Meine Ungeduld macht mich verrückt. In wenigen Tagen fliege ich nach Panama und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Ich muss noch alles Mögliche besorgen und versuche trotz Stress, viel Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zu verbringen. Zwischendurch schaue ich immer wieder auf meinen Internetcountdown, der die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis Panama herunterzählt, und stelle erstaunt fest, wie schnell die Zeit vergeht.
Ich werde ein ganzes Jahr am anderen Ende der Welt verbringen, in einem Land, über das die meisten Menschen hier wenig wissen. Vielen fällt zuerst Janoschs Buch "Oh, wie schön ist Panama" ein, wenn ich erzähle, wo ich hinfahre. Ich hoffe, das Land hält, was der Titel des Kinderbuchs verspricht. Ich muss zugeben: Ich habe es in letzter Zeit wieder und wieder durchgelesen.
Aus der Ferne erscheint mir Panama wie ein Paradies. Das ganze Jahr über ist es sommerlich warm, die Landschaft ist einzigartig schön, und die Tierwelt aufregend fremd. Die Panameños sollen sehr freundlich und offen sein.
Ich bin schon seit Monaten aufgeregt, male mir jeden Morgen meine Ankunft aus und jeden Abend meinen dortigen Alltag. Ich trage diese Ungeduld nun schon so lange mit mir herum, dass ich halbwegs gelernt habe, damit zu leben. Sonst würde ich gar keinen inneren Frieden mehr finden. Meistens ist mein Gefühlszustand entsprechend... künstlich gedämpft. Manchmal kann ich mich aber doch nicht beherrschen und überschütte meine Freunde und Eltern mit einem Schwall von Infos über Panama. Ich hoffe, das nervt sie nicht zu sehr.
Internet, ein eigenes Zimmer, Haustiere?
Es irritiert meine Eltern jedenfalls, dass ich gar keine Angst habe. Sie kriegen jedes Mal einen kleine Anfall, wenn ich ihnen die Anzahl der Tage nenne, die ich noch in Deutschland verbringe. Ich weiß auch nicht, warum ich nicht ehrfürchtig erstarre, wenn ich an mein Austauschjahr denke. Wahrscheinlich lähmt die Aufregung jedes andere Gefühl.
Es sind noch sieben Tage bis zum Abflug und ich habe immer noch keine Gastfamilie. Jeden Tag schaue ich fünfmal in mein Postfach und in unseren Briefkasten. Ich muss mich wohl überraschen lassen. Ob ich wohl Internet habe, ein eigenes Zimmer, Haustiere?
Fehlen werden mir, neben meiner Familie, die lustigen Pausen in meiner Klasse, der Schulweg mit meiner Freundin und der Eisladen neben meiner Schule. Nicht mitnehmen kann ich leider meine Gitarre. Ich werde mir aber wahrscheinlich in Panama eine günstige kaufen. Ich habe gehört, dass viele Eltern in Lateinamerika sehr autoritär sein sollen. Hoffentlich sind meine Gasteltern nicht so drauf.
23 Kilo von meinem alten Leben darf ich für Panama einpacken. Sehr wenig, wenn ich an all die Klamotten und Flaschen und Tuben wie Deos, Abdeckstifte, Sonnencreme und Mückenspray denke. Und mit muss auch mein Zeichenbuch, ein Tagebuch, ein Fotoapparat und ein Kalender, damit ich alles dokumentieren kann. Schwere Bücher haben keinen Platz mehr, das Kofferpacken überfordert mich ein wenig. Mal sehen, was ich am Ende alles vergessen werde.
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