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24.03.2007
 

Austauschlog Thailand

Weiß um jeden Preis

In Thailand macht es Austauschschülerin Josephin Werner ihren Gasteltern nach und benutzt Babypuder als Make-up. Ganz wohl ist der 16-Jährigen nicht dabei, doch Josephin hat gelernt: Im Zweifel immer lächeln.

Ich habe mich geweigert, ehrlich, acht Wochen lang. Babypuder ist was für Kinderpopos, dachte ich. Aber als Make-up fürs Gesicht? In Thailand schwören die Menschen darauf: Meine Gasteltern, meine Gastbrüder, meine Gasttanten - alle pudern sich das Gesicht ein. Ich hatte gute Gründe, es nicht zu tun: Erstens bin ich ohnehin schon blass genug und zweitens bekomme ich von dem Zeug Pickel.

Letzte Woche habe ich doch nachgegeben: Ich habe mir Babypuder ins Gesicht geklatscht. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Höflichkeit. Ich wollte nicht länger die spaßfreie Deutsche geben, die sich fremden Bräuchen versperrt. Seither gehört der Babypuder zu meinem Alltag. Jeden Morgen pudere ich mein Gesicht ein. Ich empfinde das mittlerweile als tägliches Ritual.

Es ist schon verrückt. Wir Deutsche versuchen mit aller Macht, braun zu werden. Wir liegen stundenlang in der Sonne und pfeifen auf unsere Gesundheit, wir gehen ins Solarium und geben tatsächlich Geld für Bräunungsmittel aus.

Ganz anders in Thailand: Braunsein ist dort verpönt. Menschen mit brauner Haut werden verspottet. Man ruft sie Dtam, Schwarzer. Das thailändische Schönheitsideal ist ein komplett anderes als das deutsche. Es orientiert sich an Japan und Korea: Je heller die Haut, desto besser. Wer schick sein will, trägt Blässe. Babypuder ist deshalb ein beliebtes Mittel. Er kühlt die Haut - und vor allem lässt er sie weiß erscheinen.

Als ich meinen thailändischen Freunden erzählte, dass ich es liebe, in der Sonne zu liegen, und dass ich mir wünsche, braun zu werden, waren sie regelrecht entsetzt. Sie können das nicht verstehen. Wenn ich versuche einen Sonnenstrahl zu erhaschen, zerren sie mich in den Schatten. Neulich habe ich im Supermarkt nach einem Mittel gegen Pickel gesucht. Doch die einzige Creme, die es gab, war mit "Weiß-Mach-Faktor". Nach einem halben Jahr in Thailand ist mir klar: Braun werde ich hier wohl nicht mehr!

Die Menschen in Thailand achten sehr auf ihr Äußeres. Von der Sonne gebräunte Haut ist schlimm, aber noch schlimmer ist, zwei Kilo zu viel auf die Wage zu bringen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie diszipliniert und eisern meine Bekannten hier fasten. Im Zweifel geht Schönheit vor Gesundheit. Als ich zu Gast bei einer Freundin war, wurde ich mit Köstlichkeiten überhäuft. Es war mir unangenehm, denn meine Freundin und ihre Familie waren auf Diät. Während ich kaute, saß sie still daneben.

Ich habe gelernt, in solchen Momenten tapfer zu lächeln. Überhaupt kommt man mit Lächeln in Thailand sehr, sehr weit. Thailänder lächeln, um Hallo zu sagen; sie lächeln, wenn sie sich verabschieden; und wenn man nicht weiß, was man sagen soll: einfach lächeln.

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