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22.08.2008
 

Prügelstrafe

200.000 US-Schüler werden geschlagen

In fast der Hälfte der US-Staaten dürfen Lehrer ihre Schüler schlagen. Und sie tun es auch, am liebsten mit Holzpaddeln aufs Gesäß. Eine neue Studie verzeichnet 200.000 Fälle jährlich, meist in den Südstaaten. Verdroschen werden vor allem schwarze Kinder.

Die Prügelstrafe gibt's nicht mehr? Im Süden der USA schon. Besonders zur Mittagszeit herrscht bei manchen Schulleitern Hochbetrieb. In ihren Vorzimmern sitzen reihenweise Jugendliche, die meisten von ihnen schwarz - und warten auf ihre Strafe. Sie haben heimlich geraucht, sich geküsst, standen während des Unterrichts unerlaubt im Gang herum, haben Kaugummi gekaut oder den Unterricht gestört.

Prügelstrafe: In Deutschland ein Fall fürs Museum, in den USA noch Alltag
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DPA

Prügelstrafe: In Deutschland ein Fall fürs Museum, in den USA noch Alltag

Im Regelfall lautet das Urteil des Schulleiters: Nachsitzen! Eine Stunde, zwei Stunden. Wer nach dem Unterricht schnell weg muss, hat Pech gehabt - dann kann es Prügel setzen. An vielen Schulen im sogenannten "Bible Belt" ist es üblich, dass Lehrer ihre Schüler schlagen.

Mehr als 200.000 Kinder und Jugendliche seien im Schuljahr 2006/2007 in staatlichen US-Schulen geschlagen worden, schreiben die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und American Civil Liberties Union (ACLU) in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Als Quelle für diese Zahl wird das "Office for Civil Rights" beim US-Bildungsministerium angegeben. Die geschlagenen Schüler waren zwischen 3 und 19 Jahren alt, so die Untersuchung. Sie basiert auf einer vierwöchigen Recherche in den Staaten Mississippi und Texas, bei der 181 Interviews mit Kindern, Lehrern, Eltern und Schul-Offiziellen geführt wurden.

"Paddeln" als Erziehungsmethode

Die Studie zeigt, dass Kinder zum Teil bis an die Grenze einer gefährlichen Verletzung geprügelt werden. Bei Verstößen gegen die Schulordnung züchtigen die Lehrer - oder wenn sie finden, dass sich die Schüler nicht angemessen verhalten haben. Jede Form von disobedient behaviour (Ungehorsam) kann Prügel nach sich ziehen.

Prügelstrafe: Verbreitet vor allem "Bible Belt" des Südens
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Human Rights Watch

Prügelstrafe: Verbreitet vor allem "Bible Belt" des Südens

Eine im Süden der USA noch heute weit verbreitete Züchtigungsmethode ist das sogenannte "Paddeln": Dabei schlägt der Lehrer mit einer Art Holzpaddel in der Größe eines Tennisschlägers zu, meist auf das Gesäß des Schülers.

In 21 von 50 US-Staaten ist es nach wie vor erlaubt, dass Lehrer zur Strafe schlagen, in 13 Staaten sollen mehr als tausend Schüler im Schuljahr geschlagen worden sein. Die negative Rangliste führt mit fast 50.000 gemeldeten Fällen Texas an, gefolgt von Mississippi mit knapp 40.000 Fällen und Alabama (33.700). Geht es nach der Prozentzahl von Schülern, die geschlagen werden, ist Mississippi am schlechtesten dran: Dort werden etwa 7.5 Prozent der Schüler geschlagen.

In den Staaten, in denen das "Paddling" verbreitet ist, traf es doppelt so häufig schwarze wie weiße Mädchen. Jungs werden dreimal so häufig geschlagen wie Mädchen; bei Kindern indianischer Herkunft langten Lehrer ebenfalls besonders häufig zu.

"Eine Form von Sklaverei"

Die Studie dokumentiert auch Fälle, bei denen Kinder durch Prügel schwere Verletzungen erlitten. Es seien auch Jungen und Mädchen mit geistigen und körperlichen Schwächen geschlagen worden.

"Für mich sind die körperlichen Strafen eine Form von Sklaverei", zitiert die Studie Doreen W., Mitglied der Schulbehörde in einer Stadt im Mississippi-Delta. "Die Sklaven zu schlagen, war für ihre Besitzer eine Art, sie zum Arbeiten zu bringen. Man muss an die geistige Verfassung denken, die wir mit dieser Art von Behandlung bei den Kindern erzeugen. Wir sagen ihnen damit, dass wir sie nicht respektieren. Sie verlassen das Zimmer des Schulleiters und denken: 'Sie halten mich nicht für einen Menschen'. So ein junger Mensch verliert den Respekt vor sich selbst."

Human Rights Watch und die ACLU fordern nun ein landesweites Verbot der Prügelstrafe in den USA. Nachsitzen oder pädagogische Unterstützung seien bessere Maßnahmen, um Schüler zu disziplinieren. "Jede Schule benötigt effektive Methoden, um den Schülern Disziplin beizubringen", sagte Alice Famer, Autorin der Studie. Würden Kinder jedoch geschlagen, brächten Lehrer ihnen gewalttätiges Verhalten bei und verhinderten damit keine künftigen Regelverstöße.

maf, sem/AP

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