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29. März 2012, 07:04 Uhr

Radikale US-Schule

Wer Facebook nutzt, muss gehen

In den USA droht eine Schule mit Rauswurf, wenn Schülerinnen ihren Facebook-Account behalten. Das Netzwerk sei unsittlich, schließlich könnten die Mädchen dort mit Jungs reden. Dabei hatte die Schule noch vor einem Jahr selbst zu Facebook eingeladen.

Für die meisten Schüler gehört Facebook zum Alltag, sie verabreden sich über das soziale Netzwerk, tauschen Videoclips aus und ziehen auch mal über Lehrer oder Eltern her. Einer Schule in Brooklyn, New York, passt das gar nicht: Die jüdische Beth Rivkah High School will am liebsten facebookfrei werden.

Die Mädchenschule zitierte vergangene Woche Elft- und Zwölftklässlerinnen mit einem Facebook-Account einzeln aus der Klasse und drückte ihnen ein schriftliches Ultimatum in die Hand: Entweder sie löschen ihre Accounts und zahlen 100 US-Dollar an die Schule oder ihnen droht der Rauswurf, berichtete die "Huffington Post" am Dienstag.

Das soziale Netzwerk sei nicht mit den jüdisch-orthodoxen Religionsvorschriften vereinbar, sagt ein Verantwortlicher der Schule, der lieber anonym bleiben möchte. Zu den Standards der Schulausbildung gehöre auch ein reines und geistliches Umfeld nach den Vorschriften der Tora, der heiligen jüdischen Schrift, zitiert die jüdische Zeitung "The Algemeiner" eine Mail von Schuldirektorin Schaindel Teichtel. Eine Schülerin wird deutlicher: "Die Schulleitung befürchtet, dass wir mit Jungs chatten und ihnen unanständige Fotos schicken könnten", sagt sie. Einige Schülerinnen würden das vielleicht tun, aber es seien nur sehr wenige. "Die Mädchen, die solche Bilder hochladen und mit Jungs sprechen, werden es sowieso tun", sagt eine andere Schülerin.

"Ich plane nicht, den Account zu löschen"

Dabei soll es die Schule selbst gewesen sein, die ihre Schüler im vergangenen Jahr zu einem eigenen Facebook-Profil ermunterte. Damals ging es allerdings um die Interessen der Schule, berichtet die Internetseite des Stadtteils Crown Heights: Schülerinnen und Eltern sollten die Schule im vergangenen Jahr bei einer Charity-Aktion einer Kaufhauskette unterstützen, um die finanzielle Situation der Schule zu verbessern. Die Abstimmung dafür fand auf Facebook statt. In einer Mail seien Eltern laut "The Algemeiner" darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich um eine absolute Ausnahme handele.

Immerhin dürfte sich die jüdische Schule über moralische Unterstützung von Katholiken freuen: Denn auch eine katholische High School auf den Philippinen reagiert derzeit empfindlich auf Facebook. Eine Schülerin zeigt sich auf ihrem Facebook-Profil im Bikini, dazu eine Zigarette und eine Schnapsflasche in der Hand. Deshalb wurde die Schülerin von ihrer Abschlussfeier ausgeladen. Sie habe gegen die Richtlinien der Schule verstoßen. Die Familie ist empört und beschwerte sich.

Auch die jüdischen Eltern und Schülerinnen sind wütend auf die Schule. Und beeindrucken lassen sich die Mädchen von den Drohgebärden wohl nicht: "Ich plane nicht, den Account zu löschen", sagt eine Schülerin, "ich mag mein Facebook wirklich". Nach einer Weile würden die Mädchen sich sowieso wieder anmelden - notfalls unter falschem Namen.

mer/AP

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