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Spitzen-Unterricht Wie Kanada zu seinem Schulwunder kam

2. Teil: Der kanadische Weg: Integrieren kann sich nur, wer eine Heimat hat

Kanadische Schulen sind Gesamtschulen: Schwache, begabte, geistig und körperlich behinderte Kinder werden gemeinsam unterrichtet, sollen aber individuell gefördert werden. Jeder Schüler bekommt einen maßgeschneiderten Lehrplan und im Idealfall die nötige Hilfe, um im Unterricht nicht den Faden zu verlieren. Erst Zehntklässler werden in den Hauptfächern in akademisch und praktisch ausgerichtete Gruppen geteilt. Doch das braucht viele Lehrer, und es verlangt ihnen viel ab.

Michailides kann sein Budget selbst verwalten, rund vier Millionen Dollar pro Jahr. Sind alle Gehälter, Licht- und Heizkosten bezahlt, bleiben etwa 100.000 Dollar, die der Rektor direkt in Aus- und Fortbildung seiner 35 Lehrer investieren kann. "Wir haben keinen Einfluss darauf, aus was für Familien die Kinder kommen, die Weiterbildung der Lehrer ist die einzige Sache, dir wir kontrollieren können."

Am 30. November blieb Balwin deshalb geschlossen: Am "professional development day" bespricht Michailides mit seinen Kollegen die pädagogischen Vorsätze für das kommende Jahr. Wer sich im Umgang mit Laptop, Beamer und Internet schult und sich auf den neuesten Stand der Hirnforschung bringt, um das Verhalten der Schüler besser zu verstehen, bekommt in Kanada mehr Gehalt. Und wer an keiner Fortbildung teilnimmt, ein Problem.

Mehr Verantwortung für die Schulen

Häppchenweise streut Michailides seine Philosophie ein, seinen Masterplan für das Unternehmen Schule. "Die Frage, die wir uns immer stellen müssen: Ist das, was wir tun, im Interesse des Kindes? Wer versucht hier, Gott zu spielen? Wenn wir alle zur gleichen Zeit an einer Linie los laufen, können wir dann alle zur gleichen Zeit ankommen? Können wir nicht."

Aziz sitzt an einem kleinen Tisch und strahlt. Eine reguläre deutsche Schule könnte er nicht besuchen. Aziz ist vier, kommt aus Kurdistan, spricht kein Englisch und leidet unter dem Downsyndrom. Jeden Morgen begleitet ihn seine Mutter, spielt mit ihm und den anderen Kindern der Vorschule. Sie beugen sich über ein Puppenhaus, stapeln buntes Plastikgeschirr, ein Sprachwirrwarr füllt den Raum. Die Mädchen und Jungen kommen aus dem Sudan, aus Somalia, aus Kurdistan - und sprechen in ihren Muttersprachen. Die Klasse hat vier Lehrerinnen, aber nur Lyndsey McDougall ist Kanadierin, ihre drei Kolleginnen stammen aus dem Sudan, Somalia, Kurdistan.

Eine Englischklasse also? Im Gegenteil. In einem Pilotprojekt versucht man in Balwin, die Kinder in ihrer Muttersprache an die Schule und das Lernen zu gewöhnen. "Wir wollen, dass die Kinder einen Bezug zur Schule haben, Routine bekommen, sich wohlfühlen, Spaß am Lernen haben und lernen, ihre eigene Kultur zu schätzen", sagt McDougall. Es ist ihre erste Stelle nach der Uni, ihr persönliches Pilotprojekt.

Kein Aussortieren, alle lernen gemeinsam

Integration bedeutet in Kanada nicht, die eigene Herkunft möglichst schnell hinter sich zu lassen. Im Gegenteil: Nur wer seine Muttersprache beherrscht, kann später gut Englisch sprechen - so die Erfahrung. Nur wer seine eigene Kultur schätzt, kann sich in der neuen zurechtfinden. Die Lehrer animieren die Eltern, zuhause mit den Kindern die Muttersprache zu sprechen, aber sie animieren ihre Schüler auch, gemeinsam mit den Vätern und Müttern englische Texte zu lesen.

"Age appropriate placement" (altersgemäße Einordnung) heißt das zweite Wundermittel der kanadischen Schulerziehung. Demnach kann nur gut lernen, wer die Chance hat, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in seinem Alter zu lernen. Kinder mit besonderen Bedürfnissen – in Deutschland heißen sie Problemkinder – werden nachmittags gefördert, verbringen aber den Schultag überwiegend in ihrer Klasse.

Speziell ausgebildete Lehrer helfen den Schülern im Rahmen des "Englisch als Zweitsprache"-Programms, möglichst schnell das Sprachniveau ihrer Altersgenossen zu erreichen. Kinder mit Downsyndrom oder Autismus machen mit den anderen Sport, gehen mit in den Musik- oder Kunstunterricht.

"Bildung und Erziehung drehen sich immer um Menschen. Wir müssen uns darum kümmern, wie wir Menschen aufrichten und nicht darum, wie wir sie zerstören. Schüler und Lehrer", sagt Michailides wieder einen seiner Kalenderblatt-Sätze und erwartet keine Erwiderung.

Aber Balwin ist ja auch eine Vorzeigeschule. Auch in Kanada.

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insgesamt 1799 Beiträge
_gimli_ 28.11.2007
Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin [...]
Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
Niobe 28.11.2007
Tja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was? Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter [...]
Zitat von _gimli_Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe.
Tja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was? Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter nehmen. Was eigentlich auch egal ist. Da steht ausser ein paar netten Liedchen und diversen Farben nichts weiter wichtiges drinne. Mich ärgert das. Das sind zwei verhunzte Jahre. Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
discipulus 28.11.2007
Werter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
Zitat von _gimli_... Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Grüße _gimli_
Werter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
discipulus 28.11.2007
Verehrte/r Poster/in, was verstehen Sie unter "Englisch beibringen"? Hoffentlich doch nicht banalen englischen Wortschatz, womöglich noch in der Form des Frontalunterrichts? Geht es Ihnen hier um Fach- oder [...]
Zitat von Niobe... Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
Verehrte/r Poster/in, was verstehen Sie unter "Englisch beibringen"? Hoffentlich doch nicht banalen englischen Wortschatz, womöglich noch in der Form des Frontalunterrichts? Geht es Ihnen hier um Fach- oder Methodenkompetenz? Bitte liefern Sie nähere Informationen.
ReneMarik 28.11.2007
Die Sortierung in der 4. Klasse kommt wirklich viel zu früh, gerade für uns Jungs. Meine Wenigkeit hatte z.b bis zur 7 Klasse sehr "durchschnittliche" Leistungen in der Schule. Eine 1 im Sport :) und der Rest alles [...]
Zitat von discipulusWerter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
Die Sortierung in der 4. Klasse kommt wirklich viel zu früh, gerade für uns Jungs. Meine Wenigkeit hatte z.b bis zur 7 Klasse sehr "durchschnittliche" Leistungen in der Schule. Eine 1 im Sport :) und der Rest alles Note 3 und Schlechter. "Klick" hatts bei mir erst ab Klasse 8 gemacht. Keine Ahnung warum aber meine Noten besserten sich merklich, ich hatte langsam eine Vorstellung von dem, was ich mal später als Beruf machen wollte usw. Im jetztigen System hätte ich maximal mittl.Reife oder den HS-Abschluß weil ich mit 10 Jahren schon auf die Verliererstrasse geschickt worden wäre. Mfg Rene´
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