Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik

Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

Schüler in China: Gefügig, aber phantasielos Fotos
Katja Meuß

Die deutsche Lehrerin Katja Meuß unterrichtete sechs Jahre lang an der Nankai High School, dem Fixstern der chinesischen Schullandschaft. Der frühere Premierminister Zhou Enlai und der jetzige Premierminister Wen Jiabao lernten an der Eliteschule, Staatspräsident Hu Jintao kürte sie vor zwei Jahren zur richtungsweisenden Schule, die besondere Förderung verdient. 6000 Schüler, 600 Angestellte, 60 Schüler pro Klasse - die deutsche Lehrerin erlebte diesen Ort als Hort der Phantasielosigkeit.

Auch hochrangige Politiker prangern mittlerweile einen Mangel an Kreativität und Erfindergeist in ihrem Land an. Doch die Angst vor Fehlern sitze tief, sagt Meuß. Jeder freue sich, wenn ein anderer patzt und nicht er selbst. Folge: Statt neugierig zu sein und etwas zu riskieren, büffeln sie leicht abprüfbares Wissen. Multiple-Choice-Test auch in Fremdsprachen, Grammatik-Expertise statt Konversation. Die Sechs-Tage-Schule beginnt um 7.25 Uhr und endet meist um 17.15, danach warten Hausaufgaben. Für Inspiration bleibt keine Zeit.

Für den SchulSPIEGEL berichtet Katja Meuß, wie sie den Alltag in der Lernfabrik erlebt hat. Zum Weiterlesen auf die Überschriften klicken...

Frontalunterricht: Wenn Schüler verstummen

Teamarbeit: Siegen, egal wie

Kreativität: Wer Fehler macht, wird ausgelacht

Individualität: Schüler verlieren Namen und bekommen Nummern

Inspektionen: Wenn Kontrolleure kommen, müssen Schüler gehen

Disziplin: Strafarbeiten und Moralpredigten, auch für Eltern

Gemeinschaft: Jeder ist sich selbst der nächste

Selbstmord einer Schülerin: Schweigen statt trauern

Aufgezeichnet von: Katja Meuß, bearbeitet von: Christian Bleher

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Lebende Roboter
hartholz365 03.04.2012
Was anderes fällt mir dazu nicht ein.
2.
david_2010 03.04.2012
Ich will gar nicht anfangen, auf die Chinesen zu schimpfen. Die können von mir aus leben wie sie wollen. Das geht uns im Prinzip nichts an. Ich denke, auch wenn dieser Bericht sicher nicht ganz China widerspiegelt, so gibt er doch einen gewissen Einblick in die chinesische Mentalität. Für uns ist es wichtig, die Lehren aus solchen Berichten zu ziehen. Ich persönlich halte den im Artikel beschrieben Aspekt der asiatischen Mentalität für fürchterlich. Es gilt scheinbar: Funktioniere oder stirb. Gut, dass wir in dieser Hinsicht anders ticken.
3. Teile ihre Wahrnehmung
spiegelleser_in_shanghai 03.04.2012
Dieser Bericht ist die Wahrnehmung einer deutschen Lehrerin und ich finde ihn sehr interessant. Und er deckt sich mit meiner eigenen Wahrnehmung, die ich, hier in China seit langem arbeitend, über die Jahre von den Menschen gewonnen habe. Oft möchte man schier verzweifeln, weil man es nicht versteht, warum sie so sind wie sie sind. Deswegen bin ich sehr dankbar über diesen Bericht, liefert er mir doch eine Erklärung über manches sonderbare in diesem Land.
4.
canazzo 03.04.2012
Ja, die Chinesen sind sehr erfolgreich und wie, sie sind nämlich Weltmeister im Kopieren und Herstellen von Plagiaten! Ach, und sie kaufen gierigen westlichen Unternehmen die Firmen und Patente auch gern mit einer Stange Geld weg. Die Chinesen haben es gelernt, wie die Kapitalisten im Westen ticken!
5.
PublicTender 03.04.2012
Abgesehen von Schiesspulver und Porzellan; an was dachten Sie denn da so? Welche innovativen Lösungen kamen denn in den letzten Jahrzehnten aus dem Reich der Mitte?
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Zur Person
  • Katja Meuß
    Katja Meuß, 61, war schon Konrektorin an zwei bayerischen Schulen, sie hat vier Jahre in Nowosibirsk gearbeitet und vier Jahre in Armenien. Von 2005 bis 2011 unterrichtete sie in China Deutsch. Noch am Ende ihrer sechs Jahre wunderte sie sich über ein raues und wenig inspirierendes Lernklima, selbstherrliche Direktoren und weit verbreitetes Desinteresse an den Mitmenschen.
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