Austausch-Log Finnland: Milch macht müde Finnen munter
Haferbrei, Beeren und Milch, Milch, Milch: Austauschschülerin Henrike Rathje muss sich an das finnische Essen erst gewöhnen. Umso glücklicher war sie, als sie im Supermarkt ein Glas Nutella fand. Ihre Gastfamilie hingegen war überfordert: Wie isst man das? Mit einem Löffel?
"Grün" - das Wort beschreibt die finnische Landschaft so gut wie das Wort "Essen" den Alltag. Wohin ich auch gucke, überall stehen Bäume. Da frage ich mich schon, warum die Nationalflagge nicht blau-weiß-grün ist.
Auf das Essen hier war ich nicht vorbereitet. Während die durchschnittliche Familie in Deutschland drei "richtige" Mahlzeiten pro Tag zu sich nimmt, sind es hier manchmal doppelt so viele. Allein das Frühstück ist anders als in Deutschland: Am Wochenende zum Beispiel wird morgens ein Topf mit Haferbrei aufgesetzt, den wir später mit Beeren und Milch essen. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht.
Ich bin dazu übergegangen, morgens aufgrund von Zeitmangel manchmal gar nichts zu essen oder mir unter den verwunderten Blicken meiner Gastbrüder ein Nutellabrot zu schmieren. Die essen nämlich unter der Woche nur einen Fruchtjoghurt zum Frühstück. Ich aber befürchte immer, dass keine echten Früchte darin stecken, sondern nur Zusatzstoffe. Und da ich die Zutatenangaben nicht vollkommen verstehe, esse ich das lieber nicht.
Nutella war echt was Neues für meine Gastfamilie. Als ich ihnen stolz das Glas Nutella präsentierte, das ich versteckt in einem Regal eines Supermarktes aufgespürt hatte, standen in ihren Gesichtern nur Fragezeichen. Wie isst man das? Mit einem Löffel?
Saunieren im Sommerhaus
Auch die Schule ist anders als in Deutschland. Es fängt beim Stundenplan an: Nach jeder Stunde haben wir 10 bis 15 Minuten Pause. Außerdem haben wir täglich eine große Essenspause - erst drei Stunden nach dem Frühstück gegen 11 Uhr. Es gibt dann für alle gratis ein Mittagessen.
Dazu gibt es Milch, denn die trinkt man hier zu jeder Mahlzeit. In der Schulmensa wird sie allerdings mit Wasser verdünnt, da es wohl zu teuer wäre, mehreren hundert Schülern "richtige" Milch vorzusetzen.
Auch die Fächerverteilung ist an meiner Schule anders und gefällt mir viel besser. Das Schuljahr ist in sechs Abschnitte, sogenannte jaksos, aufgeteilt. Hier bekommt nicht jeder Schüler seinen Stundenplan vorgegeben, sondern er kann sich seine Kurse größtenteils selbst wählen. Die jaksos enden mit einer Testwoche, in der Klassenarbeiten anstehen.
In meiner Schule hat man jedes Fach, mit Ausnahme von jakso-übergreifenden Fächern wie Kunst, ein- bis zweimal pro Tag. Die wöchentliche Stundenzahl variiert von Schüler zu Schüler, da viele nachmittags Fächer wie Sport dazu wählen. Als Austauschschülerin muss ich mindestens 25 Stunden pro Woche haben, mein Gastbruder hat zum Beispiel nur 21.
Unglücklicherweise konnte ich mein erstes jakso nicht selbst wählen, sondern die Schule hat das für mich übernommen und mir Fächer wie Chemie und Physik ausgesucht. Jegliche Versuche, irgendwas von den finnischen Chemie-Aufgaben zu verstehen, scheiterten an Worten wie höyrystyminen, also Verdampfung. Meine Lehrer versuchen zwar das Wichtigste auf Englisch zu übersetzen, aber auch das hilft kaum. In den vergangenen Wochen habe ich aber immerhin kleine Fortschritte erzielt: Mithilfe von einem Wörterbuch und viel Zeit habe ich es auch mal geschafft, eine Matheaufgabe zu verstehen.
Und in meinen ersten Finnland-Wochen durfte natürlich eins nicht fehlen: Das typische Saunieren im Sommerhaus meiner Gastfamilie. Dabei sitzt man ein paar Minuten in der Sauna und läuft dann zum See, um sich ins eiskalte Wasser zu schmeißen. Weil man dann ziemlich friert, geht es zurück in die Sauna, dann wieder ins Wasser. Am Besten soll der ganze Ablauf wohl sein, wenn man sich im Schnee wälzt. Aber obwohl die Temperaturen hier teilweise schon einstellig sind, gibt es keinen Schnee. Noch nicht.
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- Dienstag, 23.10.2012 – 08:48 Uhr
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