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Hörkapseln, Miniatursender: So clever schummeln Schüler in China

Prüfungen in China: Pfuschen auf Hightech Fotos
REUTERS/Stringer

Chinesische Schüler setzen beim Schummeln auf Hightech-Geräte Marke Eigenbau. Vor der diesjährigen Zitterprüfung Gaokao beschlagnahmte die Polizei Utensilien, die der NSA würdig wären.

Chinas Schüler haben in diesem Jahr viel Zeit in die Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen gesteckt. Dabei ging es nicht nur ums Textepauken, Formelnlernen und Tabellenzeichnen - offenbar bemühten sie auch Lötkolben und Schraubenzieher. Im Vorfeld der diesjährigen Abschlussprüfungen hat die Polizei landesweit Hightech-Geräte beschlagnahmt, mit deren Hilfe die Schüler ihre Testergebnisse aufpolieren wollten. Spickzettel, das war einmal.

Bilder in chinesischen Medien zeigen aufwendig hergestellte Geräte, angeblich alle Marke Eigenbau. Sie wurden bei 40 Schülern in der 14-Millionen-Einwohner-Stadt Chengdu beschlagnahmt, die einen Eignungstest für technologische Berufe schreiben sollten.

Die Utensilien waren als Gebrauchsgegenstände getarnt: In einem Kettenanhänger befand sich eine Fernbedienung für eine Kamera, in Brillengestelle waren Sender eingelassen. Eine Trinkflasche enthielt eine Miniaturkamera, die mit einem Portemonnaie verkabelt war. Einige Studenten trugen ganze Schaltkreise samt Batterien und Mobiltelefonen unter der Kleidung. Drahtlose Hörkapseln waren als Schaumstoff-Ohrstöpsel getarnt, Kugelschreiber mit Sendern ausgestattet.

Größte Massenprüfung der Welt

Mit 9,4 Millionen Teilnehmern ist das chinesische Gaokao die größte Massenprüfung der Welt. Sie bestimmt über Wohl und Wehe der künftigen Karrieren. "Geschummelt wird in jedem Land, aber in China ist es extrem", sagte Erziehungswissenschaftler Yong Zhao von der Universität Oregon dem US-Magazin Vice. "Das war nicht das erste Mal und wird nicht das letzte sein."

Durch standardisierte Teste und strikte Zulassungsbedingungen wird jedes Jahr großer Druck auf chinesische Schüler ausgeübt. Weil nur die besten Gaokao-Ergebnisse den Weg zu den beliebten Universitäten des Landes ebnen, versuchen Eltern und Schüler gemeinsam, die Punktzahl nach oben zu treiben. Eltern beten zu Konfuzius, kaufen Mini-Funkgeräte, mit denen sie ihren Kindern die richtigen Antworten zuflüstern wollen. Wer beim Schummeln allerdings auffliegt, dem drohen mehrere Jahre Haft. Mit Tausenden Kameras versuchen die Aufseher, jeden Betrugsversuch aufzudecken.

Manchmal dürften aber auch Eltern überfragt sein. Eine der Testfragen im diesjährigen Gaokao lautete: "Du kannst deinen Weg und deine Methode selbst bestimmen, wie du eine Wüste durchquerst, deshalb bist du frei; du hast aber keine andere Wahl, als diese Wüste zu durchqueren, deshalb bist du nicht frei. Schreibe einen Artikel von mindestens 800 Wörtern mit Überschrift aus einem beliebigen Blickwinkel."

cpa

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Ich nehme einen Jeep
inkpod 16.06.2014
Lustig: Die letzte Frage soll vermutlich „freidenkendere“ Menschen hervorbringen. Ob das in China wirklich funktioniert?
2.
MadDoubleF 16.06.2014
/Klugscheißer-ModeOn 'offenbar bemühten sie auch Lötkolben und Schraubenzieher' - das Teil heißt Schraubendreher. Um es mit Pete's (Ruthe.de) Worten zu sagen "Das weiß doch jeder" /Klugscheißer-ModeOff Ansonsten... Wer solche Geräte selbst zusammenlöten kann, der sollte erst recht auf eine der begehrten UNI's. ;)
3. Nicht verwunderlich
static2206 16.06.2014
mittlerweile braucht man schon mindestens zwei höhere Abschlüsse um überhaupt die Prüfungen für einen Abschluss zu schaffen. Das damit ein Mensch im allgemeinen überfordert ist, verwundert da nicht.
4. Die Aufgabe
felisconcolor 16.06.2014
würde in Deutschland wohl gnadenlos in die Hose gehen. Die Schüler würden die Sätze schon gar nicht verstehen. Geschweige denn die nachfolgende Aufgabe. Es gibt keine 800 Emoticons auf dem Smartphone ;-)
5. optional
vultorianus 16.06.2014
ich frage mich, ob es viele dieser Fragen vom Typ "schreibe einen Aufsatz" gibt, wie er im letzen Abschnitt erwähnt wird, oder ob der Test ansonsten nur aus multiple-choice besteht. MEine Frage zielt dabei darauf hinaus, dass 9,4 Mio. von diesen Aufsätzen ja erst einmal korregiert werden müssen, da kann das doch etwa aufwendig werden :)
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