Kerle als Kindermädchen: Hilf mir, Super-Manny

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Der männliche Au-pair ist die neue Mary Poppins - pflegeleicht statt zickig, braucht nicht lange im Bad und isst fast alles. Gastfamilien mögen "Mannys". Nur Väter stellen sich manchmal quer, wenn ein Bewerber zu gut aussieht. Vier junge Männer erzählen, warum sie den traditionellen Mädchenjob lieben.

Mary Poppins mit Freund Bert (am Broadway): Jetzt dürfen gern mal Kerle zum Kindersitten Zur Großansicht
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Mary Poppins mit Freund Bert (am Broadway): Jetzt dürfen gern mal Kerle zum Kindersitten

Wo früher eine Mary Poppins mit Schürze und Schirm durch Kinderzimmer schwebte, wirbelt heute immer häufiger die männliche Nanny. Besonders alleinerziehende Mütter freuen sich über die Helfer als Papa-Ersatz - aber auch Au-pair-Agenturen loben jene jungen Männer, die sich für den traditionellen Mädchenjob entscheiden.

"Von Gastfamilien erhalten wir immer wieder das positive Feedback, dass männliche Au-pairs williger und nicht so zickig sind wie Mädchen", sagt Liane Kamin von einer Agentur Aupair-Ark.de aus Holzgerlingen. Livia Fröhlich von "Au Pair und Family" aus Berlin drückt es so aus: "Männliche Bewerber zeichnen sich durch eine größere seelische Stabilität und hohes Engagement aus." Wer erst einmal die spöttischen Blicke und Bemerkungen seiner Kumpel ertragen habe, engagiere sich in seinem Job wesentlich stärker als ein Mädchen, das nur Au-pair werde, weil alle es werden.

Eine englische Agentur lobhudelt in ihrem Blog von Mannys, den männlichen Nannys, als ob ein Verkaufssender vom neuen Bestseller schwärmt:

"Ein männlicher Au-pair zeigt sich für gewöhnlich sehr flexibel bei den 'praktischen Aspekten' seines Aufenthaltes. Ohne zu verallgemeinern, sind sie doch in der Regel nicht so pingelig, was sie essen (dafür essen sie vielleicht mehr!), wo sie schlafen (ein einfaches Schlafzimmer, spärlich möbliert, reicht aus!), wenn sie das Badezimmer teilen müssen (sie brauchen auch nicht so lange!). Außerdem sind für sie auch eine ländlichere Umgebung und Tiere im Haus in Ordnung."

Jährlich gehen Tausende junge Männer und Frauen als Au-pair von Deutschland ins Ausland. Wie viele Männer es genau sind, weiß niemand. Vielleicht drei Prozent, vielleicht fünf oder zehn - jedenfalls eine klare Minderheit. "Aber seit drei, vier Jahren fragen immer mehr junge Männer an", sagt Judith Liehr von Au-pair-Society, dem Bundesverband der Au-pair-Vermittler, Gastfamilien und Au-pairs. Auch Gastfamilien zeigen sich demnach zunehmend offener.

Einige wenige Agenturen weigern sich, Männer zu vermitteln - manchen ist es zu anstrengend, denn ein Au-pair-Junge muss immer noch vier- bis fünfmal so lange wie ein Mädchen auf Familienanschluss warten. "Einige Gastfamilien glauben, dass Mädchen besser mit Kindern umgehen können", sagt Judith Liehr. "Häufig stimmt das ja auch. Manchmal ist in der Familie auch ein Mädchen gerade in der Pubertät - und vielleicht denken Gasteltern, dass es nicht so eine gute Idee ist, einen jungen Mann ins Haus zu holen."

Der Argwohn mancher Gastväter kann eine Rolle spielen - sie "stellen sich oft quer, vor allem, wenn die Bewerber auf ihren Bildern zu gut aussehen", sagt Livia Fröhlich von der Berliner Agentur. Bei einem Au-pair-Mädchen haben die Männer freilich weniger Probleme.

