Der wichtigste Osterfeiertag, sagt mein Gastvater, sei Karfreitag. Der sei als einziger Ostertag noch nicht kommerzialisiert worden. Wir werden in die Kirche gehen. Ich gebe zu: Das habe ich noch nie an einem Karfreitag gemacht.
Schoko-Osterhasen: In Australien eher selten
Hier in der Nähe von Portland im Südosten Australiens ist es heute 44 Grad warm. Ich entdecke bei meiner Gastfamilie nichts, was auch nur entfernt an Ostern in Deutschland erinnert. Oder doch: Wir haben Hühnereier im Kühlschrank. Mehr nicht.
Im Ort kommt nur sehr verhaltene Osterstimmung auf. Ein paar Geschäfte werden über die Feiertage geschlossen sein. Ich sehe keine Ostereier in den Bäumen baumeln, keine Hasenfiguren im Vorgarten sitzen. Vielleicht wohnen wir einfach zu weit draußen, als dass der Osterhase sich hierhin verirrt?
Stock, Lampe, Draufhauen: Australischer Artenschutz
Ja, das mit dem Osterhasen sei so eine Sache, erzählt man mir. Eigentlich sind die Australier auf langohrige Hoppler überhaupt nicht gut zu sprechen. Anfang des letzten Jahrhunderts, erzählen sie, machten Kaninchen sich zu Milliarden über den Kontinent her und brachten mal locker das Öko-Gleichgewicht in Gefahr. Sie galten als eine einzige Pest.
Das Bild des lieben netten Osterhasens, der die Kinder fröhlich beschenkt, war jedenfalls dahin. Die Invasion der Kaninchen führte auch zu anderen Problemen: Ein süßes kleines Tier namens "Bilby", so eine Mischung aus Känguru und Kaninchen, hatte plötzlich nichts mehr zu fressen. Die Kaninchen fraßen den Bilbys alles weg und drängten sie dorthin, wo es nicht mehr genügend Futter gab.
Ein halbes Jahrhundert lang guckten sich die Australier die Sache an, bauten Zäune, streuten und sprühten Unmengen von Gift aus. Einige Australier machten sich auch einen Spaß aus der Kaninchenjagd: Sie setzten sich auf die Ladeflächen ihrer Pick-Ups und kachelten nachts über die Felder. Dann liefen sie durchs Dunkel, in der einen Hand eine Taschenlampe, in der anderen einen Stock. Wer den Hoppler zuerst sah, durfte zuerst draufhauen und das Abendessen mit nach Hause nehmen.
Einen einprägsamen Namen hat das Ganze auch: "Bunny Bashing". Es ist allerdings langsam von der Bildfläche verschwunden, als die Kaninchenplage für den Menschen vorüber war. Den Bilby, zu deutsch: Kaninchennasenbeutler, bedrohen die Kaninchen allerdings immer noch.
Kollege Bilby verstaut die Eier
Ein Australier kam Anfang der siebziger Jahre auf die Idee, den zwar knuffigen, aber unterlegenen Tierchen zur Seite zu springen und machte den Bilby kurzerhand zum Oster-Tier. Total praktisch: Der Bilby hat einen Beutel vor dem Bauch, da können die Eier rein. Ein Teil der Erlöse aus dem "Easter Bilby"-Verkauf wird gespendet, um die Art zu erhalten.
Ein paar Ostereier aus Schokolade soll ich wohl doch bekommen, haben meine Gasteltern gesagt. Nur ein paar, so ein Bilby kann halt nicht viel tragen. Und versteckt werden sie auch nicht. Zumindest nicht jedes Jahr. Zum einen ist eine solch feste Tradition für Australier wohl zu einengend - zum anderen würden die Eier bei den aktuellen Temperaturen schmelzen, wenn ich sie nicht rechtzeitig fände.
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