Wo früher eine Mary Poppins mit Schürze und Schirm durch Kinderzimmer schwebte, wirbelt heute immer häufiger die männliche Nanny. Besonders alleinerziehende Mütter freuen sich über die Helfer als Papa-Ersatz - aber auch Au-pair-Agenturen loben jene jungen Männer, die sich für den traditionellen Mädchenjob entscheiden.
"Von Gastfamilien erhalten wir immer wieder das positive Feedback, dass männliche Au-pairs williger und nicht so zickig sind wie Mädchen", sagt Liane Kamin von einer Agentur Aupair-Ark.de aus Holzgerlingen. Livia Fröhlich von "Au Pair und Family" aus Berlin drückt es so aus: "Männliche Bewerber zeichnen sich durch eine größere seelische Stabilität und hohes Engagement aus." Wer erst einmal die spöttischen Blicke und Bemerkungen seiner Kumpel ertragen habe, engagiere sich in seinem Job wesentlich stärker als ein Mädchen, das nur Au-pair werde, weil alle es werden.
Eine englische Agentur lobhudelt in ihrem Blog von Mannys, den männlichen Nannys, als ob ein Verkaufssender vom neuen Bestseller schwärmt:
"Ein männlicher Au-pair zeigt sich für gewöhnlich sehr flexibel bei den 'praktischen Aspekten' seines Aufenthaltes. Ohne zu verallgemeinern, sind sie doch in der Regel nicht so pingelig, was sie essen (dafür essen sie vielleicht mehr!), wo sie schlafen (ein einfaches Schlafzimmer, spärlich möbliert, reicht aus!), wenn sie das Badezimmer teilen müssen (sie brauchen auch nicht so lange!). Außerdem sind für sie auch eine ländlichere Umgebung und Tiere im Haus in Ordnung."
Jährlich gehen Tausende junge Männer und Frauen als Au-pair von Deutschland ins Ausland. Wie viele Männer es genau sind, weiß niemand. Vielleicht drei Prozent, vielleicht fünf oder zehn - jedenfalls eine klare Minderheit. "Aber seit drei, vier Jahren fragen immer mehr junge Männer an", sagt Judith Liehr von Au-pair-Society, dem Bundesverband der Au-pair-Vermittler, Gastfamilien und Au-pairs. Auch Gastfamilien zeigen sich demnach zunehmend offener.
Einige wenige Agenturen weigern sich, Männer zu vermitteln - manchen ist es zu anstrengend, denn ein Au-pair-Junge muss immer noch vier- bis fünfmal so lange wie ein Mädchen auf Familienanschluss warten. "Einige Gastfamilien glauben, dass Mädchen besser mit Kindern umgehen können", sagt Judith Liehr. "Häufig stimmt das ja auch. Manchmal ist in der Familie auch ein Mädchen gerade in der Pubertät - und vielleicht denken Gasteltern, dass es nicht so eine gute Idee ist, einen jungen Mann ins Haus zu holen."
Der Argwohn mancher Gastväter kann eine Rolle spielen - sie "stellen sich oft quer, vor allem, wenn die Bewerber auf ihren Bildern zu gut aussehen", sagt Livia Fröhlich von der Berliner Agentur. Bei einem Au-pair-Mädchen haben die Männer freilich weniger Probleme.
Wie geht es Mannys? Vier berichten auf SPIEGEL ONLINE über ihren Job:
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