Austausch-Log Mexiko: Verliebt ins Land der Totenschädel

Von Chili bekam sie Bauchweh. Bis sie Freunde gefunden hatte, dauerte es eine ganze Weile. Ein Schuljahr verbrachte Austauschschülerin Katharina Othmer, 16, in Mexiko. Zurück in Deutschland ist sie sicher: Das war das schönste Jahr meines Lebens.

Elf Monate Mexiko: Katharina, 16, und ihr Lieblingsland Fotos
Katharina Othmer

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Als ich mich vor fast zwei Jahren für den Schüleraustausch beworben habe, wusste ich nicht, wohin ich eigentlich wollte. Erst fand ich Frankreich toll, dann Kanada, dann Neuseeland und Australien, Argentinien klang auch nicht schlecht. Mir wurde ein Platz in Mexiko angeboten. Ich nahm ihn an, ohne auch nur eine Idee zu haben, was damit auf mich zukommen würde.

Auch kurz vor dem Abflug wusste ich noch nicht, was mich erwartet. Abgesehen von ein paar Stichwörtern hatte ich in meinem Kopf nichts unter "Mexiko" abgespeichert. Nervös hob ich vom Frankfurter Flughafen ab und landete in Guadalajara. Als mich meine Gasteltern zu meinem neuen Zuhause fuhren, wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinsehen sollte.

Nach und nach verliebte ich mich in Tacos, Begrüßungsküsschen, erlaubtes Zuspätkommen, bunt bemalte Totenköpfe und die Agavenfelder, die um Guadalajara lagen.

Nicht immer war alles wunderbar

Ich verliebte mich in Dinge, die ich nun zurück in Deutschland vermisse. Jetzt verstehe ich die ehemaligen Austauschschüler, wenn sie mir vom besten Jahr ihres Lebens erzählen. Dabei habe ich diesen Satz in Mexiko einige Male verflucht. Denn nicht immer war alles wunderbar.

Vor allem am Anfang: Ich hatte es mir einfacher vorgestellt, neue Freunde zu finden, ohne richtig ihre Sprache zu sprechen. Ich wollte mich an scharf gewürztes Essen gewöhnen und bekam von Chili Bauchschmerzen. Und auch in die Kultur musste ich mich hineinfinden - vor allem wie die Mexikaner zu Zeitangaben und Versprechungen stehen. Vom Heimweh blieb ich natürlich ebenso wenig verschont.

Jetzt denke ich: Fast jeder Austauschschüler muss durch die nicht ganz so einfache Anfangszeit durch, um danach wunderbare Monate und Momente zu verbringen.

Erfahrungen, die in Erinnerung bleiben

Momente, in denen mich meine Freundin verdutzt angeschaut hat, weil ich etwas zu ihrer Deutscharbeit sagte. "Woher willst du das denn wissen? Du bist doch gar nicht im Deutsch-Unterricht!", sagte sie. Sie hatte vergessen, dass ich aus Deutschland kam.

Oder Momente, in denen ich beim Dominospielen gewann - und deshalb nicht das Geschirr abwaschen musste. In denen ich die Großmutter meiner besten Freundin um Rat fragte oder in denen ich mit Freunden Tacos aß.

Ebenso gern denke ich an das Grinsen, das sich mir und meiner Freundin ins Gesicht schlich, wenn die Quersumme der Nummer unseres Bustickets 21 ergab. Die 21er kann man gegen einen Kuss eintauschen. Gemacht hat das natürlich nie jemand, doch gesammelt haben sie alle.

Das schönste ist jedoch zu wissen, dass es ein zweites Land gibt, in dem ich mich zu Hause fühle - obwohl mich dieses zu Hause bis zum Schluss immer wieder mit neuen, unbekannten Dingen überrascht hat.

Was mir von diesem Jahr bleibt? Erfahrungen, Erinnerungen, eine Liebe zu Tacos und der Wunsch, wieder zurückzufliegen.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Stimmt
Mexikaner 01.08.2011
Ich kann das nur so bestätigen. Ich habe im Vorjahr mein Austauschjahr in Mexiko gemacht, allerdings wohnte ich in der Nähe von Monterrey. Aber die Erfahrungen waren sehr sehr ähnlich. Wobei ich schon recht schnell Freunde gefunden habe.
2. ... bitte kugelsichere Westen einpacken.
gerguardian 01.08.2011
In Mexiko herrscht Bürgerkrieg. Die öffentliche Verwaltung ist sehr korrupt, 50% der Bevölkerung sind bettelarm. Schade, das diese Austauschprogramme nicht dazu benutzt werden, ein Land wirklich kennenzulernen, die guten und die schlechten Seiten. Mexiko besteht aus viel mehr als aus Bustickets und Chili. mfg.
3. Man kann nicht alles haben...
dosmundos 02.08.2011
Zitat von gerguardianIn Mexiko herrscht Bürgerkrieg. Die öffentliche Verwaltung ist sehr korrupt, 50% der Bevölkerung sind bettelarm. Schade, das diese Austauschprogramme nicht dazu benutzt werden, ein Land wirklich kennenzulernen, die guten und die schlechten Seiten. Mexiko besteht aus viel mehr als aus Bustickets und Chili. mfg.
Tja, man erlebt eben nur das, was man im Alltag sieht. Und ein Austauschprogramm ist dazu gedacht, in einer Familie des Mittelstandes zu leben und an eine ordentliche Schule zu gehen. Egal, ob in Europa, den USA, Mexiko oder Argentinien. Aber vielleicht findet sich ja mal ein Veranstalter eines Austauschprogramms, der für seine Schüler und Studenten ein Rundum-Programm anbietet, inklusive Besuch im Slum auf der Müllkippe, Bestechung eines Polizisten und Abschneiden des Kopfes eines Mitglieds einer gegenerischen Drogengang. Da können Sie dann ihre Kinder hinschicken...
4. !
esteban.cardenas@mail.com 08.08.2011
Zitat von dosmundosTja, man erlebt eben nur das, was man im Alltag sieht. Und ein Austauschprogramm ist dazu gedacht, in einer Familie des Mittelstandes zu leben und an eine ordentliche Schule zu gehen. Egal, ob in Europa, den USA, Mexiko oder Argentinien. Aber vielleicht findet sich ja mal ein Veranstalter eines Austauschprogramms, der für seine Schüler und Studenten ein Rundum-Programm anbietet, inklusive Besuch im Slum auf der Müllkippe, Bestechung eines Polizisten und Abschneiden des Kopfes eines Mitglieds einer gegenerischen Drogengang. Da können Sie dann ihre Kinder hinschicken...
Ja! wie zum biespiel ein Umtausch im eine Neo-nazi viertel der Stadt Magdeburg! Dass wäre sichier eine besonderes echt erfarung in Deutschland... Es gibt immer gute und nicht so gute aspekete in jedes Land. Manchmal es gibt Leute, (gerguardian) die denken, es ist mehr "intelektuel" die slechte dingen so merken. Oft medien in Europa machen auch so, vieleicht weil die leute in Europa besser über sich fühlen when sie schlechter nachrichten von andere lände lessen.
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