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10 Berufe in 90 Minuten: Was nützt ein Job-Speeddating bei der Berufswahl?

Von Claudia Malangré

Was wird aus mir? Diese Frage stellen sich Denis, 18, und Aylin, 15, und probieren beim Berufsparcours mehrere Jobs wie Zahntechniker oder Zerspanungsmechaniker aus. Für einen der beiden springt direkt ein Lehrstellenangebot heraus.

Unter der Anleitung eines Mannes in orangfarbener Weste schraubt Tobias am Stativ eines gelben Apparates. Dann kneift er ein Auge zu und schaut mit dem anderen durch ein kleines Guckloch. An der Wand gegenüber leuchtet ein roter Laserpunkt. Tobias probiert beim Berufsparcours in Remscheid den Job des Vermessungstechnikers aus.


Die Geschichte von Denis und Aylin finden Sie hier im Video!

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Schüler sollen hier vom Industriemechaniker bis zum Straßenbauer viele Ausbildungsberufe testen, und das in kurzer Zeit. Zehn Minuten lang beschäftigen sie sich mit einem Beruf, dann vergeben sie für die Aufgabe eine Schulnote und gehen zur nächsten Station.

Die einzelnen Stationen werden von echten Betrieben angeboten. Wenn einem Jugendlichen ein bestimmter Beruf gefällt, kann er direkt mit einem Firmenvertreter sprechen und eine Visitenkarte mit seiner Adresse abgeben.

Karin Ressel vom Technikzentrum in Minden hat sich den Parcours ausgedacht. Ihr Ziel: Jugendliche sollen sich vorstellen können, was sie bei einer Ausbildung erwartet, bevor sie sich bewerben. Inzwischen führen Ressel und ihr Team im Jahr über 200 Berufsparcours mit mehr als 50.000 Jugendlichen durch. Ressel ist sich sicher, dass in vielen Arbeitsfeldern Unterbesetzung nur herrscht, weil die Berufe bei den potenziellen Bewerbern gar nicht bekannt sind.

Bundesagentur beklagt "Nord-Süd-Gefälle"

Davon will die Bundesagentur für Arbeit nichts wissen, ist sie doch Herrin über die Berufsinformation in Deutschland. Ein Sprecher sagt, für weniger bekannte Berufe werde ausreichend Werbung gemacht. Schuld am Bewerbermangel in manchen Sparten sei ein "Nord-Süd-Gefälle": Im Süden gebe es ein großes Angebot an Ausbildungsplätzen, aber keine Nachfrage, im Norden sei es oft umgekehrt. Die Agentur unterstützt vielerorts trotzdem den Berufsparcours, denn die Chance, Berufe einmal praktisch auszuprobieren, könne nicht schaden, sagt der Sprecher.

Am Anfang stehen die Schüler im Fokus: Zum Start erklärt Ressel ihnen in einer kurzen Ansprache, worum es geht. "Das sind eure potentiellen Arbeitgeber, also verhaltet euch wie bei einem Bewerbungsgespräch", sagt Ressel. Der ein oder andere holt dann verstohlen ein Papierchen heraus, holt den Kaugummi aus dem Mund heraus und steckt ihn möglichst unauffällig in die Tasche.

Nach dem Parcours macht Ressel eine Auswertungsrunde mit ihren Co-Organisatoren und den Unternehmen. Deren Vertreter sitzen in einem Stuhlkreis zusammen, während um sie herum Schüler mit dem Abbau der Tische beginnen. Fast alle Unternehmen wollen beim nächsten Berufsparcours wiederkommen, viele sind zum wiederholten Mal dabei: "Beim letzten Mal haben wir drei Auszubildende gefunden", berichtet ein Unternehmer. Auch diesmal sei er zuversichtlich, dass er ein paar Ausbildungsplätze mit Schülern des Berufsparcours wird besetzen können.

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1. Jede...
fatherted98 16.10.2014
...Chance nutzen. Es wird immer von Traum-Job gefasselt...es geht um eine Arbeit die natürlich auch Spaß und Befriedigung bringen soll...aber im Vordergrund sollten auch die eigenen Fähigkeiten stehen. Die Arbeitgeber sollten jedes Konzept nutzen um Schulabgängern entsprechende Berufsbilder näher zu bringen..auch wenn das im Schnellverfahren abläuft...vielleicht bleibt doch etwas hängen.
2.
lupidus 16.10.2014
ich finde das ist eine großartige idee. die schüler können den beruf mal zum anfassen erleben, anstatt nur ein paar schöngefärbte statements zu erhalten. ok, es ist kein realistisches bild des berufs, aber es ist immerhin ein schritt. außerdem lernen sie sich gegenüber arbeitgebern zu verhalten. sowas sollte schule machen, gerne auch mit mehr berufen.
3. Job-Speeddating
Sachalin 16.10.2014
Können Ämter in Deutschland und Journalisten des Spiegel auch in ihrer Muttersprache ausdrücken, was sie meinen?
4. nee
dickebank 16.10.2014
Zitat von SachalinKönnen Ämter in Deutschland und Journalisten des Spiegel auch in ihrer Muttersprache ausdrücken, was sie meinen?
In deutschen Ämtern und Schulen gibt es keine Muttersprache sondern nur die Amtssprache. Und wenn alle Journalisten in Deutschland ihre Beiträge in ihrer Muttersprache verfassten, wäre das für deutsche Leser/Hörer mit anderer Muttersprache wenig hilfreich. Und zur in Deutschland gepflegten Verkehrssprache zählen nun einmal auch Fremdwörter und Anglizismen, ob es Ihnen passt oder nicht. Übrigens ist das standardisierte Schriftdeutsch mit Sicherheit keine deutsche Muttersprache, da stehen die vielen Dialekte und Mundarten in Deutschland vor.
5. Humbug!
see_it with_your_own_eyes 16.10.2014
Wie soll man in so kurzer Zeit eine kleine Lebensentscheidung treffen können? Nur weil ich vielleicht die Basisfunktion eines der Hauptwerkzeuge eines Berufes rasch erfasse, heißt das doch nicht, dass ich für den Beruf im Ganzen tauge, oder dass er mir genug Spaß macht, dass ich ihn erlernen und ausüben möchte. Ich kenne einige Menschen, die vor der Ausbildung sich sogar hobbymäßig in bestimmten Metiers bewegten, die Ausbildung dann begannen und am Ende merkten, dass dieser Beruf nichts für sie ist. Ganz zum Schluss möchten sie noch nichtmal mehr das Ganze als Hobby leiden.
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