Den täglichen Kleinkrieg, den Tom und Shelli Milley mit ihren Kindern Spencer, elf, und Brittany, zehn, ausfochten, kennen alle Eltern: Nach der Schule durften die Kinder erst einmal Sport machen oder musizieren, alles, was Kindern Spaß macht - und danach wartete die schulische Pflicht. Hausaufgaben.
Doch im Fall der Milleys aus Calgary hatten nicht allein die Kinder keine Lust mehr darauf. Die Eltern waren es leid, ihre Kinder Tag für Tag in einem mühsamen Procedere dazu zu bringen, ihre Hausaufgaben zu erledigen.
"Es war jeden Abend ein Kampf", sagte Shelli Milley der kanadischen Zeitung "Globe and Mail". "Es ist hart, ein weinendes Kind dazu zu bringen, Matheaufgaben zu lösen. Die Kinder sind müde, sie sollten nicht eine zweite Schicht arbeiten müssen." Zumal die Aufgaben doch zu großen Teilen unsinnig seien: Malen nach Zahlen für den Französischunterricht oder aus Magazinen Artikel ausschneiden.
Täglich lesen und musizieren - aber bloß keine Hausaufgaben!
Vor zwei Jahren begann Shelli deshalb, sich schlau zu machen, ob denn Hausaufgaben ihre Kinder überhaupt schlauer machen. Und siehe da: Die meisten Studien kamen zum Ergebnis, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen Hausaufgaben und der allgemeinen Leistung an der Schule gebe.
Shelli gründete an der Schule ihrer Kinder ein "Hausaufgaben-Komitee" - das änderte nichts. Doch Shelli und Tom Milley wollten nicht aufgeben. Die beiden Juristen schmiedeten einen Plan: nämlich einen "differenzierten Hausaufgabenplan".
So betitelten sie einen Vertrag, der die Pflichten ihrer Kinder regeln sollte. Die Schüler müssen demnach vorbereitet zum Unterricht erscheinen. Sie müssen Lehrer in der Schule um Hilfe bitten, wenn sie nicht mehr mitkommen. Sie müssen "die Unterrichtszeit effizient nutzen", täglich lesen und mit einem Musikinstrument üben. Unter den insgesamt neun Pflichten steht freilich nicht, dass sie alle Hausaufgaben machen müssen, die ihnen aufgetragen werden.
"Hey, super, dann geh raus spielen!"
Die Lehrer verpflichten sich, dass Hausaufgaben nicht zur Benotung herangezogen werden und dass sie nur die Arbeit der Kinder bewerten, die im Unterricht geleistet wurde. Denn erst dann würde die Benotung der Schüler auf derselben Grundlage erfolgen. Die Eltern wiederum erklären im Vertrag, sie würden ihre Kinder dabei unterstützen, sich auf Tests vorzubereiten und ihnen in Absprache mit den Lehrern in den Bereichen helfen, in denen sie schwach sind.
Zwei Jahre verhandelten die Milleys mit den Lehrern und dem Schulleiter. Zwei Jahre kämpften sie dafür, dass für Spencer und Brittany der Traum aller Kinder in Erfüllung geht: nie wieder Hausaufgaben. Am Ende hat der Lehrer unterschrieben und der Schulleiter zugestimmt.
Die Abende der Milleys sind nun entspannter. Tom Milley sagte, er frage seinen Sohn Spencer nun immer, ob er alles verstanden habe in der Schule. "Ist das der Fall, sage ich: 'Hey, super, dann geh raus spielen!'."
bim
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