Die deutsche Lehrerin Katja Meuß unterrichtete sechs Jahre lang an der Nankai High School, dem Fixstern der chinesischen Schullandschaft. Der frühere Premierminister Zhou Enlai und der jetzige Premierminister Wen Jiabao lernten an der Eliteschule, Staatspräsident Hu Jintao kürte sie vor zwei Jahren zur richtungsweisenden Schule, die besondere Förderung verdient. 6000 Schüler, 600 Angestellte, 60 Schüler pro Klasse - die deutsche Lehrerin erlebte diesen Ort als Hort der Phantasielosigkeit.
Auch hochrangige Politiker prangern mittlerweile einen Mangel an Kreativität und Erfindergeist in ihrem Land an. Doch die Angst vor Fehlern sitze tief, sagt Meuß. Jeder freue sich, wenn ein anderer patzt und nicht er selbst. Folge: Statt neugierig zu sein und etwas zu riskieren, büffeln sie leicht abprüfbares Wissen. Multiple-Choice-Test auch in Fremdsprachen, Grammatik-Expertise statt Konversation. Die Sechs-Tage-Schule beginnt um 7.25 Uhr und endet meist um 17.15, danach warten Hausaufgaben. Für Inspiration bleibt keine Zeit.
Für den SchulSPIEGEL berichtet Katja Meuß, wie sie den Alltag in der Lernfabrik erlebt hat. Zum Weiterlesen auf die Überschriften klicken...
Frontalunterricht: Wenn Schüler verstummen
Kreativität: Wer Fehler macht, wird ausgelacht
Individualität: Schüler verlieren Namen und bekommen Nummern
Inspektionen: Wenn Kontrolleure kommen, müssen Schüler gehen
Disziplin: Strafarbeiten und Moralpredigten, auch für Eltern
Gemeinschaft: Jeder ist sich selbst der nächste
Selbstmord einer Schülerin: Schweigen statt trauern
Aufgezeichnet von: Katja Meuß, bearbeitet von: Christian Bleher
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