"Seit zwei Monaten bin ich nun schon in Italien und völlig begeistert, obwohl zunächst nicht alles geklappt hat. Das fing schon beim Flug an: Von München nach Mailand hatte ich nur eine halbe Stunde Zeit zum Umsteigen, mein Flieger aus Leipzig aber war zu spät dran. Ich habe den Flug noch ganz knapp erreicht, mein Gepäck aber ist nicht angekommen. Ich musste also tagelang ohne Gepäck leben – das wahrscheinlich Schlimmste, was einem Austauschschüler passieren kann. Ich hätte echt heulen können. Nach drei Tagen kam endlich der Anruf im Hotel, ich könne meinen Koffer abholen.
Zunächst wohnte ich nicht bei meiner Gastfamilie, sondern in einem Hotel direkt am See Lago Maggiore. Ich war nämlich nach Italien gefahren, ohne dass eine Gastfamilie für mich gefunden worden war. Deswegen habe ich erst einmal mit 40 anderen Teilnehmern einen Sprachkurs belegt. Es kamen Leute aus Australien, den USA, Mexiko, Brasilien, Holland und Belgien - ganz lustig eigentlich, doch wir haben mehr Englisch als Italienisch gesprochen.
Nach einigen Tagen bekam ich endlich die Nachricht, dass es jetzt auch für eine richtige Gastfamilie gibt. Das war aufregend: Ich sollte eine neue Schwester und einen neuen Bruder bekommen, mitten in Turin! Das Haus hatte einen Pool, in jeder freien Viertelstunde konnte ich mal eben ins Becken springen. Eigentlich paradiesisch – doch irgendwie habe ich mich in der Familie nicht wohl gefühlt. Ich kam mir nicht wie ein Familienmitglied vor, sondern blieb Gast im Haus. Das war irgendwie unangenehm.
Weil mich das belastet hat, habe ich viel mit meiner Schulfreundin und ihrer Mutter darüber geredet und mich schließlich auch getraut, mit meiner Gastmutter und meiner Koordinatorin zu sprechen. Wir haben uns auf einen Gastfamilienwechsel geeinigt. Zum Glück hat sich die Familie meiner Freundin bereit erklärt, mich aufzunehmen. Hier ist jetzt alles völlig anders. Ich wurde schon nach ein paar Tagen wie ein volles Familienmitglied behandelt. Mit allen Vor- und Nachteilen, und das ist auch gut so.
Mit zitternden Knien vor der neuen Klasse
Der aufregendste Moment war aber meine "Einschulung". Eigentlich hatte ich mir ein sprachliches Gymnasium gewünscht, bin aber trotzdem auf einer Schule mit technisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt gelandet. Dort kam ich am ersten Tag gegen neun Uhr an und wurde zunächst von der Schulleiterin fast allen Lehrern vorgestellt. Und dann ging's in die Klasse, mir haben richtig die Knie gezittert. Ich habe gesagt: "Ich bin die Elisa aus Deutschland und werde jetzt ein Jahr lang eure Klassenkameradin sein." Oh Madonna, war ich aufgeregt!
Dabei war die Angst völlig unbegründet. Meine Mitschüler haben mich sehr lieb aufgenommen. Sie haben mir gleich in der ersten Pause noch mal die ganze Schule gezeigt. Prompt wurde ich zum Pizzaeessen am Sonntag eingeladen, denn an diesem Tag hatte ein Mädchen aus meiner Klasse Geburtstag. Alle haben mich ausgefragt bis zum Umfallen und mir ihre Handynummern und Adressen aufgeschrieben. Ein cooler Einstieg.
Wir haben dann mit 25 Leuten in einer Pizzeria Geburtstag gefeiert – ich kannte zwar noch niemanden richtig, aber das hat kaum etwas ausgemacht. Damit ich nicht ganz ohne etwas auftauche, habe ich eine Diddl-Maus-Geburtstagskarte besorgt, was sich als die ideale Kleinigkeit herausgestellt hat. Denn alle sind total vernarrt in Diddl-Maus – sogar meine Mathelehrerin war begeistert. Wir haben gegessen, Geschenke bewundert, ein langes Fotoshooting gemacht, und natürlich wurde die ganze Zeit lauthals geredet und gelacht – das Leben in Italien ist einfach nie leise.
Auch der Unterricht macht bis jetzt noch Spaß, aber das könnte sich auch ändern. Die italienischen Schulen haben einen sehr autoritären Unterrichtsstil. Das wusste ich schon, bevor ich kam. Manchmal müssen wir hier Lernstoff einfach nachsprechen – neulich im Kunstunterricht musste ich dem strengen Lehrer Wort für Wort den Aufbau einer Säule nachplappern. Das war mir ziemlich peinlich."
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