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12. Dezember 2012, 17:13 Uhr

Kalifornien

Schulbezirke verschulden sich astronomisch 

Wie kommt man an Geld und umgeht dabei die lästigen Zinsen? Schulbezirke in Kalifornien haben einen Weg gefunden: Sie geben eine besondere Art von Anleihen aus. So erhalten sie sofort viel Geld - haben allerdings dann in einigen Jahrzehnten gigantische Schulden.

Was tut man, wenn man eine neue Schule bauen will - aber die staatlichen Zuschüsse sind knapp und die Steuern sollen auch nicht steigen? Viele Schulbezirke in Kalifornien leihen sich offenbar Geld - auf eine Weise, die sie in unverantwortlich hohe Schulden stürzt.

Wie die "Los Angeles Times" vor einigen Tagen berichtete, hat jeder fünfte Schulbezirk des US-Bundesstaats in den vergangenen Jahren sogenannte "Capital Appreciation Bonds" (CABs) ausgegeben. Das sind Anleihen, für die keine regelmäßigen Zinsen fällig werden. Vielmehr bekommen die Investoren, die die Anleihen gekauft haben, erst nach vielen Jahren eine Rendite - aber dann eine sehr hohe.

Die Tageszeitung listet auf ihrer Internetseite 200 Schulbezirke auf, die sich an solchen umstrittenen Finanzgeschäften beteiligen. Der Bezirk Poway Unified in Südkalifornien habe sich im vergangenen Jahr zum Beispiel über CABs 105 Millionen US-Dollar beschafft, unter anderem um die Modernisierung der Schulen voranzutreiben. Der Vorteil: Laufende Bauprojekte mussten nicht stillgelegt werden. Und die Bezirksregierung musste die Steuern vorerst nicht anheben, um die Zinsen zu zahlen - und verprellte damit keine Wähler.

Ein Weg aus der angespannten Haushaltslage?

Von 2033 an bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2051 werde dann allerdings eine Summe fällig, die den geliehenen Betrag fast ums Zehnfache übersteige, nämlich 981 Millionen Dollar. Das hatte das investigative Nachrichtenportal "Voice of San Diego" bereits Anfang August berichtet. Auf die Steuerzahler komme also eine Summe zu, die viel höher liege als bei gewöhnlichen Anleihen.

Der Leiter des Bezirks Poway Unified, John Collins, verteidigte das Vorgehen. "Wie erwartet der Staat, dass die Schulbezirke ihre Einrichtungen finanzieren, bei all den Zwängen heutzutage?", zitierte ihn die "Los Angeles Times". CABs seien derzeit einer der wenigen Auswege aus der angespannten Haushaltslage.

Ein Vertreter eines anderen Schulbezirks rechtfertigte sich ebenfalls. Mit dem Geld aus dem Anleihenverkauf würden sofort benötigte Einrichtungen finanziert. "Wir können es uns nicht leisten, weitere zehn Jahre zu warten."

Kaliforniens Finanzminister Bill Lockyer warnte hingegen mit scharfen Worten vor dieser Art der Anleihen. "Das sind schreckliche Deals", sagte er. Die Schulbehörden und deren Mitarbeiter, die sie abgenickt hätten, gehörten abgewählt und entlassen. Im Bundesstaat Michigan ist es Schulen schon seit 1994 verboten, CABs auszugeben.

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