Abschlussfeier extrem: Mehr Status Wagen

Luxusauto-Parade: Auf heißen Reifen zur Abschlussfeier Fotos
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Sie wohnen in Sozialbauten, aber an einem Tag im Jahr spielen sie Upperclass: Schüler in Londons Osten leihen sich für ihre Abschlussfeier Ferraris, Porsches, Lamborghinis. Ein großer Spaß in maximal sinnlosen Protzkarossen.

Wer hier wohnt, hat wenig Geld, so ist das oft im Osten Londons, im Viertel Tower Hamlets. Doch die hiesigen Jugendlichen scheuen keine Kosten, um beim Schulabschluss gut dazustehen - oder besser: pompös rumzufahren. Sie mieten Lamborghinis, Ferraris und Bentleys, in denen sie sich durchs Viertel chauffieren lassen.

Ein paar Stunden in diesen Luxuskarossen kann die Teenager in etwa so viel kosten wie die monatliche Miete der elterlichen Wohnung. "Im Grunde ist das Angeberei", sagt Foyzur Rahman, 16. Der Schüler der Swanlea Schule feiert das Ende seiner Schulpflicht vier Tage lang mit einem Audi S4. Die Rechnung von 465 Euro teilt er sich mit einem Freund. "Wir protzen mit dem Auto, jeder schaut uns nach. Es ist, als stünden wir im Scheinwerferlicht", sagt Rahman.

"Jedes Jahr fühle ich mit den Absolventen und bin aufgeregt", sagt Ibrahim Hussein, der im letzten Jahr diesen Schritt ins Erwachsenenleben gemacht hat. Jetzt arbeitet er im Autoverleih seines Bruders. "Einige Leute wollen nicht so viel Geld ausgeben, auch das muss man verstehen. Vielleicht sind ihre Eltern arbeitslos", erklärt Hussein. "Aber viele sind einfach verrückt nach den Luxuskisten und legen dafür viel Geld zurück."

"Einfach dabeisein, weil du ein Auto hast"

Im Viertel Tower Hamlets wohnt die größte bangladeschische Gemeinde Großbritanniens. Die Eltern vieler Jugendlicher, die an der protzigen Autoparade teilnehmen, stammen aus dem asiatischen Land. Die Tradition gibt es seit mittlerweile 15 Jahren. Alles habe damit begonnen, dass sich die Jugendlichen Limousinen mit Chauffeur bestellten, sagt Sozialarbeiter Abdul Hasnath. Früher sei das nur ein kleiner Spaß zum Abschluss gewesen, heute sei das Cruisen mit den dicken Schlitten wichtiger als jeder Feiertag.

Die Autos mögen protziger sein denn je, ein Problem haben die Teenager noch immer: Sie selbst dürfen nicht ans Steuer. Darum lassen sich die meisten von Verwandten oder von einem gemieteten Chauffeur herumkutschieren. Später wechseln viele vom Sportwagen in Kleinbusse, die sie sich mit Freunden teilen, um zu HipHop weiter durch die Nacht zu fahren.

Für viele Eltern in Tower Hamlets ist das Luxusauto zur Abschlussfeier allerdings ein zu teurer Spaß. Stephan Bolompa etwa holte sich bei seinen Eltern eine Abfuhr, als er ihnen vom Preis seines Wunschmietwagens erzählte. Seine Poser-Fahrt bekam er trotzdem, dank der Mutter eines Freundes, die leihweise und kostenlos einen Jeep mit Sportfahrwerk organisieren konnte. Für Stephan eine wichtige Sache: "Einfach dabeigewesen zu sein, weil du ein Auto hast, das ist ein tolles Gefühl."

otr/cpa/cht/Reuters

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insgesamt 83 Beiträge
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1. Selbst verdientes Geld?
zensorsliebling 23.07.2013
Mit selbst verdientem Geld wäre es OK. Mit dem Geld der Eltern oder gar auf Pump ein furioser Start ins Prekariat. Ein Leben über den Verhältnissen mit schnellem Konsum von dem nichts als Schulden bleiben schmeichelt nicht gerade der Intelligenz der Absolventen.
2.
SpitzensteuersatzZahler 23.07.2013
Zitat von sysopREUTERSSie wohnen in Sozialbauten, aber an einen Tag im Jahr spielen sie Upperclass: Schüler in Londons Osten leihen sich für ihre Abschlussfeier Ferraris, Porsches, Lamborghinis. Ein großer Spaß in maximal sinnlosen Protzkarossen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/abschlussfeier-mit-luxusautos-londoner-schueler-geben-an-a-912395.html
Schade, dass Menschen ohne Geld sich scheinbar minderwertig fühlen und das auf diese Art kompensieren wollen. Dabei kommt es auf so viel mehr an und fast alles kann man auch ohne Geld haben. Bzw. ist ohne Geld fast noch leichter realisierbar.
3. Yeaaaah
h3ld 23.07.2013
Habe grade den mega Lachflash, wenn ich mir vorstelle, wie sie einen Tag auf ganz cool und reich tun, dann im Leben nichts erreichen und die die sich kein großes Auto geleistet haben nachher im eignen Ferrari an ihnen vorbei fahren :D
4.
Flying Rain 23.07.2013
Und da denkt einer wir hätten Probleme
5. Tradition
rennflosse 23.07.2013
Zitat von SpitzensteuersatzZahlerSchade, dass Menschen ohne Geld sich scheinbar minderwertig fühlen und das auf diese Art kompensieren wollen. Dabei kommt es auf so viel mehr an und fast alles kann man auch ohne Geld haben. Bzw. ist ohne Geld fast noch leichter realisierbar.
Das stimmt so nicht. BESITZ war schon immer maßgebend für den Status des Menschen. Zumindest seit der Status der Herkunft an Bedeutung verlor. Waren es zuerst nur die Adligen, die sich große Besitztümer leisten konnten, so zogen später gewöhnliche Bürger nach, die zu viel Geld gekommen waren. Doch immer ging es um das eigene Schloss, die edlen Pferde, die Kutschen, usw. An die Stelle der Pferde sind nun die Autos getreten. War ein Automobil angangs überhaupt nur für Reiche erschwinglich, so trat nach der Verbreitung preisgünstiger Volkswagen für alle eine Abstufung ein zwischen gewöhnlichen Autos und luxeriösen Superschlitten, die sich eben nicht jeder leisten konnte. Die Definition des eigenen Status und seine temporäre Aufwertung durch ein Auto, das funktioniert auch heute noch. Ob es sich jemals ändern wird, ist die Frage. Ich nehme an, dass eines Tages der Besitz eines Elektroautos à la Tesla für den Status maßgebend sein wird, denn auch er ist so teuer, dass nur Reiche ihn erwerben können. Der Pöbel fährt dann mit Benzin oder Gas.
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