Allons: Hadrien sattelt Camomille für die lange Reise
In den Urlaub fährt man nur gemeinsam, wenn man sich einer Freundschaft absolut sicher sein kann. Das weiß auch Hadrien Rabouin - und wählte als Begleiterin seine Lieblingskuh Camomille. "Das Nette an der Reise ist, dass wir zu zweit losgehen", sagte Abiturient aus dem Ort Valanjou im französischen Bezirk Maine-et-Loire. Der 17-Jährige und die Kuh starten am Freitag zum Selbsterfahrungstrip, alles zu Fuß und in trauter Zweisamkeit.
Während die Mehrzahl der Abiturienten in Frankreich wie in Deutschland an Europas Strände ausschwärmt und es in den Party-Hochburgen richtig krachen lässt, hat Hadrien etwas ganz anderes im Sinn. Die Kuh werde es ihm "erleichtern, mit den Leuten in Kontakt zu kommen", hofft der junge Franzose. Seine getreue Camomille soll ihm auf der Reise aber auch das Gepäck tragen.
Schlafen will Hadrien im Zelt neben seiner Lieblingskuh oder bei Leuten, die auf die beiden aufmerksam werden und ihn einladen. "Ich bevorzuge das Abenteuer", sagt Hadrien. Auf seinem Speiseplan steht das gleiche wie bei seiner wiederkäuenden Freundin. Er esse seit drei Jahren Pflanzen vom Wegesrand, und kenne die nun so langsam, sagte der Abiturient.
1200 Kilometer weit will er mit Camomille durch Frankreich wandern, vier Monate lang und nicht mehr als 20 Kilometer täglich. Hadriens Eltern betreiben einen Biobauernhof im Westen Frankreichs. Dort hat sich Hadrien die Kuh Camomille schon vor einem knappen Jahr als Reisepartnerin ausgeguckt. Seitdem habe er der 18 Monate alten Kuh der Rasse Charolais auf Übungsmärschen beigebracht, die Vorräte zu tragen und brav neben ihm herzugehen. Camomille habe durchaus "ihren eigenen Charakter", sagt er.
Der Kuh-Trip soll mehr sein als ein schräger Urlaub
Die Reise soll für Hadrien mehr werden als bloßer Urlaub. Der Junge denkt über die Zeit nach der Schule nach und überlegt, eine Handwerksberuf zu ergreifen. Darum will er unter anderem eine Schmiede und eine Bio-Bäckerei besuchen, aber auch einige Tage bei einem Philosophen wohnen.
Ermöglicht hat ihm die Reise auch ein Stipendium der Pariser Zellidja-Stiftung, berichtet der französische Internetdienst maville.com. Die Stiftung wurde 1948 gegründet und vergibt jährlich 1000 Euro Reisegeld an Jugendliche im Altern von 16 bis 20 Jahren. Sie diente als Vorbild für die deutsche Zis-Stiftung, die Jugendliche mit 600 Euro auf Reisen schickt.
Bedingung der Zellidja-Stiftung ist ein Reiseplan, in dem Zweck und Kosten des Trips angegeben sind. Normalerweise müssen die Jugendlichen allein reisen, um sich für das Fördergeld zu qualifizieren. Bei Kühen macht die Stiftung aber offenbar eine Ausnahme.
cht/AFP
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