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08.01.2010
 

The Wunderkind

Cambridge ködert 14-jähriges Mathegenie

Die Briten sind baff: Schon mit fünf Jahren schaffte Arran Fernandez Prüfungen, an denen manche Teenager verzweifeln. Jetzt ist er 14, hat die Schule beinah hinter sich - und könnte einer der jüngsten Studenten aller Zeiten in Cambridge werden. Die edle Uni ist von Arrans Mathetalent überzeugt.


Es war vor sechs Jahren, als Arran Fernandez Reportern seine Berufswünsche erläuterte: "Mathematiker, Lastwagenfahrer oder Weltraumforscher". Da war Arran acht Jahre alt - und hatte gerade als jüngster britischer Schüler die Mittelstufe abgeschlossen. Mit einer Eins Plus. Nun ist Arran 14, hat das britische Abitur fast in der Tasche und dürfte die Sache mit den Lastwagen mittlerweile aufgegeben haben.

Denn Arran erreichte in seiner Heimat Surrey jüngst ein Brief, der ihn, "The Wunderkind", zur Legende machen könnte: Die noble Universität von Cambridge hat dem Jungen einen Mathematik-Studienplatz an ihrem Fitzwilliam College angeboten. Voraussetzung: Arran muss die letzte noch ausstehende A-Level-Prüfung, die dem Abitur ähnlich ist, bestehen. Zwei Schulprüfungen in Mathe hat Arran bereits hinter sich, es fehlt noch Physik.

Die Aufnahmeprüfung der Universität hatte Arran bereits im Sommer bestanden. "Wir haben uns entschieden, Arran unter dieser Bedingung einen Studienplatz anzubieten, nachdem wir seine Bewerbung sehr genau geprüft haben, wie wir es bei allen Bewerbern machen: ohne den Werdegang zu beachten", sagte Professor David Cardwell, der Arran unterrichten würde. "Das College würde sich freuen, Arran zu helfen, sein beachtliches akademisches Potential zu entwickeln und zu verwirklichen."

Eine Ikone der Homeschooling-Freunde

"Mathe war schon immer mein Lieblingsfach", sagte Arran. Er machte 2001 erstmals Schlagzeilen, als er mit fünf Jahren eine Prüfung des sogenannten General Certificate of Secondary Education bestanden hatte, vergleichbar mit dem Realschulabschluss. Bald darauf war er damals mit seinem Vater Neil unter anderem bei Frank Elstners Fernsehshow "Menschen der Woche" zu Gast.

Nach Angaben von Neil Fernandez könnte Arran nun der jüngste Student von Cambridge seit William Pitt dem Jüngeren sein, der im Jahr 1773 mit 14 Jahren sein Studium begann - und später Premierminister von Großbritannien wurde. Ein Sprecher der Universität sagte der Zeitung "The Guardian" allerdings, er sei nicht sicher, ob Pitt's Rekord gebrochen würde. Schließlich wäre Arren 15, wenn er sein Studium im Oktober 2010 aufnehmen sollte. Zuletzt war 1998 ein Junge namens Alexander Faludy im selben Alter ins Cambridge-Studium gestartet.

Ob Rekord oder nicht: Für die Verfechter des Homeschooling, des Rechts von Eltern, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, ist Arran längst eine Art Ikone. Er besuchte nur kurz eine Schule - sein Vater, ein Doktor für Politische Ökonomie, der selbst mehrere Klassen übersprungen und frühzeitig seinen Abschluss gemacht hatte, ist seither sein einziger Lehrer. "Ich mag es, zu Hause unterrichtet zu werden, weil ich mich dort besser mit den Dingen befassen kann", meint Arran. Während in Deutschland Eltern per Gesetz verpflichtet sind, ihre Kinder in die Schule zu schicken, ist der Heimunterricht in England erlaubt.

Arrans Ziel: Ein uraltes Matherätsel lösen

"Eltern, nicht die Schule, sind die besten Lehrer für ihre Kinder", hatte Vater Neil Fernandez gesagt, nachdem sein Sprössling 2003 die Mittelstufe mit Bravour abgeschlossen hatte. Er glaube, "dass jedes Kind diese Leistung erbringen könnte, wenn es die richtige Unterstützung bekommt". Im herkömmlichen Unterricht seien die Schüler mit Gleichaltrigen zusammen, was sie in ihrer Entwicklung bremse.

Mit Aussagen wie diesen brachte er sich und seinem Junior jedoch allerhand Kritik ein: "The Guardian" führte damals Arran und seine Familie ausdrücklich als Negativbeispiel für überambitionierte Eltern an. Die Zeitung zitierte einen Psychiater, der überzeugt ist, dass "manche der so genannten Wunderkinder nichts anderes sind als das Produkt ihrer höchst ehrgeizigen Eltern". Wenn man einen Siebenjährigen in einem Fach so viel lernen lasse wie einen 19-Jährigen, dann könne es gut sein, dass das Kind in diesem Gebiet auch die Leistung eines 19-Jährigen erbringe.

Arran gibt sich derweil vorfreudig: "Es wäre schön, in Cambridge zu arbeiten", sagte er. Es gebe ein paar Dinge, die er bearbeiten wolle, "zum Beispiel würde ich gerne die Riemannsche Vermutung lösen". Die Hypothese des deutschen Mathematikers Bernhard Riemann (1826-1866) bezieht sich auf die Verteilung der Primzahlen - und beschäftigt seit über 150 Jahren die größten Mathematiker der Welt.

bim

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