Eine Zehntklässlerin hatte Selbstmord begangen. Xinyi war zu Hause aus dem 18. Stock gesprungen. Eltern, Schulleitung und Polizei vereinbarten, dass darüber kein Wort verloren wird. Die Schule fürchtete einen beträchtlichen Imageverlust, die Eltern einen Gesichtsverlust. Xinyis Lehrer wussten Bescheid, sprachen aber nur hinter vorgehaltener Hand und im Flüsterton über den Suizid.
Der Platz des Mädchens im Klassenzimmer war leergeräumt. Manche Klassenkameraden munkelten, sie sei an eine andere Schule gewechselt. Die wenigen, die Bescheid wussten, saßen verstört im Klassenzimmer. Man hatte ihnen strikt verboten, über den Vorfall zu sprechen. Sie konnten die Entscheidung ihrer Freundin, einer sehr guten Schülerin, nicht verstehen, sie wussten keine Hintergründe, sie durften auch niemandem ihr Herz ausschütten. Der wahre Grund für die Tat wurde nie aufgeklärt.
Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik
Frontalunterricht: Wenn Schüler verstummen
Kreativität: Wer Fehler macht, wird ausgelacht
Individualität: Schüler verlieren Namen und bekommen Nummern
Inspektionen: Wenn Kontrolleure kommen, müssen Schüler gehen
Disziplin: Strafarbeiten und Moralpredigten, auch für Eltern
Gemeinschaft: Jeder ist sich selbst der nächste
Selbstmord einer Schülerin: Schweigen statt trauern
Aufgezeichnet von: Katja Meuß, bearbeitet von: Christian Bleher
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