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18.01.2010
 

Rappende Zen-Mönche

"Yeah, ich rede über Buddha, yo"

Unter Japans Jugendlichen gilt der Buddhismus nicht unbedingt als cool. Wo der Nachwuchs ausbleibt, werden Mönche kreativ: Targai alias Mister Happiness rappt über Buddha, sein "kosmisches Idol", andere singen Sutren in der Kneipe oder verkleiden sich als Manga-Helden.


Ein Mönch als cooler Rapper, Gottheiten als Comic-Helden und Sutren-Gesänge beim Feierabendbier - um für ihren alten Glauben neuen Zulauf zu erhalten, lassen sich buddhistische Mönche in Japan einiges einfallen. Da in der Konsumgesellschaft eine Generation heranwächst, die ihr Seelenheil statt in Gebeten lieber im Shopping sucht, greifen die Anhänger Buddhas zu unorthodoxen Methoden. Zwar ist der Buddhismus mit 75.000 Tempeln und 20.000 Mönchen noch immer Japans Hauptreligion, doch Hunderte der Pagodenbauten sind bereits stillgelegt.

Mister Happiness hält in einer Hand Gebetsperlen, in der anderen ein Mikrofon. Unter den Augen einer Buddha-Statue beginnt der Mönch, der im richtigen Leben Kansho Tagai heißt, zu den Klängen seines Ghettoblasters zu rappen. Aus dem modernen Japanisch übersetzt hört sich das etwa so an: "Dies ist eine Geschichte aus alter Zeit, über mein kosmisches Idol, das in meinen Träumen weilt, über wen rede ich, Kumpel? Yeah, ich rede über Buddha, yo."

Tagai lässt sich für die Texte von alten Sanskrit-Lehrsätzen über Barmherzigkeit, Schmerzen und Leid inspirieren. "Es war sehr kontrovers, als ich damit begonnen habe. Aber meiner Meinung nach muss ein Mönch die Lehren auf verschiedenen Wegen verbreiten", sagt er. "Mit einer 2500-jährigen Geschichte sollten wir imstande sein, den Buddhismus jeder Epoche anzupassen. Er hat die Kraft, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, aber die Mönche müssen näher an die Leute rangehen." Den 400 Jahre alten Kyouyoji-Tempel preist er als "Herz-Klinik" an.

Tempel mit Internetpräsenz

Im Ryohoji-Tempel in einem Vorort von Tokio strömten im November Hunderte von Menschen zum Herbstfest. Die Organisatoren hatten mit Manga-Comicfiguren und Cosplay geworben, einer Art Kostümspiel, bei dem Film- und Comicstars dargestellt werden. Aufgedonnerte Mädchen, die normalerweise eher in den Manga-Bars von Tokio zu finden sind, trugen in dem Tempel aus dem 16. Jahrhundert flauschige Katzenohren zur Schau. Benzaiten, die Göttin von Weisheit, Musik und Kunst, grüßte als rehäugige Comicfigur von einem Schild.

Besucher konnten kurze Handy-Videos herunterladen, auf denen der Abt Shoko Nakazato Choräle singt. "Ich bin auf diesen Tempel übers Internet aufmerksam geworden", sagt Programmierer Mitsutaka Adachi, 26. "Ich war ein bisschen überrascht über die Aktionen, aber es macht Spaß. Vielleicht motiviert es die Leute, hierherzukommen."

Im Tsukiji Honganji-Tempel schritten Mönche und Nonnen zu HipHop-Klängen über einen Laufsteg und präsentierten eine farbenprächtige Kollektion namens Tokio Bouz (Mönch). Der kahlgeschorene HipHopper und Mönch Kaku Aoe organisiert monatliche Dinner im Dunkeln, wo Gäste mit verbundenen Augen die Speisefolge erraten müssen. Gleichzeitig sollen sie eine Ahnung vom Leben hinter Klostermauern bekommen.

Hogen Natori bringt die Botschaft Buddhas in die Bars, wo sich Büroleute zum Feierabendbier treffen. Zwischen Cocktails und Bier gibt der Geistliche bei Kerzenschein Choräle zum Besten. "Die japanische Jugend hat sehr wenig Gelegenheit, mit dem Buddhismus in Berührung zu kommen", sagt er. "Sie finden Mönche langweilig, glauben, dass sie nur in ihren Tempeln sitzen." Seine Ausflüge ins Tokioter Nachtleben sollen dies ändern. "Wir müssen die Leute anleiten, wie sie leben sollen", sagt er. "Aber wir müssen die Mönche auch spaßiger machen. Wenn die Leute nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen raus, wie ein Lieferdienst."

Von Kimiko de Freytas-Tamura, AFP

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