Wie geht es Mannys? Vier berichten auf SPIEGEL ONLINE über ihren Job:

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1. Frauen gießen, Pflanzen leiden!
Klartext007 26.07.2010
Zitat von sysopDer männliche Au-pair ist die neue Mary Poppins -*pflegeleicht statt zickig, braucht nicht lange im Bad und isst fast alles. Gastfamilien mögen "Mannys". Nur Väter stellen sich manchmal quer, wenn ein Bewerber zu gut aussieht. Vier junge Männer erzählen, warum sie den traditionellen Mädchenjob lieben. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,701585,00.html
Männliche Praktikanten werden in unserem Kindergarten von den Kids heiß und innig geliebt. Meist zeichnen sie sich aus durch Humor, Klarheit, Ideenreichtum sowie ein direktes und unkomplziertes Wesen. Da können sich die meist übergewichtigen, gelangweilten und drögen Kolleginnen eine Scheibe abschneiden. Dass Männer in diesem Metier die Ausnahme sind und das in der Grundschule gerade so weiter geht, finde ich äzend. Schade für die Kinder.
2. Kerle als Kindermädchen
Bondgirlht 26.07.2010
Die Emanzipation hat uns Frauen viele Aufgaben gebracht, wenig Entlastung - und die Männer werden eher benachteiligt! Die Väter arbeiten, die Mütter sind oft überfordert, und die Jungs brauchen klare Ansagen, das können nur Kerle! Einen Super-Manny braucht es nicht, nur ganz normalen Umgang mit beiden Geschlechtern - mit allen Stärken und Schwächen!! Wir hatten 2 Mädchen als Au-Pair, und unsere beiden Jungs akzeptierten nur das robuste eher Junge-Mädchen. Unsere Jungs haben dann später jahrelang als Ersatzvater bei den Messdienern herhalten müssen. Dann übernahmen das 2 Mädchen, und es gibt kaum noch Messdiener, und keine gemeinsamen Freizeiten oder Gruppenstunden! Hätte ich einen jungen Mann als Au-Pair gefunden - sofort!!
3. Never again!
brigitta b. 26.07.2010
Wir hatten für unsere 3 Jungs zunächst ein spanisches Au-pair-Mädchen (wurde innig geliebt von unserem Jüngsten, für den sie hauptsächlich da sein sollte), dann einen französischen au-pair-Mann (fand ich ganz gut für 3 Jungs). Letzteren mussten wir nach nur 2 Wochen wieder wegschicken - es funktionierte überhaupt nicht!! Zweijährigen vor der Glotze parken, um dann seinen eigenen Interessen nachzugehen - alles Reden half nichts, und je mehr Zeit verstrich, umso lauter brüllte das Kind, wenn wir gingen. Mag sein, dass es anders gewesen wäre, wenn der Kerl sich für unsere Kinder wirklich interessiert hätte und au-pair aus vollem Herzen gemacht hätte - hat er aber nicht! Also: genau gucken, warum jemand au-pair macht!
4. Gewisse Gefahren
makutsov 27.07.2010
Vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Odenwaldschule und der katholischen Kirche, ist bei Männern in derartigen Positionen eine gewisse Vorsicht angebracht. Ich kenne sehr wenige Kerle, genauso wie ich, die das gern machen würden. Ich kenne eine Pädagogikstudentin, und sie meinte, dass es da schon einen erheblich höheren Pädoanteil in solchen Studiengängen gibt, als in der Normalbevölkerung. Ich würde mir für meine Kinder so jemanden nicht in die Bude holen, ist mir zu riskant. Sage ich auch als Mann.
5. ...
seyinphyin 27.07.2010
Zitat von sysopDer männliche Au-pair ist die neue Mary Poppins -*pflegeleicht statt zickig, braucht nicht lange im Bad und isst fast alles. Gastfamilien mögen "Mannys". Nur Väter stellen sich manchmal quer, wenn ein Bewerber zu gut aussieht. Vier junge Männer erzählen, warum sie den traditionellen Mädchenjob lieben. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,701585,00.html
Warum denn bitte Kerle? Schreiben Sie auch "Weiber als ..." in anderen Artikeln? Kerl hat einen durchaus beleidigenden Unterton, was soll das also in einem Artikel?
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Dem Bundesverband Au-pair Society gehören rund 50 Agenturen an. Sie alle haben sich verpflichtet, die Qualitätsvorgaben des Verbandes zu befolgen. Wer sich an diese Agenturen wendet, sollte bei der Vermittlung also eigentlich keine Probleme bekommen.
Ansprechpartner vor Ort
Wer als Au-pair ins Ausland gehen will, sollte auch schauen, ob seine Agentur im Gastland mit einer Geschäftsstelle vertreten ist - wobei gerade kleinere Agenturen im Ausland meist mit einem Partner zusammenarbeiten. Die Agentur sollte bei Fragen und Problemen während des gesamten Aufenthaltes zur Verfügung stehen, sowohl dem Au-pair als auch der Gastfamilie. Notfalls hilft sie auch, die Familie zu wechseln.
Wartezeit
Die Voraussetzungen für Au-pairs sind je nach Gastland verschieden. Ein Au-pair-Mädchen wartet meist etwa einen Monat auf eine passende Gastfamilie, ein Au-pair-Junge schon mal bis zu sechs.

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