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06.06.2007
 

Mission Europa

"Die nehmen den Sperrmüll mit"

Von Kai Kolwitz

Rumänen und Bulgaren? Das sind doch Erntehelfer und Autodiebe? "Völlig falsch!", sagt die Berliner Politikfabrik und schickt junge Reporter auf eine Anti-Klischee-Reise durch Osteuropa. Aber wer "EU-Checker" werden will, muss zunächst im Internet um Stimmen werben.

Autoklau, Bettler, korrupte Polizisten - und die Männer alle unrasiert. Seit dem 1. Januar sind Bulgarien und Rumänien Mitglieder der Europäischen Union; an den Vorurteilen hat das wenig geändert. Nach wie vor weiß kaum jemand etwas über das Leben und den Alltag in den beiden jüngsten EU-Staaten.

Rumänische Feier zum EU-Beitritt: Go East - junge EU-Checker erkunden das Land
AFP

Rumänische Feier zum EU-Beitritt: Go East - junge EU-Checker erkunden das Land

Das Bild von anderen europäischen Staaten wird stark durch Klischees geprägt. Doch das wird sich bald ändern - hofft man zumindest bei der Politikfabrik in Berlin. Die studentische Kommunikations-Agentur, die auch den "Wahl-o-Mat" erfand, hat das Projekt "EU-Checker" ins Leben gerufen: Vom 20. Juli an werden insgesamt 18 Jugendliche zwischen 16 und 28 Jahren zwei Wochen in die beiden neuen EU-Staaten ausschwärmen. Von ihren Erlebnissen berichten sie per Smartphone und Internet.

Noch bis Ende Juni läuft auf www.euchecker.de die Casting-Phase. 150 Bewerber haben ihre Profile bereits online gestellt und werben um die Gunst der User. Denn die dürfen abstimmen und entscheiden gemeinsam mit einer Fachjury darüber, wer am Ende als EU-Checker auf die Reise geht.

"Die größte rumänische Errungenschaft in unserem Haus sind die Halogenlampen in unserem Keller", schreibt auf der Website Oliver Biegner, 17-jähriger Schüler aus Weiler. "Im Herbst kommen die Erntehelfer und nehmen den Sperrmüll mit. Soll so für mich weiter Osteuropa aussehen?"

Yara Hoffmann, ebenfalls 17, aus Kappelrode, ergänzt: "Ich habe in der Schule in letzter Zeit zwar Europa durchgenommen, aber über Bulgarien und Rumänien so gut wie nichts erfahren. Ich würde total gerne die Länder und Leute für Euch und mich entdecken."

Nur für den Notfall eine Taskforce

Die Schirmherrschaft für die EU-Checker haben Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein rumänischer Kollege Adrian Cioroianu übernommen, die Kosten trägt unter anderem die Robert-Bosch-Stiftung. Die technische Umsetzung liegt in den Händen des Medienlabors Potsdam, das ebenfalls aus einem Uni-Projekt hervorging.

Ein ganz ähnliches Projekt hatten zehn Leipziger Studenten im Sommer 2004 gestartet: Eine Woche lang trampten sie kreuz und quer durch Osteuropa und berichteten über ihre Erlebnisse auf SPIEGEL ONLINE. Damit die Mission der EU-Checker nicht zum Blindflug wird, recherchieren die studentischen Macher schon seit Monaten in Rumänien und Bulgarien nach Themen. Lokale Besonderheiten und ein paar Sprachbrocken lernen die Teilnehmer auf einem Workshop.

Politikfabrik-Sprecherin Birgit Ulrich skizziert schon einmal ein paar mögliche Themen der Checker: "Es gibt in einer Stadt die Möglichkeit, für einen Tag in einer Jugendorganisation mitzuarbeiten, die sich um Straßenkinder kümmert. Es gibt Aktivisten gegen Korruption - und natürlich auch ganz normale Menschen", wie den Münchner, der nach seinem Philosophiestudium nach Rumänien gegangen ist und sich dort als Bio-Bauer angesiedelt hat. Welche Orte auf dem Reiseplan stehen, erfahren die Teams erst kurz vorher - auch darüber entscheiden die Besucher der Webseite.

"Eine Woche nach der Ankunft treffen sich die EU-Checker wieder an der Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien", sagt Birgit Ulrich. Bis dahin sind alle auf sich selbst gestellt, nur im Notfall kann eine Taskforce eingreifen, die per Kleinbus für die Politikfabrik ebenfalls in den beiden Ländern unterwegs ist.

Den Abschluss bildet dann eine große Party im rumänischen Sibiu, der Europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2007. Dort wird der beste EU-Checker gekürt – per Internet-Abstimmung. "Die Reise wird ein großes Abenteuer", freut sich Birgit Ulrich schon auf die Mission Europa. "Bei Youtube kann man ja sehen, dass nicht unbedingt derjenige mit den besten technischen Methoden gewinnt. Sondern der, der originell ist und sich was traut."

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