Es ist Samstag, 2.13 Uhr nachts, als Dave bei Tempo 130 auf der Autobahn seinen Kopf aus dem Fahrerfenster hält. "Ich kann noch 15 Minuten", sagt er. Eben, als ihm die Augen zufielen, hat er versucht, sich mit Schlägen ins Gesicht wach zu halten.
Seine Bandkollegen Chris, Marten und Max schlafen, seit ihr Kleinbus das Southside-Festival in Neuhausen ob Eck verlassen hat. Sie haben gelost. Dave schaut auf das Navi. Bis zur Ankunft auf dem Hurricane-Gelände sind es noch sechs Stunden.
Dave ist Gitarrist bei Artig, der "besten Schülerband Deutschlands", den Gewinnern des SchoolJam-Musikturniers 2011. Als Sieger dürfen sie nun in diesem Sommer beim zweitgrößten Doppel-Festival Deutschlands spielen: am Freitag auf dem Southside, am Samstag auf dem Hurricane. Ein Mini-Tour für die Newcomer, 1606 Kilometer Fahrt, 48-Stunden Popstar.
"Mit Artig fängt die Party an"
Schon am Vortag sind Artig viel gefahren, auf dem Hinweg zum Southside auf einem ausgedienten Flugfeld, 90 Kilometer hinter Stuttgart. Eine Lokalzeitung titelte über einem Festival-Bericht: "Mit Artig fängt die Party an". Artig sind drei Berufsschüler und ein BWL-Student, alle Anfang 20, in Bochum bekannt, hier kennt sie niemand - aber sie stehen in einem Line-up mit etablierten Popstars und sollen am Nachmittag das Festival eröffnen.
Sie parken im abgezäunten Backstagebereich zwischen Zeltplatz und Konzertbühne, gegenüber einer Wand aus Nightlinern. Es sind die Luxusbusse von Clueso, den Arctic Monkeys, den Wombats und den Subways. Dave, 22, Chris, 21, Marten, 20, und Max, 21, betreten mit bunten Artist-Pässen nun eine überdimensionale VIP-Wohngemeinschaft - vollgestellt mit Waschmaschinen, Duschen und einem Tischkicker. Jeder Künstler hat einen Raum aus weißen Trennwänden. Dazu einen Obstkorb, Schokolade und eine Kiste Bier.
"Wir müssen dringend eine Videonachricht machen", sagt Dave. Auf der Facebook-Seite der Band hat er schon unterwegs Handy-Filme gepostet. In einem Alukoffer trägt Max ihre ersten 500 CDs. Sechs Tracks, unaufgeregter deutschsprachiger Gitarrenpop über Liebe, Leben, Alltag. Sie haben auf der Fahrt eine Stunde über den Preis diskutiert und beschlossen, die CD erstmal ins Publikum werfen. "Unser Auftritt ist in einem Zelt, also wünschen wir uns Regen", sagt Schlagzeuger Chris. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf - es wird, es wird.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Musik | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH