"Atomkraft? Nein danke" ist ein Klassiker unter den Ansteckern mit den vielen Sprüchen und Motiven. Wer Buttons an die Kleidung pinnt, möchte etwas mitteilen. Er will zum Beispiel zeigen, dass er Franz Ferdinand für die beste Band der Welt hält, einen Katzenklops namens Garfield toll findet - oder eine bestimmte Haltung vertritt.
Zwei Grundschüler aus New Jersey entschieden sich dafür, ein Bild der Hitlerjugend spazieren zu tragen. Damit wollen sie aber nicht zu erkennen geben, dass sie Nazis verehren - sie wollten gegen die Uniformen an ihrer Schule protestieren. Auf den Hitlerjugend-Buttons ist daher der Schriftzug "Keine Schuluniformen" zu lesen. Hakenkreuze sind keine abgebildet. Ein Amtsrichter entschied jetzt: Das geht in Ordnung.
Wie der Streit um die Hitler-Jugend-Buttons in Amerika begann, beschreibt die "New York Times" so: Im Herbst 2006 war der Schüler Michael DePinto elf Jahre alt und ging in die fünfte Klasse. Aus Protest gegen Schuluniformen bastelte er zusammen mit seiner Mutter Laura, 47, den Hitlerjugend-Anstecker. Nach einigen Wochen wurde er im November 2006 per Brief ermahnt, das Button-Tragen zu unterlassen, andernfalls werde er von der Schule fliegen.
Meinungsfreiheit lässt Schülern viel Raum
Daraufhin begann Anthony LaRocco, ein anderer Fünftklässler, ebenfalls, den Button zu tragen. Die Eltern der beiden Jungen, die auf verschiedene Schulen gehen, zogen vor Gericht: Sie sahen einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, die im ersten Zusatz zur US-Verfassung verankert ist.
Darauf halten amerikanische Gerichte traditionell große Stücke, auch bei krassen Meinungsäußerungen an Schulen: In einem Fall trug ein Schüler zum Beispiel ein T-Shirt mit einem Bush-Konterfei und der Aufschrift "International Terrorist". Ein anderer Schüler verspottete den Präsidenten mit einem T-Shirt, auf dem eine Karikatur von George W. Bush als Huhn, bedröhnt mit Alkohol und Koks, zu sehen war. Beide gewannen vor Gericht - die Meinungsfreiheit gestatte auch Bush-Bashing, so die Richter.
Beim Hitlerjugend-Button entschied US-Amtsrichter Joseph Greenaway ebenfalls zugunsten der beiden Schüler. "Ein Schüler darf nicht dafür bestraft werden, dass er seine Einstellung zur Schau trägt - außer wenn die Schule Grund hat zu glauben, dass die Rede oder die Meinungsdarstellung die Arbeit und Disziplin in der Schule erheblich und wesentlich stört", schrieb Greenaway in seiner 28 Seiten starken Urteilsbegründung. Und das sei bei den Hitlerjugend-Buttons nicht der Fall.
"Rassistische Bilder gehören nicht in die Grundschule"
Der Richter zitierte einen Fall aus Iowa im Jahr 1969: Damals entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Schülern sei das Tragen schwarzer Armbinden erlaubt, um damit gegen den Vietnam-Krieg zu demonstrieren. Der aktuelle Fall gestalte sich ganz ähnlich, so Greenaway.
Schulleiterin Patricia L. McGeehan zeigte sich über die Gerichtsentscheidung enttäuscht. Sie kündigte an, der Bezirk werde Rechtsmittel einlegen. Dieser Präzedensfall gelte nicht nur für eine einzige Schule. Vielmehr seien alle öffentlichen Schulen in New Jersey betroffen - all jene, die versuchten, ein vorbildliches Lernklima zu schaffen. Ein Klima, in dem Schüler und Mitarbeiter weder beleidigt noch angegriffen würden. "Bilder rassistischer oder ethnischer Intoleranz gehören nicht in eine Grundschule", sagte McGeehan.
Michael DePinto sagte, er habe nie jemanden beleidigen, sondern sich nur zur Angepasstheit und Gleichförmigkeit der Schuluniformen äußern wollen. "Es ist, als würde man jemandem ein Hakenkreuz aufzwängen", sagte er. "Genau das hat Hitler mit den deutschen Jugendlichen getan."
kat/AP
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