Austausch-Log Frankreich: Bienvenue, Caroline
Noch nie war Caroline Körner, 15, länger als eine Woche allein fort. Doch nun wagt sie das Austausch-Abenteuer Frankreich. Vorher feiert sie noch eine letzte große Party, skypet mit ihrer Gastfamilie und bekommt ein bisschen Angst.
Ich hasse es zu warten. Darum kam es mir auch wie eine Ewigkeit vor, bis der Brief meiner Austauschorganisation auf dem Küchentisch lag. Meine Eltern konnten es gar nicht mehr aushalten und hatten ihn schon geöffnet. Dort stand: "Bitte denke daran, dass Du ein vollwertiges Familienmitglied sein wirst, mit Pflichten im Haushalt, Verantwortung und natürlich auch allen Vorteilen einer Familie."
Und als mir bewusst wurde, dass sie wirklich eine Gastfamilie für mich gefunden hatten, musste ich weinen. Vor Freude, dass das Abenteuer immer näher kam und vor Trauer, dass ich schon bald nicht mehr hier sein würde. Sondern 1200 Kilometer von zu Hause entfernt, in einem kleinen Dorf in Südfrankreich.
Ich habe mich für dieses Land entschieden, weil ich die Sprache mag und weil ich sie noch besser sprechen möchte. Seit vier Jahren habe ich Französischunterricht. Frankreich selbst kenne ich bisher nur aus dem Urlaub, aber es hat mir immer sehr gefallen.
Ich schaute mir lange die Fotos meiner zukünftigen Familie an. Ein Mann, eine Frau, drei Mädchen. Eine der beiden älteren Töchter war mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Freund zu sehen.
Wow, dachte ich, was für eine große Familie. Schon bald werde ich für fünf Monate mit ihnen zusammen leben, in einem kleinen französischen Dorf in der Nähe von Toulouse. In der nächstgrößeren Stadt Castres werde ich zur Schule gehen.
Angst, den Anschluss zu verlieren
Nach dem Brief habe ich mit der Familie gemailt und auch schon geskypt. Sie scheinen sehr nett zu sein. Ich habe das Gefühl, sie wollen wie eine zweite Familie in Frankreich für mich sein und geben mir nicht das Gefühl, dass ich nur ein Gast bin.
Die jüngste Tochter ist ungefähr in meinem Alter und geht auf dieselbe Schule wie ich in Frankreich. Sie spielt auch Volleyball, darüber habe ich mich natürlich gefreut. Mit ihr habe ich auch schon etwas über die Schule geredet.
Ich habe etwas Angst den Anschluss zu verlieren, wenn ich wieder nach Deutschland komme. Aber ich werde in Frankreich auch in die Schule gehen und dort sicherlich auch etwas lernen, also denke ich, dass das schon klappen wird.
So langsam kommt die Zeit, Abschied zu nehmen. Dann fahre ich auf ein zweitägiges Vorbereitungstreffen nach Paris, auf dem sich alle Austauschschüler treffen, die einen Auslandsaufenthalt in Frankreich machen. Ich bin gespannt auf die Abenteuerlust der anderen.
Ohne Familie, ohne Freunde
Am letzten Tag vor den Sommerferien haben eine Freundin, die in die USA geht, und ich eine Abschiedsparty gemacht, um noch einmal mit all unseren Freunden etwas Zeit zu verbringen.
Das war echt schön, man hatte einfach Zeit sich mit den Leuten zu unterhalten, gemeinsam zu lachen und Spaß zu haben. Aber wenn ich daran denke, dass ich die nächsten fünf Monate alle meine Freunde und meine Familie nicht sehen kann, dann bekomme schon ein bisschen Angst.
Ob es wirklich so toll wird, wie ich es mir vorstelle, wird sich zeigen. Werde ich schnell neue Freunde finden? Wie werde ich mich in dem fremden Land zurechtfinden? Werde ich es ein halbes Jahr ohne meine Eltern und meine Schwester aushalten, obwohl ich vorher noch nie länger als eine Woche alleine von zu Hause weg war? Alle diese Antworten standen nicht in dem Brief. Ich werde sie aber in den nächsten Monate beantworten können.
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