Mit Vollgas an die Uni: Gestern Abiturient, heute Student

Von Christina Kufer

Im Herbst droht vielen Unis eine Erstsemester-Flut, weil zwei Jahrgänge ihr Abi machen. In Bayern können sich deswegen Abiturienten schon zum Sommersemester einschreiben. Im SchulSPIEGEL erzählen vier Studenten, wie es ist, von der Abi-Feier direkt in den Hörsaal zu fahren.

Raus aus der Schule, rein in den Vorlesungsaal: Während ihre Klassenkameraden noch mit dem Sektglas in der Hand über Schulzeiten plaudern, sitzt Theresa im Unigebäude und lauscht ihrer ersten Vorlesung in Europäischer Kulturgeschichte. Vormittags hat ihr der Direktor das Abiturzeugnis verliehen, nachmittags ist sie schon Studentin.

Theresa ist eine der letzten Abiturienten, die in Bayern das Gymnasium in 13 Jahren absolviert haben. Anfang April haben die G-9-Abiturienten ihre letzten Abi-Klausuren geschrieben - und seit dem 2. Mai sitzen einige von ihnen im Vorlesungssaal. Weil im Wintersemester aufgrund des doppelten Jahrgangs die Erstsemester-Flut droht, haben die G-9-Abiturienten in Bayern die Möglichkeit, schon zum Sommersemester das Studium zu beginnen.

Vier Turbo-Studenten erzählen, warum sie nicht als Au-Pair oder Praktikant ins Ausland gegangen sind, sondern sich gleich für ein Studium entschieden haben und wie es war, von der Abi-Fahrt direkt in den Hörsaal zu kommen.

