Austausch-Log Färöer: Unter Schafen

Alexandra Piloth, 16, wollte im Schüleraustausch die weite Welt entdecken und landete auf den Färöer-Inseln. Schafe, Nebel, Kälte, Fisch. Erst war sie schockiert, dann überwältigt. Wenn nur die Sprache nicht wäre. Klingt wie Dänisch - nur noch nuscheliger.

Austausch-Log Färöer-Inseln: Schafe, Nebel, Kälte, Fisch Fotos
Alexandra Piloth

Ich träumte schon immer davon, mit 16 die große, weite Welt zu erkunden. Nun mache ich endlich mein Auslandsjahr - allerdings nicht in der weiten Welt: Ich bin auf einem kleinen Inselhaufen im Atlantik gelandet.

Die Färöer-Inseln, das sind 18 kleine Inseln, die zwischen Norwegen, Großbritannien und Island liegen. Also praktisch im Nirgendwo. Die Inseln gehören, wie Grönland, zu Dänemark, man spricht hier allerdings Färöisch und nicht Dänisch. Das Besondere an den Inseln ist ihre Mystik - abgesehen davon, dass hier 80.000 Schafe auf 50.000 Menschen kommen. Deswegen auch der Name Färöer: die Schafsinseln.

Als ich das alles meinen Freunden in Deutschland erzählte, fragten die mich, was ich hier will. Mitten im Nichts. Keine Möglichkeit auszugehen. Nur Schafe, und zum Essen gibt es Fisch. Natürlich, ich war auch etwas geschockt, als ich erfahren habe, dass ich auf die Färöer-Inseln komme. Aber als ich Texte, Bilder und Filme dazu gesehen habe, war ich überwältigt von dieser atemberaubenden Landschaft.

Die Sprache ist ein einziges Genuschel

Inzwischen weiß ich auch, dass ich hier mehr machen kann als zu Hause zu sitzen und zu stricken. Es gibt Kinos, eine Bowling-Halle, Schwimmbäder - und wenn mal nichts los ist, dann schaue ich aus dem Fenster oder setze mich ins Auto. Denn ich entdecke immer etwas anderes. Manchmal wundere ich mich, wo der Berg geblieben ist. Nebel, Regen sogar Schnee habe ich in meinen ersten vier Wochen schon erlebt. Es kann also gar nicht langweilig werden - nur etwas wärmer könnte es sein. Hier sind im Sommer durchschnittlich etwa zwölf Grad.

Seit vier Wochen gehe ich in die erste Klasse des Gymnasiums. Die Schule ist sehr sauber, die Lehrer sind nett und die Klassen nicht so überfüllt wie in Deutschland. Meine Mitschüler sind auch super, sie übersetzen für mich, was der Lehrer erzählt.

Die Sprache hörte sich zunächst seltsam an. Ein einziges Genuschel. Inzwischen verstehe ich immerhin einige Wörter. In Berlin habe ich schon Dänisch gelernt, das macht es etwas leichter. Und zum Glück kann ich auch schon die Grammatik: Denn die deutsche Grammatik ist ähnlich wie die färöische.

Ich werde platzen

Bisher ist also alles toll: das Essen, die Schule und auch meine Gastfamilie. Ich habe eine Mutter (Lenny, 51) einen Vater (Amaliel, 53), einen Bruder (Heri, 26, lebt in Dänemark) und zwei Schwestern. Noomi ist 19 und wohnt noch zu Hause, die 23-jährige Sanna hat vor vier Wochen ihr Baby bekommen und wohnt mit ihrem Freund Áslakur im Haus gegenüber. Er arbeitet alle drei Wochen für zwei Wochen in Norwegen. In der Zeit wohnt Sanna praktisch bei uns. Das machen viele Familien so, weil die Männer oft weit weg arbeiten. Deswegen wohnen viele im selben Dorf oder nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Mein Gastvater arbeitet bis Anfang Oktober in Grönland, daher sind wir zurzeit leider nur zu dritt. Ich habe aber schon mit ihm über das Internet telefoniert, meine Mutter hat mir viele Bilder von ihm gezeigt und von seiner Arbeit erzählt.

Das Haus meiner Gastfamilie ist riesig, ich habe mein eigenes Zimmer und ein Bad fast für mich allein. Das ganze Haus ist sehr hübsch eingerichtet, das ist auch gut so; denn im Winter muss man die meiste Zeit im Haus verbringen, da es sehr kalt werden kann.

Auf das Essen war ich vor dem Abflug am meisten gespannt. In den Reiseführern stand, dass sehr viel Lamm, Wal und Fisch gegessen wird. Wal mag ich nicht so gern, Lamm wird gar nicht so viel gegessen, und wider Erwarten kann ich auch alles kaufen, was ich will - auch Melonen und Erdbeeren. Es kostet nur mehr als in Deutschland.

Und die Färöer essen viel mehr als die Deutschen. Morgens, in der Schulpause, mittags und abends - wie in Deutschland. Aber zwischendurch trinken sie viel Kaffee und essen dazu Kekse oder Kuchen. Schmeckt alles super, aber ich werde hier eines Tages platzen.

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