Samstag, 21. November 2009

SchulSPIEGEL



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14.01.2009
 

Raus aus Deutschland

Einmal weltwärts und zurück

Dieses Programm macht junge Menschen zu Herumtreibern - zu hilfsbereiten: Mit "Weltwärts" arbeiten 18- bis 28-Jährige für ein halbes Jahr zum Beispiel in Mexiko, Guatemala oder Indien. 2000 Jugendliche schickte die Bundesregierung schon auf Reisen, Zehntausende sollen folgen.

Irgendwie sieht Deutschland für Denise Villis, 22, anders aus, seit sie im Ausland war. Ein halbes Jahr lang lebte sie als Entwicklungshelferin in Tapachula, einer 500.000-Einwohner-Stadt im Süden von Mexiko, gleich an der Grenze zu Guatemala. "Dann kam ich zurück, es war so eng. Die Häuser waren hoch. Und alles war sauber, klar und strukturiert."

"Weltwärts": Ab ins Ausland, aber subito
TMN

"Weltwärts": Ab ins Ausland, aber subito

Noch etwas hat die junge Frau aus Bielefeld festgestellt, wenn sie ihre Landsleute mit den Mexikanern vergleicht: "Hier redet man vor allem mit Leuten, die man kennt. Und hat Angst vor den anderen."

Solche und ähnliche Erfahrungen haben in den letzten Monaten viele junge Deutsche gemacht. Bereits mehr als 2100 Bundesbürger zwischen 18 und 28 Jahren haben sich an einem Freiwilligen-Projekt namens "Weltwärts" beteiligt, das Anfang 2008 das Entwicklungsministerium startete. Die meisten gingen gleich nach dem Abitur oder während des Studiums in Länder wie Mexiko, Indien oder die Dominikanische Republik. Aber auch 200 junge Leute mit Hauptschul-Abschluss waren dabei.

Praktische Arbeit im Ausland

Mindestens ein halbes Jahr dauern die Einsätze fern der Heimat. Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zahlt an die Entsendeorganisation 580 Euro pro Teilnehmer und Monat. In den meisten Ländern reicht das aus, um Unterkunft, Verpflegung, Reisekosten und Versicherung zu decken; zusätzlich erhalten die Teilnehmer ein Taschengeld von mindestens 100 Euro monatlich. Nur wenige kamen vorzeitig zurück.

Später einmal, so die Planung, sollen mit "Weltwärts" jedes Jahr 10.000 junge Deutsche unterwegs sein. Bewerbungen gibt es bereits genug. Aus dem Entwicklungs-Etat stehen dafür bis zu 70 Millionen Euro zur Verfügung. "Der Dienst darf nicht vom Geldbeutel der Familien abhängen", sagt Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Unter den Teilnehmern sind viele, denen es nicht reicht, nur bei globalisierungskritischen Demonstrationen auf der Straße dabei zu sein. Sie wollen - wie Denise Villis - praktische Arbeit leisten. Die Bielefelderin kümmerte sich in der "Albergue Buen Pastor del Pobre y el Migrante" um Flüchtlinge aus Guatemala, die auf dem Weg in die USA bereits an der Grenze zu Mexiko gestrandet waren. "Als ich zurück kam, war ich zufriedener" als vor dem Abflug, sagte sie.

"Als Freiwilliger profitiert man mehr als die Leute vor Ort"

Auch Laurin Vierrath, 20, der ein halbes Jahr in einem Armenviertel in der Dominikanischen Republik arbeitete, kam verändert zurück. "Man kann nicht allein die Welt retten", sagt der Berliner. "Aber als Freiwilliger profitiert man von der Zeit enorm. Vielleicht mehr als die Leute vor Ort."

Das Projekt, das im ersten Jahr 15 Millionen Euro kostete, soll soziale und kulturelle Kompetenzen bei jungen Leuten fördern. Zum Dienst gehörte für die ersten Heimkehrer des "weltwärts"- Programms aber auch, immer wieder über Deutschland Auskunft zu geben - über den FC Bayern, über Mercedes und BMW, immer wieder auch auf die Frage, wie das damals mit Adolf Hitler war. "In Mexiko gibt es gerade viele junge Leute, die ein völlig verqueres Bild von der deutschen Vergangenheit haben", sagt Denise Villis. Einiges konnte sie geraderücken. Auch dafür hat sich die Entwicklungshilfe gelohnt.

Christoph Sator, dpa

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