Austausch-Log USA: Frittieren geht über Studieren

Austauschschülerin Anna Sophia Burch hat schon einiges von den Amerikanern übernommen - jetzt hat sie auch immer einen Thermosbecher dabei. An frittierten Käsekuchen, frittierten Kaktus und frittierte Butter muss sie sich aber noch gewöhnen. Auch an den Klimawandel glaubt sie. Noch.

Anna in Texas: "Ich wurde von allen ausgelacht" Fotos
Natalye White

Der Texas State Fair, ein riesiger Jahrmarkt, zieht Besuch aus ganz Texas an. Kürzlich war ich mit Freunden zum ersten Mal dort. Hier stehen natürlich Riesenrad und Achterbahnen, aber der Jahrmarkt ist vor allem bekannt für das frittierte Essen. Frittierter Käsekuchen, frittierter Cheeseburger, frittierte Kaktusstücke, frittiertes Eis und sogar frittierte Butter für die ganz Hartgesottenen.

Die Texaner mögen es einfach, wenn alles heiß und fettig gebacken wird. Ich testete mich durch alle Spezialitäten. Auch der typische Funnel Cake, ein in Öl gebackener Kuchen mit viel Puderzucker, durfte nicht fehlen. Allerdings sind frittiertes Essen und viele Achterbahnfahrten nicht die beste Kombination.

Auf dem Rückweg verliefen wir uns im Museums- und Kunstviertel von Dallas, wo wir eine Stunde lang vergeblich nach einem Restaurant suchten - ja, irgendwann hatten wir wieder Hunger. Später gingen wir auch an der berühmten Kreuzung vorbei, an der John F. Kennedy ermordet wurde. Erst weigerte ich mich, das typische Touristenfoto zu schießen, aber dann gab ich dem Drängen meiner Freunde nach und stellte mich neben das weiße Kreuz auf die Straße.

Chicken-Burger und Pommes zum Frühstück

Viele amerikanische Gewohnheiten habe ich schon übernommen, so habe ich meinen Thermoskaffeebecher immer zur Hand. Trotzdem werde ich die Texaner wohl niemals ganz verstehen. So wundere ich mich immer noch, wie man Chicken-Burger und Pommes zum Frühstück essen und Pizza mit Ranchdressing garnieren kann. In den Supermärkten stehen fast nur XXL-Packungen, sie sind mindestens dreimal verpackt. Umso begeisterter war ich, als ich zusammen mit meiner Gastmutter einen Farmers Market fand, auf dem lokale Bauern Gemüse, Käse und Brot aus Bio-Anbau verkauften. Ich hätte nie gedacht, dass mich frisches Gemüse so glücklich machen kann.

Den Klimawandel gibt es hier nicht. Wenn ich mit Texanern über die Umwelt spreche, sagen viele: "Global warming and climate change, that's just another myth." Sie werfen Glasflaschen und Konservendosen in den gleichen Müllsack und wässern den Rasen zweimal täglich gründlich. Da fällt es mir manchmal ziemlich schwer, den Mund zu halten.

Ich schätze es hingegen sehr, dass Amerika so multikulturell ist. An meiner Highschool kann man eine kleine Weltreise durch viele Kulturen und Religionen unternehmen: von Mexico über Ägypten bis nach China. Die Mehrheit meiner Mitschüler wurde schon in den Staaten geboren, und allesamt sind sie Amerikaner.

Familienausflug zur Kampfjet-Flugschau

Den meisten meiner Mitschüler bedeutet ihr Land sehr viel, sie singen die Nationalhymne mit Stolz. Viele planen, nach der Schule zum Militär zu gehen. Das ist allerdings auch eine finanzielle Frage: Der Staat Texas unterstützt diese Pläne und zahlt für die Ausbildung und das College der Soldaten.

Ich persönlich bin kein großer Fan von Soldaten, von Militärflugzeugen und Waffen. Trotzdem begleitete ich natürlich meine Gastfamilie zu einer Flugschau mit Kampfjets, die auf einem nahe gelegenen Marinestützpunkt stattfand. Ich versuchte dort, so gut es eben ging, die Begeisterung der Texaner zu teilen.

Mit der ganzen Familie feierte ich auch Thanksgiving. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Essen auf einmal gesehen und vor allem noch nie so viel gegessen. Nach Truthahn, Kartoffelpüree, Brokkoliauflauf, Bohneneintopf, Kürbis- und Pekannusskuchen lag die ganze Familie flach und faul auf dem Sofa. Die Legende sagt, dass die Proteine im traditionellen Truthahn einschläfernd wirken. Ich als Vegetarierin kann sagen: Es ist die Menge an gutem Essen.

Zum Glück ist es noch ein guter Monat bis Weihnachten, gerade genug Zeit, um wieder in Form zu kommen. Denn dann wird natürlich weitergegessen.


Anna Sophia Burch hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Querweltein
RSS
alles zum Thema Austausch-Log
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Austauschjahr in Texas: "Das ist ein Truck, kein Auto!"

Austausch-Log: Die Autoren
Anna in Amerika
Anna Sophia Burch, 17, besucht in Sarnen, einem Städtchen in der Schweiz, das Gymnasium. Seit August geht sie ein Jahr in Texas, USA, zur Schule. Sie freut sich darauf, kopfüber in eine fremde Kultur einzutauchen.

Hier geht's zu allen Austausch-Logs.
Laura in Panama
Laura Heidemann, 16, möchte in Panama ein zweites Zuhause auf der anderen Seite der Welt finden. Ihre erste Heimat ist Hamburg, wo sie ihre Gitarre zurücklassen musste, die sie in Südamerika vermissen wird.

Hier geht's zu allen Austausch-Logs.
Henrike in Finnland
Henrike Rathje, 15, besucht ein Gymnasium in Niedersachsen. Seit August geht sie im finnischen Südösterbotten zur Schule, im Pisa-Wunderland. Worauf sie vorher besonders gespannt war? Die Sprache zu lernen.

Hier geht's zu allen Austausch-Logs.
Lea in China
Die Hamburger Gymnasiastin Lea Kiehne, 15, freute sich vor dem Abflug nach China besonders auf ihre Gastfamilie. In der Stadt Tangshan bei Peking will sie ihre ersten chinesischen Wörter pauken.

Hier geht's zu allen Austausch-Logs.
Fotostrecke
Anna in den USA: Diskutiere nicht mit Einheimischen!

Fotostrecke
Austausch-Log USA: Elisabeth will bleiben


Social Networks