Von Heike Sonnberger
Nicht nur bei uns beugen sich Schüler gerade über die Abituraufgaben - auch in Nepal stehen in diesen Tagen Abschlussexamen an, die über die Hochschulzulassung entscheiden. Nach zehn Schuljahren werden Jugendliche landesweit in verschiedenen Fächern getestet, zum Beispiel in Englisch, Nepali und Mathe. Die Prüfungen fürs "School Leaving Certificate", kurz SLC, haben am Dienstag begonnen. Sie finden in eigens eingerichteten Zentren statt und gelten als sehr schwierig.
In guten Jahren fällt nur fast jeder Zweite, in schlechten Jahren fallen zwei Drittel der Zehntklässler durch. "Die Anforderungen sind hoch und stehen in keinem Verhältnis zur Förderung der Schüler während ihrer Schulzeit", schreibt der deutsche Entwicklungshilfe-Verein "Freundeskreis Nepalhilfe" über das entscheidende Examen. Doch wer zur Uni will, muss bestehen - und dann noch zwei Jahre Schule dranhängen.
Über eine halbe Million Schüler strömten dieses Jahr in eines von rund 1750 Prüfungszentren, berichtete die nepalesische Nachrichten-Website "Kantipur Daily" . Die Sicherheitsvorkehrungen während der neuntägigen Examen seien im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal verschärft worden.
Strikte Regeln gegen Spicken
Die Prüfungsbehörde drohte an, Schülern, die unter falschem Namen erscheinen, alle vorherigen Zeugnisse wegzunehmen. Auch gegen Eltern, Lehrer oder Aufseher, die "unfaire Mittel anwenden", werde vorgegangen. In jedem Prüfungszentrum würden mindestens zehn Sicherheitsleute für Disziplin und Ordnung sorgen, schreibt "Kantipur Daily".
Trotz der strengen Kontrollen und Strafandrohungen wurden auch in diesem Jahr wieder Schüler bei dem Versuch erwischt, sich bessere Noten zu ermogeln. Ein Junge sei am ersten Examenstag in Kohalpur im Westen Nepals festgenommen worden, berichtete die "Himalayan Times". Er habe die Englischprüfung für einen anderen Schüler schreiben wollen. Dem Bericht zufolge kann Prüfungsbetrug in Nepal mit einer Haftstrafe oder einer hohen Geldstrafe geahndet werden.
Im Südosten des Landes nahm die Polizei einen Prüfling fest, der sich für seine Stiefschwester ins Examen setzen wollte. Im gleichen Bezirk hielt die Schulbehörde einen Mann auf, der sich als Aufseher ins Examen schleichen wollte, wohl um dort einem Schüler zu helfen.
Nepalesischer Sender meldet erneut Geburt im Prüfungszentrum
Außerdem soll sich ein Vorfall wiederholt haben, der schon vor zwei Jahren für Schlagzeilen in Nepal sorgte: In einem Prüfungszentrum im westlichen Distrikt Rukum soll eine Schülerin einen Sohn zur Welt gebracht haben, meldete die Nachrichtenagentur dpa mit Bezug auf den lokalen Fernsehsender "Avenues".
Nepal ist ein sehr armes Land. Nur knapp die Hälfte der 30 Millionen Einwohner kann lesen und schreiben, unter den Frauen nur jede dritte. Viele Kinder brechen die Schule vorzeitig ab, weil sich die Familien den Schulbesuch nicht leisten können.
Mit Material von dpa
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