeigen: Wenn ihr es wirklich wollt, könnt ihr es schaffen", sagt er.

Die Jugendmedientage finden in diesem Jahr zum elften Mal statt, in den Vorjahren trafen sich die Teilnehmer unter anderem in Stuttgart, München und Hannover. Organisiert wird die Veranstaltung von der Jugendpresse Deutschland, einem größtenteils ehrenamtlichen Verein aus 15.000 jungen Medienmachern, der journalistisches Handwerk vermitteln und die Interessen junger Menschen in den Medien vertreten will. Viele Partner unterstützen den Verein bei den Medientagen, darunter die Bundeszentrale für politische Bildung, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Axel-Springer-Akademie, die Europäische Kommission, "Die Tageszeitung" und SPIEGEL ONLINE.

Im SchulSPIEGEL berichten drei Teilnehmer, warum sie zu den Jugendmedientagen gekommen sind und wie sie Journalisten werden wollen - oder gerade nicht. Klicken Sie auf die Überschriften zum Weiterlesen.

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Wo geht's denn hier in den Journalismus?
"Irgendwas mit Medien..."
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Für viele Abiturienten und Studenten ist Journalist ein Traumberuf. Rechtlich darf jeder sich so nennen - das garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes, die Pressefreiheit verbietet jede Reglementierung des Berufszugangs. In Deutschland gibt es rund 70.000 Journalisten, rund die Hälfte Freiberufler. Wer davon leben will, muss sein Handwerk lernen und beherrschen.
Der klassische Weg: Volontariat
Praxis pur verspricht das Volontariat - bei Zeitungen und Zeitschriften, in Online-Redaktionen, bei Radio und Fernsehen, privat oder öffentlich-rechtlich. Die Ausbildung dauert zwischen zwölf und 24 Monaten und ist meist durch Tarifverträge geregelt. Typischerweise fahren Volontäre Karussell: Sie durchlaufen verschiedene Ressorts ("Volo, du Amöbe, mach' du den Abendtermin!") und nehmen an Fortbildungen teil. Ein vorheriges Studium ist keine Pflicht - aber längst die Regel.
Der Königsweg: Journalistenschule
Viel Andrang, rare Plätze: Journalistenschulen sind ein Nadelöhr. Auch hier dominiert die Praxis. Es unterrichten gestandene Journalisten, in Praktika wird das Gelernte eingesetzt und ausgebaut. Die Ausbildung dauert in der Regel anderthalb bis zwei Jahre. Mal zahlen Journalistenschüler Gebühren, mal erhalten sie Geld.

Zu den wichtigsten Einrichtungen zählen die Henri-Nannen-Schule (Hamburg), die Deutsche Journalistenschule (München), die Berliner Journalisten-Schule, die Axel-Springer-Akademie und die Evangelische Journalistenschule (alle in Berlin). Die RTL-Journalistenschule (Köln) bildet speziell für TV-Berufe aus, die Electronic Media School (Babelsberg und Bremen) für Radio, Fernsehen und Internet. Die Holtzbrinck-Schule (Düsseldorf) und die Kölner Journalistenschule sind auf Wirtschaft spezialisiert.
Der Trampelpfad: Studium
Und wo bleibt die Theorie? Hier: Studiengänge in Journalistik oder Publizistik, Medien- oder Kommunikationswissenschaft gibt es an beinah jeder größeren Universität (siehe Hochschulkompass). Besonders bekannt sind die Journalistik-Studiengänge in Leipzig, Dortmund und München. Dort absolvieren die Studenten auch Pflichtpraktika - wer nur theoretisch weiß, wie eine gute Glosse entsteht, hat es schwer.

Was Chefredakteure der ganz alten Schule von den Absolventen halten? Sie rümpfen die Nase, rollen die Augen und raten: "Studieren Sie lieber etwas Handfestes, Jura oder BWL oder sogar Byzantinistik." Damit haben sie nicht unbedingt Recht, ein Medienstudium kann schon nahe an den Beruf heranführen. Trotzdem gehen Absolventen meist noch ins Volontariat oder in eine Journalistenschule - denn ein schickes Uni-Zeugnis allein beeindruckt im Journalismus niemanden. Erstklassige Arbeitsproben und sinnvolle Praktika schon.
Der Sonderweg: Rein ins Wasser, Schwimmen lernen
Was ebenfalls geht: Man wird Journalist, indem man's einfach ist - "Learning by doing" in Neudeutsch. Medienberufe sind offen für Autodidakten und Quereinsteiger mit krummen Biografien. Wer viel und gut schreibt, der findet auch seinen Platz. Praktika und Kontakte sammeln, sich als Experte für bestimmte Themen einen Namen machen, die Arbeit intelligent organisieren - und irgendwann fragt niemand mehr nach Ausbildung und Abschlüssen. Für das große Heer der freien Journalisten gilt das ohnehin, für Redakteursjobs nur bedingt. Da zählen bei der Einstellung auch formale Qualifikationen.

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