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04.12.2007
 

Spitzen-Unterricht

Wie Kanada zu seinem Schulwunder kam

Von Barbara Hans, Edmonton

Super bei Pisa, Spitze bei Iglu: In den großen Schulvergleichen ist stets Kanada ganz vorn. Dort sind die Unterrichtsmethoden oft unkonventionell - manche Klassen haben gleich vier Lehrer auf einmal. Ein Besuch im Pädagogen-Märchenland.

Wenn es schwierig wird in Klasse 1, dann muss Baby Thomas herhalten. Thomas ist inzwischen zwölf Wochen alt, jeden dritten Mittwoch liegt er auf einer giftgrünen Decke im Kreis der Schüler von Cindy Tetz. Die beugen sich über ihn, fassen seine Hände und Füße an und untersuchen, was Thomas seit seinem letzten Besuch gelernt hat. Kann er schon laufen? Sprechen? Wenigstens krabbeln?

Thomas ist das "Empathiebaby" der Erstklässler der Balwin School in Edmonton, Kanada. Jeden Mittwoch steht bei den Mädchen und Jungen Empathie auf dem Stundenplan. Die 22 Kinder haben eine Art Bedienungsanleitung für Baby Thomas geschrieben, die hängt jetzt an der Wand. Die linke Spalte der Tabelle beschreibt das Verhalten von Thomas, die rechte mögliche Ursachen dafür und was Thomas helfen könnte.

Der Direktor - Mischung aus Manager und Entertainer

Viele der Kinder aus der ersten Klasse haben jüngere Geschwister, sie sollen durch Thomas lernen, mit ihnen umzugehen und sich in andere Menschen einzufühlen. "Was meint ihr, wie sich Thomas fühlt, wenn ihr ihm weh tut und er sich nicht wehren kann?", fragt Lehrerin Tetz. Ein privater Verein ermöglicht, dass Empathie in Balwin auf dem Stundenplan steht, und kümmert sich um die Leihbabys. "Die Reaktionen der Kinder sind enorm: Sie sind weniger aggressiv und gewalttätig. Auch die hyperaktiven Schüler werden ruhiger, wenn Thomas in der Nähe ist", so Tetz.

Die Balwin-School liegt unauffällig, lang und flach an der 132 Avenue in einem der ärmeren Viertel von Edmonton, wo viele Alleinerziehende wohnen und es große Appartmentblöcke gibt. In Kanada steht das eigene Häuschen für Unabhängigkeit und Erfolg - aber die Balwin-Schüler wohnen in Appartments. Fast jeder zweite der 475 Schüler ist entweder kein englischer Muttersprachler oder hat "besondere Bedürfnisse" - ist geistig oder körperlich behindert oder braucht wegen anderer Krankheiten individuelle Förderung.

Rektor Dean Michailides, 44, ist ein unterhaltsamer Mann mit energischem Schritt. Wenn er über die Flure von Balwin geht, laufen Kinder auf ihn zu, klammern sich an seine Beine, fallen ihm um den Hals. Michailides kennt all ihre Namen. "Oh, ein Cowboy", sagt er zu einem properen Mädchen im Westernoutfit. Michailides ist kein gewöhnlicher Direktor, sondern eine Mischung aus Jungunternehmer und Entertainer. Er leitet keine Schule, er managt sie. "Diese Schule ist eine der besten in Kanada, helft mit, dass das auch so bleibt", steht als Mahnung auf einem gusseisernen Schild neben der Eingangstür.

Individuelle Förderung, Eltern als Verbündete

Plakate werben knallbunt und in riesigen Lettern für den Spaß am Lernen: "Believe you can achieve" ("glaub daran, dass du es schaffen kannst"). Oder "Success is impossible if you fail to try" (du kannst kannst keinen Erfolg haben, wenn du es nicht versuchst"). Am Elternbrett hängen Dutzende Angebote von Sprach- und Musikkursen; ein Schaubild mit Pfeilen und Kreisen erklärt, nach welchen Kriterien die Lehrer die Leistungen der Schüler bewerten.

An kanadischen Schulen versucht man, das Engagement der Mütter und Väter nicht auf den Milchdienst zu beschränken, sie nicht als nörgelnde Besserwisser zu begreifen, sondern als Verbündete bei der Erziehung ihrer Kinder. In Balwin stehen die Türen zu den Klassenzimmern offen, die Lehrer tragen Headsets wie die Moderatoren einer Fernsehshow. "Entscheidend ist nicht, wie viele Kinder in einer Klasse sitzen, sondern wer vor der Klasse steht", sagt Michailides. Das klingt gut. Fast zu gut, um wahr zu sein.

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29.01.2011 von natterngesicht:

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26.01.2011 von Piri:

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26.01.2011 von DanielaMund:

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