Proteste in Hongkong: China beharrt auf Patriotismusfach

Tausende protestieren, doch davon lässt sich China nicht abschrecken: Um den jungen Hongkongern die Liebe zu Volksrepublik und Kommunistischer Partei näherzubringen, soll es ein neues Schulfach geben. Auch wenn einige Hongkonger hungern.

Proteste in Hongkong: Dritte Stunde? China toll finden Fotos
AP

Die Proteste von Schülern, Lehrern und Eltern in der Sonderverwaltungszone Hongkong gegen ein patriotisches Schulfach sind am Montagabend wieder aufgeflammt. Tausende von Demonstranten versammelten sich, zehn befinden sich im Hungerstreik, eine Frau musste deshalb in die Klinik. Grund für den Ärger sind Pläne für ein neues Fach: "Moral und Nationale Erziehung".

Rund 8000 Menschen kamen zusammen und forderten den Hongkonger Regierungschef auf, die Pläne zu dem neuen Fach aufzugeben. Doch er stellte sich den Demonstranten nicht, im Gegenteil: Es wurde lediglich bekanntgegeben, dass die Regierung das neue Schulfach durchsetzen wolle.

Die Demonstranten befürchten, dass das Fach "Moral und Nationale Erziehung" zur Hirnwäsche dienen soll, denn die positive Darstellung des Einparteiensystems und der Kommunistischen Partei Chinas soll wesentlicher Bestandteil des Faches sein. Es kann seit Montag freiwillig unterrichtet und soll ab 2015 verpflichtend an Grund- und Sekundarschulen eingeführt werden. Bislang endet die chinesische Geschichte in Hongkongs Schulen im Jahr 1800 - Opiumkriege und Besetzung finden nicht statt.

Hungerstreik: "Ich benutze meinen Körper gegen meine Regierung"

Bereits am Wochenende hatten sich Tausende zu Protesten in Hongkong versammelt. Auch eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft Hongkongs könnte jetzt wieder entbrennen: Seit das britische Kolonialgebiet vor 15 Jahren an China zurückfiel, wird jede Einflussnahme aus Peking als Angriff gewertet. Die Pläne zur Einführung des patriotischen, prochinesischen Unterrichtsfachs führten jetzt sogar dazu, dass die Unzufriedenheit der Menschen in Hongkong mit dem System einen Rekordwert seit 1997 erreichte.

Weil es also ums Prinzip geht, dauern die Proteste an. Die Veranstaltung am Montag diente auch dazu, die zehn Demonstranten zu unterstützen, die am Samstag in Hungerstreik getreten waren und seitdem vor dem Regierungsgebäude campen. "Die Regierung ignoriert unsere Gefühle, also benutze ich meinen Körper gegen meine Regierung", sagte der 23 Jahre alte Student Ken Chan dem "Wall Street Journal". Eine der Hungerstreikenden, die ehemalige Professorin Ho Chi Kwan, musste am Montagabend auf einer Trage weggebracht werden und kam zur Behandlung in ein Krankenhaus.

Die Regierung beteuert, sich die Sichtweise der Demonstranten anhören zu wollen, die Pläne jedoch nicht aufzugeben: "Wichtig ist sicherzustellen, dass sich die öffentlichen Bedenken und die Angst der Eltern und Schüler vor der sogenannten Gehirnwäsche nicht bewahrheiten", sagte die Stellvertreterin des Regierungschefs, Carrie Lam, laut "Telegraph".

mhu

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Für freies/selbstbewusstes Denken
NXGPat 04.09.2012
... darum liebe ich HK, selbst/insbesondere nach 7 Jahren in Mainland China.
2. Man darf gespannt sein,
Tiananmen 04.09.2012
wie sich diese Geschichte entwickelt. "Ein Land, zwei Systeme" war die Utopie die Deng Xiaoping entwickelte. Bei (sehr) vorsichtiger Öffnung und Demokratisierung des chinesischen Mutterlands und der Konservierung des Status quo in der Sonderverwaltungszone hätte man sich optimistisch vorstellen können, dass dies einmal "ein Land, ein System" ergeben sollte. Den Weg Chinas in eine solche Zukunft hätte man sich gewünscht. Dass der lang und schwierig sein würde, war jedem klar, der die heutigen Verhältnisse in China wenigstens ansatzweise kennt. Einen Weg für Hongkong in die kommunistische Vergangenheit kann man sich dagegen nicht vorstellen; warscheinlich auch die Führung in Peking nicht. Aber da zeigt sich ein typischer chinesischer Charakterzug: man muss vorausschauen und Geduld haben. Bis 2014 ist lang, die alte Führungsriege bis dahin nurmehr Geschichte. Das ist dann eine gute Gelegenheit, die Anordnung (ein klein wenig) zu entschärfen und schon kann gezeigt werden, dass man wieder einen Schritt weiter in Richtung Demokratie unterwegs ist.
3. Wichtige Informationen nicht erwähnt.
Taixinomee 04.09.2012
Hier wurde vergessen zu erwähnen, dass Hongkong selbst den Unterricht gestalten darf. Ist schon wichtig, dass in Hongkong die Geschichte der chinesischen Zivilisation nicht mit 1800 endet. Das Fach im restlichen China ist allerdings tatsächlich stark an die Parteilinie angepasst. Aber das wissen die meisten heute. Die Schüler gehen hin, machen ihre Hausaufgaben, während der Lehrer genauso demotiviert vor sich hin nuschelt. Dann kommt eine Prüfung und die jungen Leute vergessen danach alles wieder.
4. Dumme und dämliche "Kommunisten"
deb2011 04.09.2012
Zitat von sysopAPTausende protestieren, doch davon lässt sich China nicht abschrecken: Um den jungen Hongkongern die Liebe zu Volksrepublik und Kommunistischer Partei näherzubringen, soll es ein neues Schulfach geben. Auch wenn die Hongkonger hungern. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,853831,00.html
Die turbokapitalistischen Kommunisten in China sind wirklich dumm und dämlich. Meinen sie wirklich, dass plumpe Propaganda auch nur einen Hongkonger von ihrem mittlerweise absurden System überzeugt? Das schürt nur Hass und Abneigung.
5.
Taixinomee 04.09.2012
Zitat von deb2011Die turbokapitalistischen Kommunisten in China sind wirklich dumm und dämlich. Meinen sie wirklich, dass plumpe Propaganda auch nur einen Hongkonger von ihrem mittlerweise absurden System überzeugt? Das schürt nur Hass und Abneigung.
Die Briten haben auch sehr erfolgreich die Chinesen in Hongkong manipuliert. Das sehen Sie z.B. an der Passage im Artikel, in dem steht, dass Chinas Geschichte in Honkongs Schulen kurz vor dem Opiumkrieg endet. Also genau der Punkt, wo die dreckige Imperialpolitik der Briten so richtig anfängt. Unglaublich, dass man sowas bis heute verschweigt. Es ist ja nicht sicher gestellt, dass im Unterricht Diktatur usw. verbreitet wird, auch wenn der Artikel dies suggeriert. Wenn der Unterricht die Geschichte des Opiumkriegs und usw. behandelt, ist das ja zu begrüßen. Hongkong hat immer noch das letzte Wort über den konkreten Inhalt.
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