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Schüler spielen Chirurgen: Upps, das war dann wohl die Leber

Im OP kann ein kleiner Patzer den Tod des Patienten bedeuten. An der Uni-Klinik Mainz durften Schüler jetzt ausprobieren, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu operieren. Der Dummy verzeiht zwar manches, aber rutscht das Skalpell mal ab, sprudelt auch aus der Puppe das Kunstblut.

Berufswunsch Chirurg: Schneiden, nähen, Leben retten
Fotos
DPA

Ein lauter Piepton erfüllt den Operationssaal. Anstelle eines regelmäßigen Herzschlags zeigt das EKG nur noch eine schnurgerade Nulllinie: Herzstillstand. Die 18-jährige Nicole hat am OP-Tisch aus Versehen in die Leber ihres Patienten gestochen, jetzt müssen die anderen Schüler die Wiederbelebung mittels Herzmassage übernehmen.

"Fester drücken, fester drücken", ruft Oberarzt Werner Kneist von der Mainzer Universitätsmedizin. "Da muss der ganze Tisch wackeln." Was nach einem dramatischen Kampf um Leben und Tod klingt, ist nur ein Spiel: Der Patient besteht aus Kunststoff und Kabeln, und ableben muss er regelmäßig. Es ist eine Patientenpuppe, ein Dummy, der heute bei der Aktion "Chirurg für einen Tag" zu Übungszwecken herhalten muss.

Die Universität Mainz will mit dem OP-Schnuppertag junge Menschen für die Chirurgie begeistern, die "Königsdisziplin der Medizin", sagt Oberarzt Kneist. Die Mediziner wollen aber auch mit Vorurteilen über Halbgötter in Weiß aufräumen. "Die Schüler sollen ein realistisches Bild vermittelt bekommen, wie der Beruf des Chirurgen aussieht", sagt Reinhard Urban, Professor in der Universitätsmedizin Mainz. Wirbelsäulenoperationen, Bauchspiegelungen, die Entfernung der Gallenblase - das können die Schüler hier alles gefahrlos ausprobieren.

Nicole bleibt dabei: Ich will Chirurgin werden

Mitten im Gewimmel steht auch die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD), wie die Schüler hat sie sich mit Mundschutz und blauem OP-Kittel ausstatten lassen. Ahnen sagt, sie sei zartbesaitet, aber das hilft ihr nicht, sie muss trotzdem mit dem Skalpell an den Dummy: Kneist erklärt Ahnen, wie sie eine virtuelle Gallenblase entfernen soll, ein Eingriff aus der sogenannten Schlüssellochchirurgie.

Auf dem Bildschirm verfolgt die Ministerin, was sie im Bauch der Puppe anstellt. Alles geht gut, die Operation gelingt. "Ich bin gerade ganz schön nassgeschwitzt", sagt die Ministerin. Vor den Chirurgen, die jeden Tag im OP stehen, habe sie großen Respekt.

Auch bei Nicole, deren Ziel eigentlich auch die Galle und nicht die Leber war, geht die Operation am Ende einigermaßen glimpflich ab. Nach ein paar angespannten Minuten piepen die Geräte wieder regelmäßig. Der Patient hat seine Gallenblasen-OP knapp überlebt und muss auf die Intensivstation.

"Toll, gerade bei mir", sagt Nicole. Sie ärgert sich über den Zwischenfall. "Da kam sofort Blut raus, und dann ging die ganze Action los." Trotz des Patzers an der Puppe bleibt die Abiturientin bei ihrem Berufswunsch: Sie will Chirurgin werden.

Unerfüllter Traum Medizin-Studium

Jasper Rothfels/dpa/cht

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