Ankara - Das Delacroix-Gemälde "Die Freiheit führt das Volk an" ist ein Klassiker der Kunstgeschichte. Tag für Tag bewundern Besucher des Pariser Louvre die Szene aus den Tagen der französischen Julirevolution im Jahr 1830. Das Werk von Eugène Delacroix beschrieb der Dichter Heinrich Heine so: "Sie schreitet dahin über Leichen, zum Kampfe auffordernd, entblößt bis zur Hüfte, ein schöner, ungestümer Leib, das Gesicht ein kühnes Profil, frecher Schmerz in den Zügen".
Das Bild der unbekannten und freizügigen Schönheit zierte auch ein türkisches Schulbuch, das im Fach "Bürgerkunde und Menschenrechte" in den siebten Klassen eingesetzt wurde. Und zwar bereits seit fünf Jahren. Doch nun hat das türkische Bildungsministerium das Buch aus dem Verkehr gezogen. Türkische Medien berichteten, das Ministerium habe den Verlag angewiesen, "das Bild auf Seite 65 zu entfernen".
Der Vorsitzende der türkischen Lehrergewerkschaft, Özgür Bozdogan, reagierte empört: Er sprach von einer "inakzeptablen" Weisung des Ministeriums. Die Entscheidung zeige, dass die konservative Regierungspartei AKP ihre Weltsicht in Schulbücher und Nachschlagewerke einfließen lasse. Die Tageszeitung "Milliyet" warf in einem Kommentar die Frage auf, ob die Regierung den Schülern künftig auch den Gang ins Museum oder den Besuch von Stränden verbieten wolle.
chs/AFP
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