Superschüler: 13 Bewerbungen an US-Nobelunis, 11 Zusagen

US-Top-Universitäten sind extrem wählerisch, was die Auswahl ihrer Studenten betrifft. Ein Neusser Abiturient hätte fast an allen Unis einen Studienplatz bekommen. Im Interview erzählt Thomas König, 19, von seinem Bewerbungsmarathon - und warum er nach Yale geht.

SchulSPIEGEL: Du hast noch kein Abitur, bist aber schon an elf amerikanischen Universitäten angenommen worden, darunter die Elite-Schmieden Harvard, Yale und Princeton. Wie hast du das geschafft?

Überflieger Thomas König: Welche Elite-Uni darf's denn sein?

Überflieger Thomas König: Welche Elite-Uni darf's denn sein?

König: Das war katastrophal viel Arbeit. Ich musste sehr viele Tests bestehen, sogenannte Scholastic Assessment Tests (SAT), in Fächern wie amerikanische Geschichte, Literatur oder Biochemie. Dafür musste ich mir Bücher mit mehreren hundert Seiten reinhämmern. Dazu kamen Dutzende von Essays und der TOEFL-Sprachtest. Aber es hat geklappt: Ich habe mich letzte Woche in Yale für den Studiengang "Foreign Services" immatrikuliert.

SchulSPIEGEL: Wann hast du dir überlegt, in den USA studieren zu wollen?

König: Kurz vor meinem 17. Geburtstag habe ich den Bundeswettbewerb Fremdsprachen in Englisch gewonnen. Der erste Preis war ein Stipendium für eine dreimonatiges Sommerprogramm an der Uni Baltimore. Dort hat mir alles unheimlich gut gefallen: das System der Benotung, der Kontakt zu anderen Studenten, die Wohnheime, die persönliche Betreuung. Zurück in Deutschland habe ich mir Vorlesungen deutscher Universitäten angeschaut und war enttäuscht von der Atmosphäre. Dort war kein Zusammenhalt zu spüren und kein Stolz.

SchulSPIEGEL: Was gefällt dir an amerikanischen Studiengängen besser?

König: Zum einen muss man sich nicht für einen Studiengang bewerben und diesen dann durchziehen. Man sich kann auch "undecided" an der Uni einschreiben und das Hauptfach allmählich suchen. Die wenigsten wissen doch, was sie nach der Schule genau machen möchten. Außerdem besitzen die amerikanischen Universitäten viel Geld. In einem Computerzentrum oder einem Observatorium für viele Millionen Dollar zu sitzen, ist natürlich toll.

SchulSPIEGEL: Du bist ein Sprachtalent. Warum fallen dir Fremdsprachen so leicht?

König: Für mich hängen an Sprachen ganze Kulturen. Ich habe mit neun Jahren angefangen, mit meinem Bruder regelmäßig DVDs auf Englisch mit Untertiteln zu sehen. Als ich nach Japan fuhr, habe ich alle Leute so lange mit Fragen genervt, bis ich nach ein paar Tagen die ersten Sätze sprechen konnte.

SchulSPIEGEL: Bei Bewerbungen an US-Unis muss man vor allem auffallen. Wie hast du dich hervorgetan?

König: Ich habe versucht, originelle Essays zu schreiben. Ich wusste, dass jedes Jahr 30.000 Bewerbungen eintrudeln, also habe ich riskante, aber ausgefallene Formen gewählt: Zum Thema "Was bedeutet für dich Leben?" habe ich keine Sätze, sondern ein Stakkato an Begriffen und Assoziationen aufgeschrieben. Für Yale habe ich einen Text aus der Zukunft verfasst: Eine fiktive Theaterkritik aus dem Jahr 2042 über mein eigenes Leben auf der Bühne.

SchulSPIEGEL: Was ist neben schrägen Essays noch hilfreich?

König: Auf der Webseite www.collegeconfidential.com habe ich mit anderen Bewerbern Tipps ausgetauscht und sie gebeten, meine Texte Korrektur zu lesen. Auch das Private zählt bei der Bewerbung: etwa ob man Wettbewerbe gewonnen hat, sportlich ist oder gern musiziert. Ich habe Auszüge aus einem selbst geschriebenen Theaterstück mitgeschickt.

SchulSPIEGEL: Hat dir der Aufwand auch in der Schule genutzt?

König: Im Gegenteil. Pro Halbjahr wurde ich etwa neun Tage beurlaubt. Ständig musste ich kurzfristig zu Interviews mit Vertretern der Universitäten reisen. Und ich stand immer unter Stress, meine Noten sollten ja nicht leiden. Manche Lehrer haben mich unterstützt, andere waren verärgert und wussten nicht, dass ich mehr leisten musste, als meine Abiturnote zur ZVS zu schicken.

SchulSPIEGEL: Wie wirst du dein Studium finanzieren?

König: Eigentlich kostet mein Studium in Yale 160.000 Dollar für vier Jahre. Doch die Chancen stehen gut, dass ich ein "Full Scholarship" erhalte, also nur 4000 Dollar im Jahr bezahlen muss. Das ist ja das Tolle in Yale: Wenn die Universität einen Studenten haben möchte, kümmert sie sich auch um die Finanzierung. An anderen US-Unis kann es vorkommen, dass die Bewerbung zwar erfolgreich ist, die Universität sich die Förderung des Studenten aber nicht leisten kann.

SchulSPIEGEL: Bist du ein Sonderling oder liegst du im Trend?

König: Ich hoffe, dass sich mehr Abiturienten dem Ausland zuwenden, dann würde vielleicht klar werden, dass im deutschen Bildungssystem etwas nicht stimmt. Mittlerweile habe ich schon meine amerikanischen Lehrbücher an drei Leute weitergereicht. Aber es bedeutet viel Arbeit, sich im Ausland zu bewerben. Wer sich die nicht machen möchte, bleibt natürlich hier.

Das Gespräch führte Carola Padtberg

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