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Leistungswahn: Eltern schicken Kinder zur Nachhilfe - auch bei sehr guten Noten

Nachhilfe trotz guter Noten: Schule fördert nicht genug, sagen viele Eltern - und setzen auf zusätzliche Hilfe für ihr Kind Zur Großansicht
DPA

Nachhilfe trotz guter Noten: Schule fördert nicht genug, sagen viele Eltern - und setzen auf zusätzliche Hilfe für ihr Kind

Deutsche Schulen fördern Kinder nicht genug, davon ist nach einer neuen Studie jeder vierte Elternteil überzeugt. Väter und Mütter setzen auf zusätzliche Unterstützung und Nachhilfe. Und: je besser die Noten, umso stärker.

Ganz offensichtlich trauen viele Eltern den Lehrern nicht zu, ihren Kindern genügend beizubringen: Jeder vierte Elternteil glaubt, dass Schulen ihre Schüler generell zu wenig fördern. Eine neue Forsa-Studie zeigt, wie groß der Ehrgeiz der Erziehungsberechtigten ist - und wie hoch die Erwartungen sind, die sie mit den Bildungsleistungen ihrer Kinder verknüpfen.

Ein bizarres Detail belegt dabei, unter welchen Druck sich die Familien setzen: 83 Prozent aller befragten Väter und Mütter sind sogar dann besorgt, wenn die Schulnoten stimmen. Sie können sich vorstellen, ihr Kind dennoch zusätzlich zu fördern. Bei Schülern mit sehr guten Noten signalisieren sogar 86 Prozent diese Bereitschaft.

Das hat unterschiedliche Gründe:

  • Schreibt der Nachwuchs sehr gute Noten, wollen die Eltern mit zusätzlichen Angeboten wie Lernspielen, bezahlter Nachhilfe oder weiterführenden Aufgaben vor allem Fähigkeiten fördern, die in der Schule nicht ausreichend unterstützt werden (64 Prozent).
  • Bei Kindern mit weniger guten Noten möchten Mutter und Vater vor allem das Mitkommen in der Schule sichern (63 Prozent).
  • Zusätzliche Lernangebote seien generell sinnvoll, um die Noten zu verbessern, finden 59 Prozent der Eltern.
  • Gegen zusätzliche Lernangebote würde sich nur etwa jeder achte Elternteil (12 Prozent) entscheiden.

Für die repräsentative Studie im Auftrag der Lernplattform Scoyo wurden bundesweit 1004 Eltern mit schulpflichtigen Kindern befragt.

"Wir wissen, dass sich viele Schulen bei der individuellen Förderung schwertun", kommentiert Eberhard Kwiatkowski, Vorsitzender der Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen, die Zahlen: "Das ist sicherlich auch ein entscheidender Faktor für das Milliardengeschäft der Schülernachhilfe." Auch die G8-Einführung mit der verkürzten Gymnasialzeit habe zum Boom der Nachhilfe beigetragen.

Insgesamt nehmen, je nach Klassenstufe, Region und Schulform, zwischen sechs und 24 Prozent der Schüler in Deutschland kommerziellen Nachhilfeunterricht. Hinzu kommen privat vermittelte Nachhilfestunden.

him/dpa

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Musikschule, Orchester & Sportverein statt Nachhilfe
jjxx77 13.01.2015
Leute, lasst Eure Kinder in die Musikschule, das Orchester oder den Sportverein, da profitieren sie mehr als von dauerhafter Nachhilfe!
2. Gebe selber Nachhilfe
schokomuffin 13.01.2015
und alle Kinder, die ich bisher unterrichtet habe, hatten es auch nötig. In den meisten Fällen war die Versetzung gefährdet und bei den anderen gab es 4en in Hauptfächern. Wessen Kinder 1 und 2 stehen, braucht ja wohl keine Nachhilfe für den Nachwuchs...
3. Wer Hilfe verweigert, ...
pejoachim 13.01.2015
... die gebraucht wird, ist ein Dieb. Wer Hilfe gibt, die nicht gebraucht wird, ein Mörder!
4.
gärtnerin_65 13.01.2015
ich gehöre, anscheinlich, zu "sehr schlimmen Eltern": als mein Kind schlechte Noten in English hatte, habe ich angefangen, ihm interessante Bücher auf Englisch zu kaufen. Und habe nicht aufgehört, als seine Noten gut wurden. Das ist doch auch "Nachhilfe", oder? Die Musikschule, das Orchester oder den Sportverein kann man auch als "Nachhilfe" betrachten. Leistungsstarke Kinder sind "leistungsstark", weil sie sich für bestimmte Bereiche interessieren. Und wenn die Eltern die Kinder dabei unterstützen, kann man das bereits als "Nachhilfe" betrachten. Oder?
5. Leider
Waldpinguie 13.01.2015
muss ich als Vater von 3 schulpflichtigen Kinder immer wieder die Erfahrung machen, dass sehr viele Eltern sich zum Maß der Dinge erklären und sich massiv in die Belange der Schule einmischen sind sie der Meinung ihre eigenen Kinder funktionieren nicht perfekt.
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