Kenia: Ältester Grundschüler der Welt gestorben

Dass er sich bei einer Grundschule anmeldete, machte den Kenianer berühmt: Kimani Maruge war bei der Einschulung schon 84 Jahre alt. Beinahe hätte er den Grundschulabschluss noch geschafft - doch Maruge ist vorher an Krebs gestorben.

Als Kimani Maruge eines Tages in Eldoret, einer Stadt im Westen Kenias, in der Grundschule auftauchte, begann eine Geschichte, die weltweit für Aufsehen sorgte. Er war 84, jedenfalls ungefähr, denn Urkunden oder Papiere gibt es darüber keine. Und Maruge hatte einen ganz besonderen Wunsch: Er wollte in die erste Klasse aufgenommen werden.

Es war 2004, und Maruge pochte auf sein Recht, das ihm die kenianische Regierung ein Jahr zuvor gegeben hatte. Er berief sich auf ihre Bekanntmachung, wonach jeder Bürger das Recht auf Schulbildung bekam und das Schulgeld für Grundschulen abgeschafft wurde.

Maruge hatte als Kind keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Nun war er ein Greis - und endlich Erstklässler. Als Botschafter für freie Bildung reiste er durch Kenia und 2005 sogar nach New York: Er wurde zur UN-Vollversammlung eingeladen, wo er für mehr Bildung für arme Menschen warb.

"Ich will herausfinden, ob sie die Wahrheit gesagt haben"

Zu seiner Motivation, die Schulbank zu drücken, sagte Maruge: "Man hat mir erzählt, was in der Bibel steht - ich will sie aber selbst lesen und herausfinden, ob sie die Wahrheit gesagt haben." Doch Maruge wollte mehr als Lesen lernen. Sein Traum war es, nach der Grundschule auf ein Gymnasium zu gehen, um später an einer Universität Tiermedizin zu studieren.

Doch das Lernen wurde ihm ab Ende 2007 stark erschwert: Nach den Präsidentenwahlen brachen Unruhen aus, Maruge wurde aus seinem Haus vertrieben und flüchtete in ein Camp außerhalb der Stadt. Zur Schule ging er freilich weiterhin: Jeden Tag wanderte er die vier Kilometer zur Grundschule, berichtet die Zeitung "East African Standard".

Schließlich zog er in ein Altenheim in Nairobi, meldete sich erneut an einer nahe gelegenen Schule an, wurde in die sechste Klasse aufgenommen und schaffte später die Versetzung in Klasse sieben. Ihm fehlten noch zwei Jahre zum Abschluss der Grundschule, die in Kenia nach Klasse acht endet.

"Freiheit bedeutet zu lernen", sagte er in einem Interview. Vor wenigen Tagen starb Maruge an Krebs, mit 89 Jahren, ungefähr.

bim/Reuters/AFP

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Kimani Maruge: Einschulung mit 84


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