Auftrag einer Lehrerin: Australische Schüler mussten Terroranschlag planen

Eine zehnte Klasse in Australien sollte sich überlegen, wie sich "so viele Zivilisten wie möglich" umbringen lassen. Noch bevor die Anschlagspläne benotet werden konnten, musste die Lehrerin die Aufgabe zurückziehen.

Aufgabenzettel, wie er "The West Australian" vorliegt: "Du bist Terrorist" Zur Großansicht

Aufgabenzettel, wie er "The West Australian" vorliegt: "Du bist Terrorist"

Von wegen langweiliger Unterricht: "Euer Ziel ist es, so viele Zivilisten wie möglich zu töten" - diese Aufgabe bekamen die Schüler einer zehnten Klasse an einer Highschool im Westen Australiens. Die Lehrerin trug ihren Jugendlichen in der vergangenen Woche auf, einen Terroranschlag auf eine australische Stadt zu planen. Mit dem Rollenspiel sollten die Schüler anwenden, was sie im Unterricht gelernt hatten.

Sie sollten sich überlegen, wie sie einer politischen Botschaft mit einem tödlichen Angriff Nachdruck verleihen würden. Detailliert sollten die Schüler Ort, Zeitpunkt und Opfer auswählen und beschreiben, was für Folgen ein Anschlag mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen hätte.

Doch die fiktive Terror-Planung flog auf. Eine 15-jährige Schülerin verriet den Terror-Test an die Tageszeitung "The West Australian" (PDF-Datei). Sie weigerte sich, für eine gute Note Massenmörderin zu spielen. Angehörige ihrer Mutter waren vor acht Jahren bei einem Anschlag in Bali auf Indonesien getötet worden, dem insgesamt 202 Menschen zum Opfer fielen, darunter 88 Australier.

Zwar kassierte die Schulleitung umgehend die umstrittene Aufgabe. Aber seitdem steht die junge Lehrerin der Kalgoorlie-Boulder Community Highschool massiv in der Kritik. Schulleitung und das Bildungsministerium des Bundestaates Western Australia verurteilten die Anschlag-Aufgabe: Die Lehrerin sei deutlich über das Ziel hinausgeschossen und habe unprofessionell gehandelt.

Die erst seit drei Jahren unterrichtende Lehrerin bedaure ihre Idee, erklärte die Direktorin des Bildungsministeriums, Sharyn O'Neill, in Perth. Sie habe einen umfassenden Bericht angefordert. Die Schule habe aber richtig gehandelt, indem sie die Aufgabe zurückzog und die Lehrerin aufklärte, wie unangemessen diese ist.

In Australien ist Terrorismus ein sensibles Thema: Das Land ist ein enger verbündeter der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus. Mehr als 100 Australier sind bereits durch Terroranschläge in anderen Ländern ums Leben gekommen, zwei geplante Anschläge konnten aufgedeckt und verhindert werden, Dutzende Verdächtige wurden in Australien verhaftet.

ore/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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1. Warum nicht...
sappelkopp 25.08.2010
...wahrscheinlich haben die Schüler eine Fantasie, die Polizeibehörden und Terrorbekämpfer nicht an den Tag legen. Warum nicht davon lernen? Aufgrund so einer Aufgabe werden die Schüler sicher nicht zu Terroristen, sie entwickeln aber sicherlich ein Gespür dafür, wie empfindlich unsere Zivilisation ist.
2. Grundsätzlich keine schlechte Idee...
nurmeinsenf 25.08.2010
Überlegungen, was man mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen anstellen könnte, habe ich auch schon. Grundsätzlich ist es keine schlechte Idee - Terroranschläge zu planen. Wer Anschläge verhindern will, muß ein Stück weit denken wie ein Terrorist. In der IT-Welt würde man das als Suche nach "vulnerabilities" bezeichnen. Ob das eine geeignete Schulaufgabe ist oder den "Schlapphüten" überlassen werden sollte, steht aber auf einem anderen Blatt.
3. Lernen fürs Leben!
Emmi 25.08.2010
Weitere - auch in D denkbare - Aufgabengebiete: Steuerhinterziehung für Anfänger Autoknacken professionell Einkaufen ohne Bezahlen Grasanbau auf dem Balkon ...
4. 10. Klasse ? Fraglich...
problematix 25.08.2010
Zitat von nurmeinsenfÜberlegungen, was man mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen anstellen könnte, habe ich auch schon. Grundsätzlich ist es keine schlechte Idee - Terroranschläge zu planen. Wer Anschläge verhindern will, muß ein Stück weit denken wie ein Terrorist. In der IT-Welt würde man das als Suche nach "vulnerabilities" bezeichnen. Ob das eine geeignete Schulaufgabe ist oder den "Schlapphüten" überlassen werden sollte, steht aber auf einem anderen Blatt.
Ja, ich glaube es ist auch eher etwas für die Uni, zudem ist eventuell die Fragestellung anders zu gestalten, damnit es sinnvoll ist. Es ist ja doch auch eine Frage von Geld, Logistik, Kontakten... für Schüler wären meiner Meinung nach bestenfalls wesentlich konkretere Fragestellungen geeignet, die auch Rahmenbedingungen geben, auf deren Basis sich Erkenntnisgewinn erzielen lässt. Ein szenario wie "ja, eine Atombombe irgendwo in New York irgendwie hochgehen zu lassen" bringt nichts, ein Transport mit einem Minivan ist als "Detail" auch vollkommen uninteressant. Für Schüler viel wertvoller dürften Analyse und Diskussion bereits erfolgter Terroranschläge sein, sei es u.a. auch aus technischer Sicht und mit Perspektivwechseln. Das kann man mit einer 10. Klasse vieleicht machen. Noch besser wäre es, auch Hintergründe sozialer und geschichtlicher Art zu behandeln, allerdings hängt das ganze dann auch vom Fach ab.
5. Terrorpläne durch Zehntklässler?
hepra 25.08.2010
Natürlich muss man sich zwecks Prävention damit beschäftigen, wie Terroranschläge geplant und durchgefhrt werden können, aber bitte von kompetenter Seite! Als Aufgabe für Schüler einer zehnten Klasse ist das völlig ungeeignet, denn es ist gefährlich - gibt es doch sicher nicht wenige Jugendliche, die eine solche Idee "toll" finden und dann vielleicht selbst ausprobieren wollen, einfach nur um zu sehen, ob es auch funktioniert. Nicht auszudenken, wenn nur einer von ihnen dies wirklich täte! Das scheint die wohl relativ unerfahrene Lehrerin nicht bedacht zu haben. Hoffentlich wurde es ihr in aller Eindrücklichkeit klar gemacht.
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