Aggressives Marketing ist die jüngste Strategie britischer Kreationisten. Statt wie bisher auf die Einsicht der Bildungsbehörden zu hoffen, dass ihre Sicht der Welt einen Platz im Biologieunterricht findet, hat die Kreationisten-Organisation "Truth of Science" ein Paket für die bibeltreue Lehre geschnürt. Zwei DVDs und ein Handbuch schickten die christlichen Aktivisten an die Basis, nämlich an die Naturkundelehrer aller weiterführenden Schulen. So soll "Intelligent Design" - als Gegenentwurf zur Evolutionstheorie - doch noch einen Weg in britische Klassenzimmer finden.
Die britische Regierung hatte ihre Haltung zur Schöpfungslehre ganz deutlich gemacht: "Weder 'Intelligent Design' noch Kreationismus werden als wissenschaftliche Theorien anerkannt. Sie sind nicht geeignet, den naturwissenschaftlichen Stundenplan zu ergänzen." Dennoch finden Lehrer offenbar Gefallen an den umstrittenen Ideen der Anti-Darwinisten: 59 Schulen hätten das Unterrichtsmaterial von "Truth of Science" als "nützliche Quellen" aufgenommen, sagte die Organisation der Zeitung "The Guardian".
Erschrocken darüber ist der Vorsitzende des parlamentarischen Komitees für Wissenschaft und Technik, Phil Willis. "Es ist zutiefst beunruhigend, wenn Kreationismus im Naturkundeunterricht als Alternative neben die zentrale Theorie des Darwinismus gestellt wird", sagte Willis dem "Guardian". Der Entwicklungsbiologe Lewis Wolpert von der University of London teilt diese Einschätzung: "Es gibt keine Beweise für Intelligent Design, das ist reine Religion und hat mit Wissenschaft gar nichts zu tun."
Das sieht sogar Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury, ähnlich. Er hatte sich im Frühjahr in den Streit Evolutionstheorie gegen Schöpfungslehre eingeschaltet - und überraschend deutlich gegen Kreationismus im Unterricht Stellung bezogen. Seiner Auffassung nach sollte Kreationismus nicht an Schulen gelehrt werden. Die Kirche akzeptiere die Wichtigkeit der Evolutionstheorie Darwins.
Bahnen sich in Großbritannien jetzt ähnliche Auseinandersetzungen an, wie sie in den USA ausgetragen werden? Dort fordern fromme Christen schon seit Jahren die Verankerung der Schöpfungslehre - im Biologie-, nicht etwa im Religionsunterricht.
In den USA haben Sie damit wechselnden Erfolg. In Großbritannien besteht durchaus auch Potential aus Sicht der Kreationisten: Einer BBC-Umfrage zufolge glaubt nicht einmal jeder zweite Brite an die Evolution.
Für schöpfungsgläubige Eltern, deren Kinder das von "Truth in Science" verschickten Unterrichtsmaterial nicht erreicht, haben die Kreationisten ein anderes Angebot: Auf der organisationseigenen Homepage finden besorgte Eltern Rezensionen aller in Großbritannien gängigen Bio-Bücher - immer in Hinblick auf Kreationisten-Tauglichkeit bewertet.
smv
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