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1. Weiß keinen...
M.S.Schneider 26.05.2011
Neulich gab es auf WDR5 eine Reihe von Interviews mit Abiturienten und Abiturientinnen. Ein Mädchen erzählte mit Lena-Stimmchen, sie würde ja jetzt vier Sprachen lernen und dann auch erstmal so ein soziales Jahr machen und so, weil das würde sich ja total gut im Lebenslauf machen. Daran musste ich beim Lesen des Artikels denken. Gehirngewaschene Lern- und Leistungsmaschinen. Das Gruselige ist dabei, dass sie ja gar nicht identitätslos sind, wie man es vermuten könnte, sondern im Gegenteil, dass sie sich mit dieser Leere, mit diesem Gefäß, dessen Wand aus dem Wunsch besteht, zu leisten und weiterzukommen, das jedoch beliebig füllbar ist, vollkommen identifizieren.
2. Bravo!
prqc 26.05.2011
Zitat von M.S.SchneiderNeulich gab es auf WDR5 eine Reihe von Interviews mit Abiturienten und Abiturientinnen. Ein Mädchen erzählte mit Lena-Stimmchen, sie würde ja jetzt vier Sprachen lernen und dann auch erstmal so ein soziales Jahr machen und so, weil das würde sich ja total gut im Lebenslauf machen. Daran musste ich beim Lesen des Artikels denken. Gehirngewaschene Lern- und Leistungsmaschinen. Das Gruselige ist dabei, dass sie ja gar nicht identitätslos sind, wie man es vermuten könnte, sondern im Gegenteil, dass sie sich mit dieser Leere, mit diesem Gefäß, dessen Wand aus dem Wunsch besteht, zu leisten und weiterzukommen, das jedoch beliebig füllbar ist, vollkommen identifizieren.
Ich finde es erschreckend - aber nicht die Studenten, die sich entschieden haben, die sprichwörtliche Schippe draufzulegen und effizient zu studieren (ansonsten haben wir in den Medien früher nur von den ewigen Bummelstudenten gehört). Erschreckend finde ich, dass einige Leute in Deutschland immer noch die Einstellung haben, dass Leistung etwas Verachtenswürdiges und Verwerfliches ist. Da werden diejenigen, die nicht in den Tag hineinleben wollen schon mal gerne als "gehirngewaschene Lern- und Leistungsmaschinen" diffamiert. Wir in Deutschland müssen es uns endlich angewöhnen, die Leistung und den Durchsetzungswillen anderer zu fördern, anstatt an allem zu mäkeln, kritisieren oder schlechtzureden. Das stünde unseren wirtschaftlichen Chancen viel besser an, als alle möglichen Konjunkturprogramme! Daher meine Botschaft an die hier porträtierten Studis: Bravo und weiter so!
3. Titel heute für 1,99€
KobiDror 26.05.2011
Kurzes Resumé: 1x Kunstgeschichte, 1x Jura, 1x European Studies, 1x BWL (wenn auch mit technologischem Feigenblatt) Kein einziger MINT Student dabei. Die wissen nämlich, dass es anstrengend wird und holen noch mal Luft. Sicher ist Jura kein Pappenstiel, aber bei den anderen Fächern stellt sich für mich die Frage nach dem Warum. Kunstgeschichte hat mit Sicherheit seine Berechtigung, die sich mir allerdings nicht erschließt. European Studies zielt aus der Beschreibung heraus klar auf eine Politikkarriere in Europa ab und BWL... Es muss auch Leute geben, die was schaffen und nicht nur planen. Ich finde, dass sich gute Leistung auch lohnen sollte und diese auch anerkannt werden muss. Aber bei den Profilen, die hier gezeigt werden kann ich die "gehirngewaschene Lern- und Leistungsmaschinen" schon nachvollziehen. Möglichst schnell möglichst viel. Wie gesagt, bei einem MINT Studenten mit dem Programm wäre ich beeindruckt gewesen.
4.
klowasser 26.05.2011
Zitat von KobiDrorKurzes Resumé: 1x Kunstgeschichte, 1x Jura, 1x European Studies, 1x BWL (wenn auch mit technologischem Feigenblatt) Kein einziger MINT Student dabei. Die wissen nämlich, dass es anstrengend wird und holen noch mal Luft. Sicher ist Jura kein Pappenstiel, aber bei den anderen Fächern stellt sich für mich die Frage nach dem Warum. Kunstgeschichte hat mit Sicherheit seine Berechtigung, die sich mir allerdings nicht erschließt. European Studies zielt aus der Beschreibung heraus klar auf eine Politikkarriere in Europa ab und BWL... Es muss auch Leute geben, die was schaffen und nicht nur planen. Ich finde, dass sich gute Leistung auch lohnen sollte und diese auch anerkannt werden muss. Aber bei den Profilen, die hier gezeigt werden kann ich die "gehirngewaschene Lern- und Leistungsmaschinen" schon nachvollziehen. Möglichst schnell möglichst viel. Wie gesagt, bei einem MINT Studenten mit dem Programm wäre ich beeindruckt gewesen.
Tja, würde man all diese Fächer abschaffen, und nur noch in MINT-Fächern + BWL Leute studieren lassen, freuen sie sich schonmal auf eine kulturlose Welt in 50 Jahren. Museen dicht, Theater dicht, und die Presse wird auch nichts mehr zu schreiben haben. Manche Fächer haben kein direktes "Output" in Form von Zahlen am Jahresabschluss. Dennoch sind sie wichtig.
5. Leere?
Velbert2 31.05.2011
Zitat von M.S.SchneiderNeulich gab es auf WDR5 eine Reihe von Interviews mit Abiturienten und Abiturientinnen. Ein Mädchen erzählte mit Lena-Stimmchen, sie würde ja jetzt vier Sprachen lernen und dann auch erstmal so ein soziales Jahr machen und so, weil das würde sich ja total gut im Lebenslauf machen. Daran musste ich beim Lesen des Artikels denken. Gehirngewaschene Lern- und Leistungsmaschinen. Das Gruselige ist dabei, dass sie ja gar nicht identitätslos sind, wie man es vermuten könnte, sondern im Gegenteil, dass sie sich mit dieser Leere, mit diesem Gefäß, dessen Wand aus dem Wunsch besteht, zu leisten und weiterzukommen, das jedoch beliebig füllbar ist, vollkommen identifizieren.
Mir ist nicht klar, was an diesem Ansinnen verwerflich ist und vor allem wie die Alternative aussehen soll. Soll die Abiturienten einige Jahre lang in den Tag hineinleben nur unterstützt von ihren Eltern und vom Staat oder sollen diese einige Monate rund um die Welt fahren, um "neue Erfahrungen und Eindrücke" zu sammeln? Ob dies besser ist und die befürchtete Leere auch nur kurzfristig sinnvoll füllen kann? Ich vermute eher nicht.
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