Aus Budapest berichtet Kata Kottra
Aus meiner Abiturklasse gehen vier Leute nach Dänemark, drei nach Schottland und eine nach Wien - das bin ich. Viele wollen den Vertrag nicht unterschreiben, der einen ab Herbst verpflichtet, nach dem Studium in Ungarn zu bleiben. Sie würden gern im Ausland arbeiten.
Die Bildungsreform hat meinen Entschluss erleichtert fortzugehen. Ab Herbst werde ich in Wien Transkulturelle Kommunikation studieren, das ist ein dreisprachiger Studiengang auf Deutsch, Englisch und Ungarisch. Viele von denen, die ins Ausland gehen, denken so ähnlich wie ich: Sie interessieren sich für die Beziehungen zwischen den Kulturen und wollen die Welt sehen. Sie hätten es als Beschränkung empfunden, nach ihrem Abschluss bleiben zu müssen.
Ich habe in Székesfehérvár - das liegt auf dem halben Weg zwischen Budapest und dem Plattensee - ein Gymnasium mit Fremdsprachen-Schwerpunkt besucht. Wer bei uns Abitur macht, spricht in der Regel gut Deutsch oder Englisch, deshalb fällt es uns auch leichter, uns im Ausland zu bewerben. Von den Fachoberschulen, einer berufsbezogenen Schule, die aber auch die Hochschulreife verleiht, in meiner Stadt kenne ich kaum jemanden, der das Land verlassen wird. Ich selbst war immer wieder im Ausland, in Deutschland habe ich mal einen Monat bei einer Familie in Schwäbisch Gmünd gewohnt.
Das Leben in Wien ist natürlich teurer als in Ungarn, mit 600 bis 700 Euro rechne ich. Aber meine Eltern haben seit Jahren Geld für mein Studium zurückgelegt, und ich habe auch von meinen Schülerjobs etwas gespart.
Wo ich nach meinem Abschluss arbeiten werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht komme ich als Dolmetscherin irgendwo unter. Ich würde gerne in der Welt herumreisen. Ich will aber auch meinen Wurzeln treu bleiben.
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