Homeschooling: US-Gericht untersagt Asyl für deutsche Schulverweigerer

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Hausunterricht bei Romeikes (Archiv): Die Familie bekommt doch kein Asyl in den USA

Für Familie Romeike ist es ein Rückschlag. Die streng religiösen Christen wollen ihre Kinder zu Hause unterrichten. Weil das in Deutschland verboten ist, flüchteten sie in die USA und beantragten Asyl. Jetzt lehnte ein Gericht den Antrag ab. Die Romeikes wollen weiter kämpfen.

Nashville - Zeitweise sah es so aus, als habe Familie Romeike ihren Frieden gefunden. Die Eltern wehren sich seit Jahren gegen die deutsche Schulpflicht: Als bibeltreue Christen wollen sie ihre fünf Kinder zu Hause unterrichten, doch das dürfen sie in Deutschland nicht. Deswegen wanderten sie in die USA aus und beantragten Aysl. Ein amerikanisches Gericht gab dem Anfang 2010 statt.

Doch zwei Jahre später nahm das "Board of Immigration Appeals" (BIA) diesen Beschluss zurück. Diese Entscheidung hat ein Gericht am Dienstag bestätigt: Die Einwanderungsgesetze der USA garantierten kein automatisches Bleiberecht für all jene Menschen, die woanders Einschränkungen erfahren, die es unter amerikanischer Verfassung nicht gebe, urteilte das Gericht. Damit hat Amerika den Asylantrag nun also doch abgelehnt.

Das "Board of Immigration Appeals" ist im Justizministerium angesiedelt, es ist die höchste Behörde, die sich um die Anwendung und Interpretation der Einwanderungsgesetze kümmert. Die Mitglieder fragten sich damals: Litt die Familie Romeike unter Verfolgung? Wenn sie verfolgt wurden, wurden sie dann wegen ihrer Religion verfolgt? Wenn sie verfolgt wurden, wurden sie dann verfolgt, weil sie zu einer bestimmten sozialen Gruppe gehörten? Sie haben alle Fragen verneint.

Denn als Verfechter des Heimunterrichts gehörte die Familie in dem Sinne keiner bestimmten sozialen Gruppe an, das Heimunterrichtverbot werde in Deutschland generell angewendet - nicht nur, weil die Romeikes besonders bibeltreu wären.

In den USA gilt Homeschooling als klassisches Elternrecht

Während das Gericht am Dienstag nun der Sichtweise der Behörde folgte, hatte ein Richter zwei Jahre zuvor noch ganz anders geurteilt: Die sogenannten Homeschooler, die Kinder zu Hause unterrichten, seien eine besondere soziale Gruppe, die von der deutschen Regierung unterdrückt werde. Die Familie habe "gut begründete Angst vor Verfolgung" und darum das Recht, in den USA Unterschlupf zu finden. Evangelikale Christen hatten diesen Beschluss damals gefeiert. Überhaupt nahm die Homeschool-Bewegung in den USA großen Anteil an der Familie aus Bissingen in Baden-Württemberg.

Die Romeikes sind natürlich nicht die einzigen, die in Deutschland für Heimunterricht kämpfen. So wurde beispielsweise in Hessen eine streng religiöse Familie vor zwei Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Eltern hatten ihre Kinder zu Hause unterrichtet, weil sonst die "Verführung zum Bösen" drohe.

Homeschooling ist in Deutschland generell untersagt - die Verfassungen der Bundesländer sehen eine allgemeine Schulpflicht vor. Österreich, Frankreich, Großbritannien und andere Staaten kennen dagegen nur eine Unterrichts- oder Bildungspflicht. In den USA gilt Homeschooling als klassisches Elternrecht. Ein bis zwei Millionen Kinder lernen Schätzungen zufolge bei den Eltern. Nicht immer sind die Gründe dafür religiös; einige Eltern kritisieren auch starre Lehrpläne und hohe Kosten für Privatschulen.

Besonders verbissen führen evangelikale Christen den Kampf für das Homeschooling. Sie wollen ihre Kinder von weltlichen Einflüssen fernhalten und versuchen, sie im Weltbild ihres streng ausgelegten Glaubens zu erziehen. Auch die Familie Romeike wollte ihren Kindern das "unchristliche Treiben" an deutschen Schulen ersparen: Die Kinder würden in der staatlichen Schule "nach einem antichristlichen Weltbild erzogen", in Schulbüchern wimmele es von obszönen Ausdrücken, Flüchen und Gotteslästerungen, sagte Vater Romeike damals. "Es geht dort mehr um Vampire und Hexen als um Gott."

Sie werden wohl weiter dafür kämpfen. Die evangelikale Lobbygruppe "Home School Legal Defense Association" (HSLDA), die Familie Romeike vertritt, teilt auf ihrer Homepage mit: "Wir werden in den Gerichten weiter für diese Familie kämpfen."

fln/AP

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insgesamt 258 Beiträge
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1. Arme Kinder
init7 15.05.2013
Den Glauben der Eltern in allen Ehren, aber die Kinder hat in der Geschichte keiner gefragt. Auf einer öffentlichen Schule hätten sie Gelegenheit, sich ideologisch erst einmal selbst zu finden. Wenn sie von ihren Eltern von Beginn an indoktriniert werden, kommen sie niemals dazu, sich selbst für einen Glauben (oder eben keinen) zu entscheiden. Zum Wohle der Kinder sollten sie der Obhut dieser Eltern entzogen werden, sollten sie wieder europäischen Boden betreten.
2.
biobanane 15.05.2013
Erstaunliches Urteil, denn das Homeschooling ein Menschenrecht darstellt ist in den USA ein weit verbreiteter Glaube. Vielleicht auch nur die Angst das eigene Asylrecht zu weit zu öffnen.
3. optional
togral 15.05.2013
Gerade die Äußerungen der Familie verdeutlichen wie schädlich Heimunterricht sein kann.
4. Richtige Entscheidung
xianjin 15.05.2013
Die Eltern hätten ja ganz normal in die USA auswandern und dort ihre Kinder bekommen können. Stattdessen glauben sie, dass sie in D mit ihrem illegalen Verhalten durchkommen (als ob strenger Glaube zum Gesetzesbruch berechtigen würde) und wenn das nicht klappt, setzten sie sich halt in die USA ab, halten die Hand auf und machen auf "kümmert euch um uns". Grundsätzlich dürfen sie ja genau das machen, was sie wollen, aber eben nicht in D und in dieser Form auch nicht in den USA. Möglicherweise sollte hier auch das Jugendamt durchgreifen, denn der religiöse Fanatismus der Eltern ist keineswegs mit dem Wohl der Kinder vereinbar (bin übrigens selber gläubig, halte solche Fanatiker aber für sehr gefährlich, egal in welcher Religion). Seine Kinder nicht schon möglichst im ersten Lebensjahr in die Kita zu packen ist eine Sache, aber sie von der Gesellschaft abzuschotten schon eine ganz andere.
5. Schwache Argumentation
glasperlenspieler 15.05.2013
Mit dieser Argumentation könnte jeder Deutsche, der Waffen besitzen möchte, in den USA einen Asylantrag stellen, weil dort das Waffenrecht liberaler ist. Ein Schlag in das Gesicht derjenigen Asylsuchenden, die tatsächlich verfolgt werden und um ihr Leben kämpfen.
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